Verpflichtendes Homeoffice, ÖPNV reduzieren und Fester-Freund-Regel

Mega Lockdown: „Es herrscht blanke Angst“ - diese Maßnahmen werden jetzt geprüft

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am kommenden Montag oder spätestens am Dienstag mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am kommenden Montag mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten.
  • Markus Zwigl
    vonMarkus Zwigl
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„Es herrscht die blanke Angst wegen der aufgetauchten Corona-Mutationen“, heißt es aus Kreisen des Bundeskanzleramtes. Deshalb will die Bundesregierung die Zügel im Kampf gegen die Pandemie weiter anziehen. Von einem „Mega-Lockdown“ ist die Rede.

Berlin - Die Lage in der Corona-Pandemie ist weiter angespannt, vor allem die aufgetauchten Corona-Mutationen machen der Politik Sorgen. Die Diskussion über zeitnahe Verschärfungen des Lockdowns hat gewaltig an Fahrt aufgenommen. Eine Verlängerung ist so gut wie sicher.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird schon kommenden Dienstag, 19. Januar, und nicht erst wie geplant am 25. Januar mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Merkel machte den Beratungsbedarf am Donnerstagabend in Sitzungen zur Vorbereitung des Wahlparteitags der CDU am Freitag und Samstag deutlich. Es gebe derzeit keinen Spielraum für Öffnungen.

Ende des Lockdowns am 31. Januar ausgeschlossen

Eine Verlängerung des Lockdowns bis über den 31. Januar hinaus scheint unumgänglich - Verschärfungen sind ebenfalls wahrscheinlich. Das Erreichen einer 7-Tage-Inzidenz von 50 oder niedriger ist ausgeschlossen. „Wir müssen etwas tun“, sagte die Kanzlerin zu den Präsidiumsmitgliedern.

Die in Großbritannien aufgetauchte Variante des Coronavirus verbreite sich viel schneller als die ursprüngliche Form, Wissenschaftler seien in großer Sorge. Die Mutation des Virus sei nach Ansicht aller sehr aggressiv, deren Verbreitung müsse verlangsamt werden.

Merkel wurde mit den Worten zitiert, man sei in einem Wettlauf mit der Zeit. Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte dem „Spiegel“: „Solange die Infektionszahlen nicht runtergehen, können die Lockdown-Maßnahmen nicht beendet werden und es werden weitere Maßnahmen nötig sein, besonders in der Arbeitswelt.“

Deshalb gelte es in der kommenden Woche bei den Beratungen über einige Themen zu sprechen - und die Liste ist lang. OVB24 hat die wichtigsten Punkte für Euch zusammengefasst:

Die „Mega-Lockdown“-Pläne

Schulen und Kitas sollen auf jeden Fall geschlossen bleiben. Ein verbindliches Home-Office steht im Raum. Des Weiteren gibt es angeblich auch Überlegungen, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr stark zu reduzieren, eine komplette Einstellung des ÖPNV dementierte Merkel bereits. Über mögliche Erweiterungen der Ausgangssperre wurde scheinbar noch nicht gesprochen. Dafür sollen auch die Kontaktbeschränkungen weiter verschärft werden.

Nach Recherchen des Wirtschaftsmagazins „Business Insider“ sollen nur noch Treffen mit einer festen Person außerhalb des eigenen Haushalts erlaubt sein, heißt es übereinstimmend aus Regierungskreisen. Aktuell darf sich ein Haushalt mit einer anderen Person aus einem befreundeten Haushalt treffen, das ist mit Freunden aus verschiedenen Haushalten möglich. Aus der 1-Freund-Regel könnte nun dann aber die 1-Fester-Freund-Regel werden. Wie man das kontrollieren könne, ist unklar.

Grenzen wieder dicht?

Bei einem Mega-Lockdown dürfte der Wirtschaftsmotor dann nur noch im Schongang tuckern. Auch ist unklar, wie es dann mit den Grenzen aussieht. Frankreich zum Beispiel, dort gilt übrigens eine nächtliche Ausgangssperre ab 18 Uhr, lässt weiterhin Flüge aus Irland zu. Speziell in Großbritannien ist die Sorge vor der mutierten Virus-Variante riesengroß. Dort sei die Situation laut Merkel „dramatisch“, die Menschen trauten sich nicht mehr auf die Straße. Sollte also Frankreich die Flüge nicht stoppen, könnte sich die Bundesregierung gezwungen sehen, die Grenzen erneut zu schließen.

Lockdown bis Ostern?

In Deutschland sind bislang nur Einzelfälle bekannt, bei denen die mutierte Virus-Form nachgewiesen wurde. Das liege allerdings daran, dass nicht speziell nach diesen getestet werde, sind sich Experten einig. „Wir brauchen mehr Teststellen, die die Mutation erkennen können“, forderte deshalb Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagausgabe). Ob ein harter Lockdown bis Ostern nötig sei, wollte Söder nicht prognostizieren. Aber: „Auch ich bleibe im Team Vorsicht.“

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, machte erneut deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus aus seiner Sicht nicht ausreichen. In den ARD-“tagesthemen“ appellierte er zudem daran, die aktuellen Maßnahmen konsequenter umzusetzen. Neben den Virus-Mutationen würden die Leute die geltenden Regeln und Maßnahmen einfach nicht mehr so gut befolgen als noch vor zehn Monaten.

Unter 15 Prozent freie Intensivbetten in elf Bundesländern

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach bei „maybrit illner“ von einem Wettrennen, die jetzige Welle schnell genug in den Griff zu bekommen, bevor sich die neuen Virus-Mutationen stärker ausbreiten. Wenn das nicht gelinge, „dann kommen wir aus dem Lockdown so schnell gar nicht mehr raus“. Ohne Verschärfungen werde dies nicht gelingen. Lauterbach erläuterte, das Durchschnittsalter in den großen Intensivstationen liege derzeit bei 60 Jahren. Darunter seien viele Jüngere, wobei sich Übergewicht als immer stärkerer Risikofaktor für schwerste Verläufe zeige.

„In Ampelfarben gesprochen: In 11 von 16 Bundesländern ist die Ampel rot, dort gibt es weniger als 15 Prozent freie Intensivbetten“, sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Lockerungen dürften erst kommen, wenn sich die Lage deutlich entspannt hätte.

1113 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden in Deutschland

In Deutschland haben sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie bereits über zwei Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 22.368 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden, wie das RKI am Freitagmorgen bekannt gab. Damit stieg die Zahl der seit Beginn der Pandemie bekanntgewordenen Fälle auf 2.000.958 (Stand: 15.01., 0 Uhr).

Dabei ist zu beachten, dass die tatsächliche Gesamtzahl noch deutlich höher liegen dürfte, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Außerdem wurden 1113 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Der bisherige Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am Donnerstag erreicht worden. 

mz

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