Maxi-Umzug für das Miniland

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Die Tage sind fast gezählt für das Miniland Heimstetten: Am 10. September schließt die größte Modellbahnschau Süddeutschlands ihre Türen vor den Toren Münchens und zieht nach Straubing. Abschiedsbesuch in einer Welt im Maßstab 1:87.

von Josef Ametsbichler

Heimstetten – Hinter Schloss Neuschwanstein vorbei schlendert Elisabeth Linert in Richtung Ölhafen. „Überall steht irgendwas rum“, sagt die Geschäftsführerin des Minilandes Heimstetten (Kreis München) mit entschuldigendem Unterton. Die Unordnung hinter den Kulissen der Modelleisenbahn sei dem bevorstehenden Umzug der Anlage nach Straubing geschuldet. Bis der am 10. September losgeht, herrscht auf der Strecke weiter Normalbetrieb.

Gut zwei Dutzend Besucher spazieren an diesem ruhigen Ferienvormittag durch die größte Modellbahnschau Süddeutschlands. Eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn auf dem Arm wippt im Takt zur Jahrmarktsmusik, die auf Knopfdruck hinter dem Karussell und dem Riesenrad hervorschallt. Zwei Rentner, beide Eisenbahnfans, schauen aufmerksam einem ICE hinterher, der gerade einen Staudamm passiert.

Überall in der 60 Meter langen Halle herrscht Hochbetrieb – dafür sorgen rund 110 Loks, die der Computer im Wechsel vollautomatisch über 1600 Gleismeter schickt. Und dutzende kleine Kuriositäten, die sich auf Knopfdruck der Besucher in Bewegung setzen – wie Eisläufer auf einem zugefrorenen See, Bergbahnen oder Windkrafträder.

Dafür, dass vom Schattenbahnhof unter der Zugspitze bis zum Jumbo-Jet-Rundflug alles reibungslos funktioniert, sorgt Klaus Gottwald. Der 59-Jährige ist der Cheftechniker im Miniland. Er wartet, repariert und programmiert die Züge und hat auch sonst alles im Blick, was fährt, wackelt, rotiert oder leuchtet. Seit neun Jahren ist er dabei. „Das ist eine Berufung“, sagt er. Selber hatte er eine kleine Anlage im Keller, als er mitbekam, dass das Miniland einen Techniker suchte, war es für ihn die Gelegenheit, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Die waren ja auch völlig hilflos ohne mich“, sagt er mit einem Schmunzeln. Klar, dass er den Umzug mitmachen wird.

Plötzlich wird es dunkel in der Halle und zigtausende LED-Lämpchen blinken hinter Häuserfassaden hervor, von Bergen und Windkraftanlagen herab oder markieren die Startbahn des Flughafens. Alles glitzert – und zehn Minuten lang legt sich die Nacht über die Landschaft von der Nordsee bis zu den Alpen. Dann wird es wieder Tag. Die Zeit vergeht schnell im Miniland.

Gleichzeitig scheint sie fast stehen geblieben zu sein. Modellbau, das hat etwas Nostalgisches. Doch Angst, dass ihre Anlage irgendwann keine Besucher mehr anziehen könnte, hat Elisabeth Linert nicht. „Die Faszination für Transportmittel ist bei allen Kindern da. Und auch bei vielen Erwachsenen.“ Und damit den umtriebigeren Kindern nicht langweilig ist, hat das Miniland ein Laser-Labyrinth, in dem es wie im Film den roten Lichtstrahlen auszuweichen gilt. „Man muss ein bisschen mit der Zeit gehen“, sagt die 50-Jährige.

Unter den Modellbahn-Fans hat Linert zwei Typen ausgemacht: die Technik-Freaks, die mit Gleisen und Kabeln auf einer nackten Holzplatte zufrieden seien. Und die Landschaftsfreunde, denen es vor allem um die detailgenaue Gestaltung des Drumherums geht. Damit man Eintritt verlangen kann, brauche es aber beides: Technik und Liebe zum Detail.

Die Eisenbahn-Fans aus der Region München müssen künftig nur eine weitere Anfahrt in Kauf nehmen. Im kommenden Februar soll die Anlage in den „Straubinger Wunderwelten“ neu eröffnen. „Wir ziehen um, weil wir mehr Platz brauchen“, sagt Linert. Außerdem werde der neue Standort endlich barrierefrei. Die jetzige Halle liegt im 1. Stock ohne Aufzug.

Ein bisschen graut der Chefin vor dem aufwendigen Umzug nach neun Jahren in Heimstetten. Vier Wochen plant sie allein für das Zerlegen der Anlage ein. „Hoffentlich reicht das zeitlich“, sagt sie. Denn dann stehen die Packer vor der Tür und in 20 Sattelschlepper-Fuhren reist das Miniland nach Niederbayern.

Für Besucher

ist das Miniland im Gewerbegebiet Heimstetten bei Kirchheim noch bis 10. September täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet 9,90 Euro, Schulkinder bezahlen 4,80 Euro. Mehr Preise und Infos im Netz: www.miniland.de

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