Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Seine „Emmi“ ist ein Star

Der „Kuhflüsterer“ von Steingaden und seine tierischen Geheimnisse

Emmis Balanceakt: Markus Holzmann trainiert in Steingaden mit dem sechsjährigen Rind. Auch andere Tierhalter bitten den „Kuhflüsterer“ um Hilfe.
+
Emmis Balanceakt: Markus Holzmann trainiert in Steingaden mit dem sechsjährigen Rind. Auch andere Tierhalter bitten den „Kuhflüsterer“ um Hilfe.

Ihre gut 900 Kilogramm Gewicht halten Emmi nicht vom Schritt auf ihre kleine Bühne ab. Für ihren Besitzer Markus Holzmann vollbringt die Kuh erstaunliche Kunststücke. Wie schafft der Mann das?

VON FREDERIK MERSI

Gerade mal 60 Zentimeter Durchmesser bietet das Podest, das vor dem etwa sechs Jahre alten Rind auf der Wiese steht – doch durch das Training von Markus Holzmann schafft Emmi den erstaunlich grazilen Balanceakt. Der 21-Jährige aus Steingaden (Kreis WeilheimSchongau) ist dort als „Kuhflüsterer“ bekannt – ein Titel, den er sich nicht selbst ausgesucht hat, wie er betont.

Über Jahre hinweg hat Holzmann auf dem Hof seiner Familie nicht nur Emmi, sondern auch seinem Ochsen Hugo, Pferd Prinz und einigen weiteren Rindern Kunststücke und den Umgang miteinander antrainiert. Inzwischen verdient er als Kuhcoach sein Geld. Vor allem Hobby-Tierhaltern hilft er beim Umgang mit Rindern und Pferden, sagt er. Dafür ist er in ganz Deutschland und in der Schweiz unterwegs. Manche Tierhalter bringen ihre Rinder und Pferde auch zu ihm an den Alpenrand, wo sie auf einem Trainingsparcours üben können, der einer Hundesportanlage im Großformat gleicht.

Im Norden Deutschlands sucht man ebenfalls nach verborgenen Rindertalenten – allerdings mit anderen Zielen. Jan Langbein forscht am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf in MecklenburgVorpommern daran, wie Kälber „stallrein“ werden können. Denn treffen Urin und Kot von Rindern aufeinander, entsteht Ammoniak. Das wiederum schadet Umwelt, Gesundheit und Klima. Kann man das große und das kleine Geschäft getrennt auffangen, lassen sich diese Emissionen vermeiden. In ersten Versuchen haben die Forscher elf von 16 Kälbern so weit trainiert, dass sie mehr als drei Viertel ihrer kleinen Geschäfte in einer Latrine verrichteten. Dabei setzten die Forscher auf Futter als Belohnung und Kaltwasser-Spritzer als Strafen. Das Ergebnis: Die Kälber waren beim Toiletten-Training nach Angaben der Forscher ähnlich erfolgreich wie Kinder. Nun sollen weitere Versuche unter realen Stallbedingungen folgen.

„Wenn man Tieren die richtigen Fragen stellt, kann man da viel entdecken“, sagt Langbein. Auch an den Ku(h)nststücken in Steingaden sei an sich nichts auszusetzen. „Ich sehe darin überhaupt kein Problem, solange das über positive Konditionierung läuft – also über Belohnungen“, sagt Langbein. Wichtig sei auch, nichts zu trainieren, was dem natürlichen Verhalten entgegenstehe. Dann seien die Rinder beschäftigt und in Kontakt mit Menschen. „So eine Kuh hat dann auf jeden Fall mehr Spaß am Leben als die Milchkuh im Stall“, sagt er.

Eine Kuh macht nichts, was sie nicht wirklich will.

Markus Holzmann

Aber auch dort spiele Training eine wichtige Rolle, sagt eine Sprecherin des Bayerischen Bauernverbands (BBV). „Bei Milchkühen wird beispielsweise das Melken mit einer positiven Erinnerung verknüpft.“ So werde den Tieren im Melkroboter Kraftfutter serviert, damit diese dorthin zurückkehren. Aber auch ein guter und bewusster Umgang der Landwirte spiele eine Rolle, sagt die Sprecherin – zum Beispiel durch Anrede mit entspannter Stimme und Streicheleinheiten. Angebote wie Kuhtrekking oder das Kuhtraining im Allgäu stoßen auch bei den Landwirten grundsätzlich auf Zustimmung. Diese ermöglichten „Verbrauchern den oft verloren gegangenen Kontakt zur Landwirtschaft und den damit verbundenen Nutztieren“, sagt die BBVSprecherin. Vermenschlicht werden sollten Kühe bei all ihren Fähigkeiten dabei aber nicht, betont sie. „Das kann dazu führen, dass tiereigene Verhaltensmuster vom Menschen falsch interpretiert werden.“

„Kuhflüsterer“ Markus Holzmann macht sich darum keine Sorgen. Respekt müsse man vor den Tieren haben, betont er. Das sei auch das, was er seinen Besuchern rüberbringen wolle. „Eine Kuh macht nichts, was sie nicht wirklich will.“ Das zeigt Rind Emmi auch kurze Zeit nach ihrem Kunststück. Nur widerwillig folgt sie Holzmann in die vorgegebene Richtung. „Es muss sich eben lohnen“, sagt Holzmann und lacht.