16 Bewohner verstarben im Heim

19 Tote nach Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Oberbayern: Heim sucht nach Erklärungen

Wie es zu dem Ausbruch in dem Heim in Markt Schwaben kam, sei derzeit noch unklar, sagte die Sprecherin des Landratsamtes.
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Wie es zu dem Ausbruch in dem Heim in Markt Schwaben kam, sei derzeit noch unklar, sagte die Sprecherin des Landratsamtes. (Symbolbild)
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Nach einer massenhaften Infektion mit dem Coronavirus in einem Pflegeheim im oberbayerischen Markt Schwaben sind 19 Bewohner an oder mit dem Virus gestorben.

Markt Schwaben - Insgesamt waren seit Anfang Januar 63 Bewohner und 24 Mitarbeiter des Heims im Landkreis Ebersberg positiv auf das Coronavirus getestet worden, wie eine Sprecherin des Landratsamtes am Freitag bestätigte. Derzeit seien noch 13 Bewohner und 13 Mitarbeiter aktiv infiziert. Nachdem überraschend Dutzende Bewohner und Pflegekräfte positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden waren, war die AWO-Einrichtung in der Trappentreustraße am Dreikönigstag geschlossen worden.

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16 Bewohner verstarben im Heim

16 der Toten sind vor Ort in dem Pflegeheim gestorben, teilt das Amt gegenüber unserem Partnerportal merkur.de mit, drei Covid-19-Patienten in der Klinik. „Der Arzt vor Ort entscheidet über die Einweisung in die Klinik“, kommentiert das Landratsamt, weshalb die wenigsten Patienten ins Krankenhaus kamen. Der Ärztliche Direktor der Kreisklinik, Dr. Peter Kreissl, wies Anschuldigungen entscheidend zurück und wies außerdem darauf hin, dass auch auf der Normalstation Corona-Patienten versterben würden. „Wir führen keine Triage durch“, betonte Kreissl.

Ausbruchsursache unklar

Wie es zu dem Ausbruch in dem Heim kam, sei derzeit noch unklar, sagte die Sprecherin des Landratsamtes. Eine Erklärung könne sein, dass dort sehr viele Demenzkranke lebten, die nicht in der Lage seien, Hygienemaßnahmen zu beachten. Kurz vor dem Ausbruch hätten Mitarbeiter des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei einer Begehung des Heims keine gravierenden Verstöße festgestellt. Das Gesundheitsamt sucht aber weiterhin nach Erklärungen.

Insgesamt hat das Pflegeheim in Markt Schwaben nach Angaben der Landratsamtssprecherin 89 Plätze für Bewohner. Wegen des Infektionsgeschehens - die Einrichtung war bereits Anfang Januar massiv betroffen - sei die Erstimpfung gegen das Coronavirus erst vor rund einer Woche durchgeführt worden.

Rund die Hälfte der Todesfälle in Bayern in Heimen

Kürzlich hatte das bayerische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass rund die Hälfte der Menschen, die im Freistaat an oder mit einer Corona-Infektion gestorben seien, in Alten- oder Pflegeheimen lebten. Corona-Ausbrüche in Altenheimen sind besonders gravierend, weil die meisten Menschen dort Vorerkrankungen haben und sich das Virus schnell verbreiten kann. Kritiker werfen der Staatsregierung vor, zu wenig für den Schutz der Alten getan zu haben.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) bezeichnete die Situation in den Alten- und Pflegeheimen unlängst als „Kernfrage“. Dort seien die größten und schwersten Ausbruchsgeschehen verzeichnet worden.  

mz/dpa

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