St. Margareth mit dem Spitzhelm

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Beeindruckender Blick ins Innere: Die Seitenaltäre sind Maria und Isidor, dem Schutzpatron der Landwirte, geweiht.

Unsere Schönsten Kirchen . Das schmucke Dorf Bayrischzell zu Füßen des Wendelsteins zählt zu denjenigen traditionsreichen Gemeinden im Bayerischen Oberland, in dem an Sonn- und Feiertagen noch viele Einwohner in Tracht zur Kirche gehen.

Der 1883 von dem Lehrer Josef Vogl in Bayrischzell gegründete „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein“ ist der älteste Trachtenverein Bayerns. Die heute zur Schau gestellte Symbiose von Trachtlern und katholischer Kirche war ursprünglich nicht gegeben. Hinter den Trachtenvereinen vermutete der Klerus vielerorts unkeuschen Lebenswandel. Junge Leute beiderlei Geschlechts kamen ohne Aufsicht zusammen, tanzten und waren guter Dinge. Erst nach dem Ersten Weltkrieg kamen Kirche und Vereine aufeinander zu.

Die Pfarrkirche St. Margareth von Bayrischzell bewahrt aus mittelalterlicher Zeit ihren spätgotischen Glockenturm mit vier Giebeln, Turmuhr und hoch aufragendem Spitzhelm. Die eigentliche Kirche ist ein barocker Neubau aus dem 18. Jahrhundert. Die Kirchengeschichte von Bayrischzell ist jedoch viel älter. Die Gräfin Haziga, eine Ahnfrau der Wittelsbacher, gründete um 1076 in der abgeschiedenen Gegend eine Einsiedelei, eine Möchszelle, die das „Zell“ in den Ortsnamen brachte.

Diese Eremitenklause wurde 1079 in ein Kloster umgewandelt, das allerdings wegen seiner unwirtlichen Lage bereits 1085 nach Fischbachau und später nach Scheyern verlegt wurde. Zum Kloster Scheyern gehörte Bayrischzell bis zur Säkularisation 1803. Unter dem dortigen Abt Placidus Forster entstand ab 1734 wohl die neue Kirche. Der Laienraum ist von quadratischem Grundriss mit abgeschrägten Ecken, an den sich nach Osten der eingezogene, halbrunde Chor, nach Westen ein rechteckiger Raum mit doppelten Emporen anschließen.

Das Flachkuppelfresko von Melchior Puchner aus Ingolstadt zeigt die Gründungsszene mit der knienden Gräfin Haziga und einen duftigen Rokoko-Heiligenhimmel, in dem sich Heilige um Maria mit dem Kind scharen. Eingefasst wird das Fresko durch gemalte, in Stuck gefasste Kartuschen der vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Im Schrein des reich vergoldeten Hochaltares stehen die Skulpturen der „Drei Heiligen Madl“: Überhöht in der Mitte die heilige Margareth mit dem Kreuz, wiederum mit dem Drachen zu ihren Füßen, links die heilige Katharina mit dem Rad, rechts die heilige Barbara mit dem Turm. Beide tragen ein Schwert, mit dem sie das Martyrium erlitten haben. Darüber thront im Auszug des Altares Maria mit dem Jesuskind, flankiert von zwei Engeln. Die Seitenaltäre sind Maria und Isidor, Schutzpatron der Landwirte, geweiht. Wilfried Rogasch

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