Mann von U-Bahn überrollt

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Tödlicher Unfall am Candidplatz: Zugführer war betrunken, hätte aber auch nüchtern nicht mehr reagieren können Zwei schwere Unfälle mit S- und U-Bahn haben sich in den letzten Tagen in München ereignet.

Ein 25-jähriger Mann ist am Sonntagmorgen im U-Bahnhof Candidplatz von einer Bahn überrollt und getötet worden. Der Fahrer der U-Bahn war betrunken, hätte den Zusammenstoß nach bisherigen Erkenntnissen aber auch nüchtern nicht verhindern können. Der Fahrer sei bis auf Weiteres vom Dienst suspendiert worden, teilte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit. In der Silvesternacht stürzte ein 21-jähriger Mann am Rosenheimer Platz gegen eine anfahrende S-Bahn. Er wurde mehrere Meter mitgeschleift und schwer verletzt.

Der erste Unfall ereignete sich am Sonntagmorgen um 6 Uhr. Nach Angaben der Polizei stand ein 25-jähriger aus Sierra Leone stammender Mann in der U-Bahnstation Candidplatz. Als eine stadtauswärts fahrende U1 auf Gleis 2 einfuhr, torkelte der Mann nach vorne und stürzte kurz vor dem Zug auf die Gleise.

Der 61 Jahre alte U-Bahnfahrer leitete noch eine Notbremsung ein, konnte aber nicht verhindern, dass der Mann von dem Zug überrollt wurde. Nach Angaben der Polizei ist unklar, ob es sich um einen Unfall oder womöglich um einen Suizid handelte. Der Mann lebte in einem Männerwohnheim.

Polizeibeamten fiel nach dem Unfall auf, dass der U-Bahn-Fahrer nach Alkohol roch, weshalb sie ihn zunächst einem Atemtest unterzogen und anschließend zur Blutentnahme in die Rechtsmedizin brachten. Laut Polizei hatte er rund ein Promille Alkohol intus. Er wurde wegen „Gefährdung des Bahnverkehrs“ angezeigt.

Der Unfall weckt Erinnerungen an eine Trunkenheitsfahrt vom Februar 2012. Damals hatte ein U-Bahn-Fahrer rund zwei Promille im Blut. Er durchfuhr sogar Stationen, bevor sein Zug gestoppt werden konnte.

Die „Aktion Münchner Fahrgäste“ zeigt sich entsetzt über den neuerlichen Unfall. „Auch beim Fahrpersonal scheint Alkohol ein Problem darzustellen“, sagte Sprecher Andreas Nagel. Ein Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft erwiderte, man weise „die Pauschalverdächtigung, beim Fahrpersonal gäbe es ein Alkoholproblem, mit Empörung zurück“. Für die Fahrer, hieß es auf Nachfrage, gelte eine „eindeutige 0,0-Promille-Vorschrift“, die auch kontrolliert werde. Verstöße würden „konsequent geahndet“.

Am Neujahrsmorgen kam es am S-Bahnhof Rosenheimer Platz zu einem weiteren schweren Unfall. Ein 21-jähriger Mann hielt sich um Viertel vor sechs in der Früh mit Freunden am Bahnsteig auf. Er torkelte mit dem Rücken gegen eine bereits angefahrene S-Bahn und geriet mit dem Fuß in den Spalt zwischen S-Bahn und Bahnsteig. Der junge Mann wurde mitgeschleift und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Er kam mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus, Lebensgefahr bestand laut Bundespolizei aber nicht. Wegen des Rettungseinsatzes kam es am Neujahrsmorgen zu Verspätungen im S-Bahnverkehr.

Felix Müller/ Sven Rieber

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