Ein Mann und seine Modellauto-Flotte

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Ein Eiswagen aus Wellpappe. Die Werbeaufdrucke hat Pfeffer aus Frankreich mitgebracht.

Hubert Pfeffer schwärmt für Frankreich – und für Citroën. Daheim in Peiting bastelt er die Modelle des Autobauers in Kleinstarbeit nach. So etwa 600 Stück sind es inzwischen. Und Pfeffers kleine Welt im Maßstab 1:18 soll noch wachsen.

Modellbau 

Hubert Pfeffer schwärmt für Frankreich – und für Citroën. Daheim in Peiting bastelt er die Modelle des Autobauers in Kleinstarbeit nach. So etwa 600 Stück sind es inzwischen. Und Pfeffers kleine Welt im Maßstab 1:18 soll noch wachsen.

Von Hans-Helmut Herold

Peiting – Ja, er liebt Autos, aber nicht irgendwelche. „Warum nur Auto fahren“, sagt Hubert Pfeffer, „wenn man auch in einem Citroën schweben kann?“ Der Mann aus Peiting (Kreis Weilheim-Schongau) ist ein großer Fan der französischen Automarke – und zwar schon seit 40 Jahren. Wer sich bei ihm zu Hause umschaut, muss seinen Satz fortführen: Warum nur einen Citroën besitzen, wenn man auch 600 haben kann?

Der 69-Jährige ist in seiner Heimatgemeinde vor allem als Karikaturist bekannt. Aber er hat noch eine zweite Leidenschaft, von der die wenigsten wissen. Er sammelt und baut Citroën-Modelle.

Ohnehin ist er ein frankophiler Typ und liebt die französische Lebensweise. Bei seinen vielen Besuchen im Nachbarland fielen ihm vor allem die ausgefallenen Automodelle auf, die in den vielen Nebenstraßen rund um den Montmartre standen. Zu dieser Zeit sammelte er schon Modell-Autos, aber diese besonderen Stücke waren auf dem Modell-Markt einfach nicht zu bekommen. Was machte also einer wie Pfeffer? Er baute sie einfach selbst.

Das tut er bis heute. Ein geschultes Auge hat er ja, dazu ein fotografisches Gedächtnis für all die kleinen Details, die jedem Modell seinen einzigartigen Charme verleihen. Sein großes Vorbild: André-Gustave Citroën, Konstrukteur des Doppelwinkel-Getriebe-Radzahns. So wie er Anfang des 20. Jahrhunderts seine Modelle baute, fertigt Pfeffer die kleinen Nachbildungen auf seinem Arbeitstisch in Peiting. Stück für Stück, detailgetreu, die meisten im Maßstab 1: 18. Pfeffer am Marterpfahl, gefesselt von Citroën.

Pfeffer arbeitet mit zwei Methoden. Die wenigen Standartmodelle, die es auf dem Markt gibt, schlachtet er aus und modifiziert die so gewonnenen Teile für seine Unikate. Dann gibt er jedem Modell mit kleinen Accessoires einen individuellen Anstrich. Er fertigt sie in Handarbeit; da kann es schon mal passieren, dass er die ganze Nacht am Tisch sitzt, um für den schwarzen Leichenwagen einen Sarg im passenden Maßstab nachzubauen – mit Haltegriffen und Kränzen obendrauf. Die Limousine gibt’s in vier verschiedenen Ausführungen. Denn der Staatsmann wird anders zum Grab gefahren als Herr Otto Normalverbraucher.

Daneben gibt es noch eine zweite Gruppe von Modellen, die Wellblechgeneration. Hier ist alles Eigenbau. Pfeffer verarbeitet nur gewellte Pappe, schneidet, knickt, formt sie und setzt dann die Einzelteile zusammen. Die Lackierung gibt der ganzen Konstruktion die nötige Festigkeit; man will die Modelle ja schließlich auch anfassen.

Bei einem Arbeitsschritt braucht Pfeffer besonders viel Fingerspitzengefühl: Er bekommt es mit hauchdünnen Drähten und Lötzinnstangen tatsächlich hin, dass sich Fenster und Türen öffnen und schließen lassen. Die Reklameaufschriften für seine Modelle sind übrigens alle Originale. In Frankreich sammelt der Tüftler Tüten und Verpackungen, die einen Werbeaufdruck haben – und verziert damit seine Autos.

„Solche Modelle kannst du nur streicheln“, sagt Pfeffer und schwärmt für jene, die heute längst Oldtimer-Status haben. Denn die wurden noch auf dem Reißbrett konstruiert. Es ist ihr ganz eigener Charakter, den Pfeffer so liebt und den er einfangen will. Die Wellpappe etwa erinnert an das Wellblech, aus dem die erste Ente gefertigt wurde.

Die Modelle, die in seinen Vitrinen stehen, erinnern den Peitinger vor allem auch an seine Frankreich-Besuche. Der Zirkuswagen mit den tanzenden Affen, der Wagen, bei dem man die frischen Crêpes geradezu riechen kann oder auch die Sahara-Modelle, an denen echter Wüstensand klebt – sie sind lebendige Erinnerungen, hergestellt nur mit Cutter-Messer, Schere, Leim, Klebeband – und jeder Menge Liebe.

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