Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Ein Mensch ist auf einmal nicht mehr da - und keiner weiß warum“

Tod durch das Borna-Virus: Sandro verlor seine Frau (†31) wegen einer Spitzmaus

Borna-Virus Schicksalsschlag
+
Sandro Wiesmann aus Huldsessen an den Landkreisgrenzen Mühldorf am Inn und Altötting verlor vor sechs Jahren seine Frau an das Borna-Virus. Nun möchte der junge Witwer und Vater aufklären und eine Warnung aussprechen, wie gefährlich der Kontakt mit Spitzmäusen sein kann.
  • Marina Birkhof
    VonMarina Birkhof
    schließen

Daniela Wiesmann starb an einer Infektion mit dem Borna-Virus - mit gerade einmal 31 Jahren. Witwer Sandro hat uns seine Geschichte erzählt: Ein schlimmer Schicksalsschlag für die junge Familie aus Huldsessen an den Landkreisgrenzen Mühldorf am Inn und Altötting - ausgelöst durch ein winziges Säugetier.

Huldsessen (Landkreis Rottal-Inn) – Es war ein ganz normales Wochenende Anfang April vor sechs Jahren. Sandro Wiesmann und seine Frau Daniela arbeiteten beide in der Pflege. Zum Feierabend bekam die 31-Jährige plötzlich Erkältungssymptome.

„Sie fühlte sich grippisch, hatte leicht erhöhte Temperatur und legte sich ins Bett, da die Beschwerden mit starken Kopfschmerzen einhergingen“, erklärt Sandro im Gespräch mit innsalzach24.de.

Seine Finger sind leicht zittrig, der Blick wandert unruhig über den Esstisch im gemeinsamen Haus in Huldsessen. Der kleine niederbayerische Ort liegt direkt hinter den Landkreisgrenzen von Mühldorf am Inn und Altötting. Einige Bilder im Haus erinnern noch an die Familie.

Danielas Zustand verschlechterte sich zusehends

„Daniela ging es rapide schlechter“, fährt Sandro fort. „Das Fieberthermometer kletterte auf 42 Grad. Sie war nicht mehr aus dem Bett zu kriegen, befand sich in einem Fieberdelirium mit Gedächtnisverlust.

Über drei Tage lang hat sie nur eineinhalb Liter Wasser zu sich genommen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich entschloss, sie ins Krankenhaus zu bringen, damit sie unter Beobachtung ist und Infusionen für die Flüssigkeitszufuhr bekommt.“

Es folgte die Einlieferung in die Notaufnahme in Eggenfelden. Das war am 17. April 2016: Der Beginn einer Odyssee. Danielas Zustand verschlechterte sich zunehmend, sie war nicht mehr ansprechbar, wurde auf die Intensivstation gebracht.

Eine Kernspintomographie offenbarte helle Flecken im Gehirn, Anzeichen einer Gehirnhautentzündung (Meningitis). Schließlich entschieden sich die Ärzte, die 31-Jährige mit dem Hubschrauber in die Neurologie nach Regensburg zu verlegen - im künstlichen Koma.

„Ich war jeden Tag bei ihr - keiner konnte mir sagen, was meiner Frau fehlt. Sie haben alles untersucht, auch in Bezug auf seltene Tropenkrankheiten und es wurden verschiedene Antibiotika ausprobiert - nichts hat geholfen. Die Ärzte waren mit ihrem Latein am Ende“, erinnert sich der heute 37-Jährige. An das Borna-Virus dachte zu dem Zeitpunkt keiner.

Vier Wochen später, am 17. Mai, wurde Daniela nach einem Hirnschlag für klinisch tot erklärt. Ein Schock für Sandro und die ganze Familie, die für den Huldsessener in der schlimmen Zeit eine große Stütze war. Sohn Luca war zu dem Zeitpunkt zwei Jahre alt. „Er war immer sehr Mama-bezogen. Ich habe Vollzeit im Schichtdienst gearbeitet - und jetzt war plötzlich nur noch ich da und die Mama weg.“

Mit Danielas Tod begann eine schwere Zeit: Behördengänge, den Alltag und die Arbeit stemmen, die Beerdigung vorbereiten. „Ein Mensch ist auf einmal nicht mehr da - und keiner weiß, warum. Das war das Schlimmste“, erklärt Sandro mit brüchiger Stimme.

Spitzmaus Hauptüberträger des Borna-Virus

Etwa ein halbes Jahr später erhielt der junge Vater einen Anruf des Hausarztes. „Mithilfe eines neuen Geräts am weltweit anerkannten Virenforschungsinstitut, dem Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems in der Ostsee, konnte eine eingefrorene Blutprobe von Daniela analysiert werden. Das Gerät schlug auf das Borna-Virus an. Die Wissenschaftler hatten dieses zum damaligen Zeitpunkt sehr unbekannte Virus zwar schon einmal im Visier, gingen aber davon aus, dass es für Menschen ungefährlich sei.“

Wie das Robert-Koch-Institut in einem Informationsblatt erklärt, wurde im Jahr 2018 das Virus (BoDV-1) erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen nachgewiesen.

Hauptüberträger des Virus ist die Feldspitzmaus. Mögliche Infektionswege sind die Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, das Einatmen des Virus über kontaminierten Staub oder der direkte Kontakt, wie der Biss einer Spitzmaus. 

„Wäre sie nicht so tierlieb gewesen, würde sie heute noch leben“

Die Wiesmanns wohnen am Feldrand, Daniela rettete häufig Mäuse vor den Katzen oder beseitigte tote Mäuse. „Es hat nur ein Pfeifen gereicht, schon ist sie zu Hilfe geeilt. Wäre sie nicht so tierlieb gewesen, würde sie heute noch leben“, sagt Sandro mit tonloser Stimme.

„Einer gesunden 31-jährigen Frau hätte das Borna-Virus wohl nichts getan. Weil Danielas Immunsystem jedoch durch eine Gürtelrose, die sie ein knappes halbes Jahr zuvor hatte, geschwächt war, hatte das Virus wohl ein leichtes Spiel. Es passte alles zusammen, die Todesursache lag auf der Hand“, erzählt Sandro mit leerem Blick.

Sandro möchte aufrütteln - und auf die Gefährlichkeit des Borna-Virus hinweisen

Immer wieder hört man von tödlichen Verläufen durch Infektionen mit dem Borna-Virus: So starben in den Jahren 2011 bis 2013 in Sachsen-Anhalt drei Bunthörnchen-Züchter an einer neuen Form des Borna-Virus, in der Gemeinde Maitenbeth im Kreis Mühldorf starb 2019 ein 11-jähriges Mädchen an dem Virus und aktuell gibt es einen Fall, der im Mühldorfer Krankenhaus behandelt wird.

Sandro möchte mit seiner Geschichte aufrütteln und die Leute vor ähnlichen Schicksalsschlägen bewahren. „Es gibt nicht nur Corona oder Affenpocken, es kursieren viele andere Viren, die mutieren und tödlich sein können. Besonders auch Kinder sollten den Kontakt mit Spitzmäusen meiden und unbedingt Handschuhe tragen.“

Danielas Tod liegt nun sechs Jahre zurück. Für den Huldsessener und seinen Sohn geht das Leben weiter - mittlerweile mit einer neuen Frau an Sandros Seite. „Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber man versucht, die positiven Dinge im Leben wieder mehr zu sehen. Ich gebe allein schon wegen Luca nicht auf. Wir blicken nach vorne.“

mb

Kommentare