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Größter keltischer Goldfund des 20. Jahrhunderts entwendet

Millionenraub aus Museum in Manching: Landeskriminalamt nennt weitere Details

Manching: Einbrecher stehlen Goldschatz im Millionenwert
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Ein Polizei-Absperrband hängt im Ausstellungsraum des Kelten-Römer-Museum. 
  • Benjamin Schneider
    VonBenjamin Schneider
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  • M. Cihad Kökten
    M. Cihad Kökten
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Manching bei Ingolstadt - Für das römisch-keltische Museum war der Goldschatz das prunkvolle Aushängeschild – nun sind die 450 Münzen weg. Einbrecher haben den zwei Jahrtausende alten Schatz aus Manching komplett gestohlen. Spezialisten des Landeskriminalamtes haben sich eingeschaltet.

Update, 23.11, 16.06 Uhr - Landeskriminalamt nennt weitere Details

Pressemitteilung im Wortlaut:

Herr Polizeivizepräsident Guido Limmer, Vizepräsident des Bayerischen Landeskriminalamtes sowie Herr Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Nicolas Kaczynski, Leiter der Staatsanwaltschaft Ingolstadt, informierten zum aktuellen Stand der Ermittlungen.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass sich die unbekannten Täter gegen 1.26 Uhr Zutritt zum Gebäude verschafft haben, gezielt eine Vitrine mit einem Goldschatz, bestehend aus 483 Goldmünzen und einem Goldgusskuchen aufbrachen. Zudem wurden aus einer weiteren Vitrine drei Münzen entwendet. Die Tat wurde durch Mitarbeiter des Museums gegen 9.45 Uhr festgestellt und dem Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitgeteilt.

Die automatisierte Alarmanlage des Museums löste einen Alarm aus. Dieser wurde jedoch aufgrund des Ausfalls der Telefon- und Internet-Versorgung nicht an die Sicherheitszentrale der Wachfirma übermittelt. Die Datenträger der Videoaufzeichnungen im Museum wurden gesichert und werden im Nachgang ausgewertet.

Der Ausfall der Telefon- und Internet-Versorgung ist auf eine Sachbeschädigung an einer Glasfaser-Verteilerstelle der Deutschen Telekom in Manching zurückzuführen, die in der gleichen Nacht gegen 1.17 Uhr durch unbekannte Täter angegangen wurde. Dazu verweisen wir auf den Pressebericht des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, welches zunächst die Ermittlungen aufnahm. Aufgrund der zeitlichen und örtlichen Nähe dieser Beschädigung mit dem Einbruch ist ein Zusammenhang naheliegend.

Das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) hat unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Ingolstadt die weiteren Ermittlungen sowohl für die gemeinschädliche Sachbeschädigung als auch für den schweren Bandendiebstahl zentral übernommen.

Der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts wurde 1999 gefunden. Der reine Goldwert beträgt zwei Millionen Euro.

Hintergrundinformationen zum Goldschatz

Herr Prof. Dr. Rupert Gebhard, Leitender Sammlungsdirektor der Archäologischen Staatssammlung beleuchtete in seinem Beitrag den Goldschatz aus historischer und archäologischer Perspektive und ging dabei auch auf die Ausgrabungen ein.

1999 wurde bei Ausgrabungen südlich des antiken Hafens der Keltenstadt von Manching ein Goldschatz entdeckt, der um 100 v. Chr. vergraben worden war und 483 sogenannte Statere enthielt. Diese Münzen wiegen jeweils ca. 7,2 Gramm. Hinzu kommt ein zurechtgefeilter Goldgusskuchen von 217 Gramm, was dem Gewicht von 30 weiteren Münzen entspricht. Damit kommt man auf ein Gesamtgewicht von etwa 3,7 Kilogramm. Der Schatz war ursprünglich wohl in einem Behältnis aus organischem Material aufbewahrt worden, dass sich nicht erhalten hat, etwa in einem Sack bzw. Beutel aus Stoff oder Leder. Hiervon zeugen drei Bronzeringe, mit dem das Behältnis einst verschlossen war.

Die Goldmünzen wurden im Siedlungsgebiet der keltischen Boier im heutigen Tschechien geprägt und gelangten wohl über Handelskontakte nach Manching. Unsicher ist, warum genau der Schatz vergraben und später nicht mehr von seinem Besitzer geborgen wurde. Eine Niederlegung als religiöses Opfer ist eher unwahrscheinlich.

Durchaus plausibel wäre folgendes Szenario: Zum Zeitpunkt der Verbergung der Münzen setzte ein Niedergang der Keltenstadt von Manching ein, zu die auch kriegerische Einfälle germanischer Stämme beigetragen haben dürften. Möglicherweise wollte also der Besitzer seinen Schatz in unruhigen Zeiten in Sicherheit bringen, verstarb dann aber plötzlich und konnte sein Wissen um den Verbergungsort nicht mehr weitergeben.

Mit dem Diebstahl des keltischen Goldschatzes von Manching droht nicht nur der dauerhafte Verlust eines absoluten Highlights des kelten römer museum manching, sondern auch eines der größten und bedeutendsten Goldschätze der Keltenzeit überhaupt. Der kulturelle und wissenschaftliche Schaden ist enorm und nicht ersetzbar.

Zeugenaufruf des BLKA 

Das Bayerische Landeskriminalamt bittet um Mithilfe und stellt folgende Fragen:  

  • Wem sind in den Nachtstunden im Bereich des kelten römer museums manching verdächtige Personen aufgefallen?
  • Wer hat im Vorfeld in der näheren Umgebung verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit dem Einbruch stehen könnten?
  • Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zur Tat, den Tätern oder den gestohlenen Goldmünzen geben?
  • Wer hat im Bereich um das Gebäude Grundstraße 1 ½ in 85077 Manching verdächtige Personen festgestellt bzw. Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit der Sabotage stehen könnten.

Hinweise nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 089 / 1212 – 0 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. 

Pressemitteilung Bayerisches Landeskriminalamt 

Erstmeldung, 22.11 - Einbrecher klauen millionenschweren Goldschatz

Einbrecher haben im oberbayerischen Manching einen mehrere Millionen Euro teuren Goldschatz aus der Keltenzeit erbeutet. Wie ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) am Dienstag (22. November) berichtete, waren die Täter in der vergangenen Nacht in das Kelten Römer Museum in Manching bei Ingolstadt eingestiegen und haben den 1999 bei Manching entdeckten Schatz entwendet. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Der Sammlerwert des Goldschatzes wird laut LKA auf mehrere Millionen Euro taxiert. Es handelt sich um den größten keltischen Goldfund, der im vergangenen Jahrhundert aufgetaucht ist. Ein Grabungsteam hatte vor 23 Jahren insgesamt rund 450 Münzen entdeckt, die etwa 2000 Jahre alt sind.

Kunstminister Blume: „Jemand hat sich an unserer Geschichte vergangen“

„Der Verlust des Kelten-Schatzes ist eine Katastrophe, die Goldmünzen als Zeugnisse unserer Geschichte sind unersetzlich“, sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). Der kulturelle Schaden sei enorm. „Wer auch immer diese Tat begangen hat: Jemand hat sich an unserer Geschichte vergangen und unfassbare kriminelle Energie dafür an den Tag gelegt.“ Blume sagte, es müsse alles dafür getan werden, die Hintergründe aufzuklären und die Kriminellen zu fassen.

„Wie in einem schlechten Film“

„Der Einbruch muss in den frühen Morgenstunden stattgefunden haben“, sagte der LKA-Sprecher. „Es war klassisch, wie man es sich in einem schlechten Film vorstellt.“ Am Dienstagmorgen hätten die Mitarbeiter des Museums dann festgestellt, dass der Goldschatz fehlt.

Zunächst wurde die Kripo des Polizeipräsidiums in Ingolstadt eingeschaltet. Wegen des großen Wertes des Diebesgutes übernahm im Lauf des Tages das LKA den Fall. Am Mittwoch (23. November) wollen die Münchner Ermittler weitere Informationen zu dem Einbruch bekannt geben.

Seit 2006 wurde der Schatz in dem Museum im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm ausgestellt. Das sogenannte Oppidum Manching gilt als eine herausragende keltische Siedlung, in der bis heute immer wieder Archäologen tätig sind. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zählt die Siedlung zu den bedeutendsten Bodendenkmälern nördlich der Alpen.

Archäologischer Ort in Oberbayern zieht immer wieder Kriminelle an

Der herausragende archäologische Ort im nördlichen Oberbayern zieht immer wieder Kriminelle an. Erst Anfang Mai hatten Raubgräber auf dem Gelände einer wissenschaftlichen Grabung bei Manching illegal etwa 140 Löcher gegraben. Ein Fachunternehmen hatte damals im Auftrag des Freistaats ein Stück Land untersucht, weil dort eine Bundesstraße gebaut werden soll.

Die Experten gehen davon aus, dass die Täter damals an einem Wochenende mit Bodensonden auf dem Gelände der Archäologen nach Funden aus der Keltenzeit gesucht haben. Ob und welche Stücke gestohlen wurden, ist bis heute unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch zu der Raubgrabung.

Auch aus Museen stehlen Kriminelle immer wieder kostbare Stücke. Schlagzeilen machte in den vergangenen Jahren insbesondere der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden im November 2019. Damals wurden 21 Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von mehr als 113 Millionen Euro gestohlen, von der Beute fehlt bisher jede Spur. Mehrere Männer stehen deshalb derzeit in Dresden vor Gericht.

dpa/mck

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