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Luise Kinseher im Gespräch

Mama Bavaria auf Solo-Wegen: „Bei Gegenwind immer lächeln“

Luise Kinseher
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Luise Kinseher
  • Raphaela Kreitmeir
    VonRaphaela Kreitmeir
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Sie hat sich in die erste Reihe der Kabarettist*innen gespielt, hat als Mama Bavaria viele Jahre den Politiker*innen auf dem Nockherberg die Leviten gelesen und stellt in ihrem neuen Soloprogramm Fragen, die uns alle angehen: Luise Kinseher. Ein Gespräch über Standhaftigkeit, Solidarität und warum Humor immer weiterhilft. 

von Raphaela Kreitmeir

Acht Jahre lang warst du beim Derblecken auf dem Nockherberg die Mamma Bavaria. Was ist die wichtigste Erfahrung aus dieser Zeit?

Bei Gegenwind lächeln, sich nicht beirren lassen, sich selbst treu bleiben, auch wenn von allen Seiten Kritik auf einen einstürmt. Den einen war ich zu scharf, den anderen zu harmlos, aber ich habe mich von der Figur der Mama Bavaria nicht abbringen lassen. Und diese Standhaftigkeit hat sich über die Jahr bewährt, denn die Figur wurde von den Menschen akzeptiert, ist angekommen und den Menschen nahe gekommen. 

Vom Passauer Scharfrichterbeil (1999) bis hin zum Salzburger Stier (2022) hast du so ziemlich alle Preise erhalten: Was hältst du an dir für preiswürdig?

Meine Standhaftigkeit, meine Unbeirrbarkeit und meine Geduld, über einen langen Zeitraum etwas zu entwickeln. Stärken von mir sind sicherlich auch meine Kreativität, mein Talent und mein Fleiß. Fleiß ist auch in dem Job ganz wichtig. 

Du bist nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Fernsehen präsent: Film oder Kabarett – wofür schlägt dein Herz?

Das lässt sich nicht vergleichen, die Arbeitsweisen sind ganz andere. Ich mag beides, wobei Kabarett immer mein Hauptbetätigungsfeld war und bleibt. Dort habe ich eine Freiheit, die bei Film und Fernsehen nicht möglich ist, und erlebe die Reaktionen des Publikums unmittelbar. 

„Wände streichen. Segel setzen“, heißt dein neues (inzwischen achtes) Soloprogramm und der Titel klingt nach Abschied und Neuanfang. Ist das der Inhalt?

Letztendlich geht es um Transformation, dass wir gesellschaftlich an einem Kipppunkt angelangt sind, an dem wichtige, wesentliche Entscheidungen getroffen werden müssen. Es ist Zeit sich vom darwinschen Ego und dem Recht auf ein unbeschwertes Konsumleben zu verabschieden und zu begreifen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind und gemeinsam Verantwortung für das Klima ebenso wie für die Demokratie tragen. Das ist das große Thema meines Programms. Aber natürlich ist das humorvoll verpackt und heruntergebrochen auf eine Alltagssituation: Es geht ganz konkret darum, dass ich aus meiner Wohnung ausziehe, in der ich das Leben in vollen Zügen genossen habe – bis sich aus unerklärlichen Gründe ein Loch im Boden aufgetan hat. Woher kommt es, was hat es zu bedeuten und lohnt sich da eigentlich das Streichen der Wände noch?

LUISE KINSEHER

- Geboren am 4. Januar 1969
- Aufgewachsen in Geiselhöring
- Studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte in München
- Schrieb ihre Magisterarbeit über den Kabarettisten Sigi Zimmerschied
- War von 1993 bis 1998 Ensemblemitglied der Iberl-Bühne bei Georg Maier
- Trat 1998 mit ihrem ersten Soloprogramm auf
- Wurde von Franz Xaver Bogner als bayerische Volksschauspielerin entdeckt und unter anderem in „Café Meineid“ und „München 7“ besetzt.
- Hielt von 2011 bis 2018 als erste Frau überhaupt die Salvatorrede auf dem Nockherberg als Mamma Bavaria.
- Lebt seit vier Jahren mit Hund. Der Dackel Gustl bringt Bewegung in ihr Leben, macht gute Laune und ist immer mit dabei.
- Liebt die bairische Sprache, weil sie so vielschichtig ist. Zum Beispiel bringt das kleine Wort „ fei“, so Luise, ganz Unterschiedliches zum Ausdruck. So beinhaltet der Satz „Weißt fei scho“ je nach Betonung des „fei“ einen Vorwurf oder er weckt Neugier.
- Isst am liebsten Krautfleckerl, die sie als kleine Lasagnenudelstücke umschreibt, die mit geröstetem Kraut, Zwiebeln und Kümmel vermischt werden.

Mehr Infos unter www.luise-kinseher.de

Mit „Wände streichen“ kennst du dich familienmäßig ja gut aus. Baust du Erfahrungen deiner Eltern, die sie in ihrer Malerwerkstatt gemacht haben, ein?

Da sind ein paar Erfahrungen mit drin.

Deine Mama wurde als Kind aus Böhmen (heute Tschechien) vertrieben, heute suchen viele Flüchtlinge aus der Ukraine Schutz bei uns. Berührt dich der Ukrainekrieg besonders?

Auf jeden Fall. Wenn man als Kind selbst dieses Gefühl von tiefsitzendem Heimweh vermittelt bekommt, das nicht gestillt werden kann, weil man die Heimat verlassen musste und dadurch verloren hat, prägt das. Wie sehr, das wurde mir durch den Ukrainekrieg bewusst.

Du hast Flüchtlinge bei dir aufgenommen.

Zwei junge Männer, die mit 17 Jahren geflohen sind, lebten für drei Monate in meinem Gästezimmer. Auch wenn es bisweilen eng war, bin ich froh, dass ich es gewagt und getan habe. Privates Engagement finde ich in Ausnahmesituationen wichtig und richtig. Dann braucht es aber bleibende Lösungen, weil wir Probleme nur gemeinsam lösen können. Ich konnte mein großes Netzwerk nutzen, so dass die beiden jungen Männer inzwischen eine Wohnung haben. 

Du gehörst zu den erfolgreichsten Kabarettist*innen. Unterscheidet sich weibliches Kabarett von männlichem?

Das kann ich nicht beantworten. Weil ich eine Frau bin ist das, was ich mache, automatisch weiblich. Ich finde die Frage auch hinfällig, denn Unterschiede gibt es zwischen allen Künstler*innen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Aber natürlich spiele ich auf der Bühne mit den klischeehaften „Waffen einer Frau“. Dazu gehört Charme genauso wie das Um-den-Finger-wickeln.

Siehst du dich als Vorbild beziehungsweise Role Model für junge Frauen?

Ich erlebe es immer wieder, dass junge Frauen auf mich zukommen und mir sagen, wie toll sie es finden, dass ich auf der Bühne stehe, meinen Mund aufmache, mich so zeige, wie ich bin – ganz ohne Filter. Das freut mich riesig, denn ich will die Jungen darin bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen, sich nicht beirren zu lassen und sich keinem Schönheitsdiktat zu unterwerfen. Ich spüre immer mehr eine Sehnsucht nach realen Menschen, auch auf der Bühne, die greifbar sind, pur und lebendig.

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht”, schrieb der deutsche Lyriker Otto Julius Bierbaum bereits vor mehr als hundert Jahren: Worüber kann man derzeit lachen?

Über Markus Söder sicherlich, aber ganz allgemein lassen sich all die kuriosen kleinen Dinge, die man im Alltag erlebt, und die vielen Widersprüche, die unser Denken und Handeln ausmachen, mit einem Schmunzeln viel leichter ertragen. Wenn man über den Alltag und sich selbst lachen kann, ist man besser gewappnet, die großen Fragen und Probleme zu überstehen.

Gibt es in deinem neuen Programm auch Lieder?

Mit Sicherheit, jetzt wo ich mich endlich zu singen traue.

Warum hattest du Hemmungen zu singen ?

Als ich mit zwölf Jahren im Gymnasium in den Chor wollte, wurde ich nicht angenommen. Als Begründung wurde mir gesagt, mein musikalisches Gehör sei zu schlecht. Das hat mich jahrzehntelang davon abgehalten, das zu tun, was ich so gerne gemacht hätte. Ich musste erst 40 Jahre alt werden, um dieses Vorurteil zu überwinden und umzudenken. Ich habe angefangen zu singen, meine Stimme ausprobiert, ein paar Stunden Unterricht genommen und mich dann immer mehr getraut. Seitdem singe ich leidenschaftlich gerne und auch auf der Bühne. 

Du bist in Niederbayern aufgewachsen, lebst ins München und tourst in ganz Deutschland: Spürst du Mentalitätsunterschiede im Publikum?

Prinzipiell ist jedes Publikum und jeder Abend anders. Das macht unseren Beruf ja auch so spannend. Außerhalb Bayerns spreche ich auf der Bühne sicherlich meinen Dialekt etwas deutlicher aus, damit ich verstanden werde. Aber meine Programme sind allesamt auf Bairisch.

Freust du dich auf den Auftritt in Traunstein?

Total. In der Region spiele ich besonders gern, weil die Theaterleute so nett sind und weil die Gegend ganz besonders schön ist. 

Und was macht dein Hund Gustl, während du auf der Bühne bist?

Schlafen. Der Gustl ist immer dabei. Und weil er so ein Lieber ist, zieht er, sobald wir wo ankommen, alle Aufmerksamkeit auf sich. Das verschafft mir eine Verschnaufpause und macht ihn müde, so dass er, wenn ich mit dem Programm starte, ganz entspannt auf seiner Decke in meiner Garderobe liegt und schläft. Wenn ich in der Pause nach ihm schaue, reagiert er nicht. Erst nach der Vorstellung erhebt er sich, wartet auf seine Streicheleinheiten und freut sich, mit mir heimzufahren. 

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