Lichtmess – der fast vergessene Feiertag

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Lichterprozessionen gehören noch immer in katholischen Kirchen zum Fest Mariä Lichtmess. Foto: kna

Zu Mariä Lichtmess am 2. Februar endete für Knechte und Mägde das Arbeitsjahr. Das Fest der Kerzenweihe, das in bäuerlichen Lebenswelten hohe Bedeutung hatte, hielt dem gesellschaftlichen Wandel nicht stand. Ganz vergessen ist es aber nicht.

Brauchtum

Von Tobias Gmach

München – Weihnachten war für die breite Bevölkerung Mitte des 19. Jahrhunderts ein sehr bescheidenes Fest – Christbaum und Krippe suchte man in vielen Haushalten vergeblich. Und wenn es Geschenke gab, dann höchstens in Bürger- oder Adelshäusern. Ein hoher kirchlicher Feiertag, nicht mehr, nicht weniger. Im Vergleich zu damals wird Weihnachten heute geradezu pompös gefeiert. „Bräuche haben sich schon immer gesellschaftlichen Veränderungen angepasst“, sagt Martin Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Aber manche halten diesen Veränderungen nicht stand – wie Mariä Lichtmess.

Für Ritter ist das Fest, das früher am 2. Februar die Weihnachtszeit beendete, ein Paradebeispiel: „Es gibt wohl kaum einen einst so bedeutenden Feiertag, der so stark an Bedeutung verloren hat.“ Offiziell hat er das bereits vor über 100 Jahren. 1912 war Mariä Lichtmess zum letzten Mal ein offizieller Feiertag. Mit dem Dreschen der Ernte, das sich bis Ende Januar zog, endete für Dienstboten, Mägde und Knechte das bäuerliche Arbeitsjahr. Sie wurden neu verpflichtet oder wechselten den Dienstherrn. Ihren Lohn bekamen sie oft an Mariä Lichtmess auch in Naturalien ausbezahlt – in Form kunstvoll gewickelter Wachsstöcke oder Kerzen.

„Kerzen waren damals nicht nur wichtig, weil es kein elektrisches Licht gab. Ihnen wurde auch eine Schutzfunktion zugeschrieben“, sagt Brauchtumsexperte Ritter. Am 2. Februar trug die bäuerliche Bevölkerung die Kerzen, die sie im neuen Jahr brauchen würde, in Körben in die Kirchen. Von den geweihten Lichtern versprach man sich viel: „Manche Bauern schütteten das ,heilige Wachs‘ sogar ins Viehfutter. Mägde und Knechte tröpfelten es auf die Kleidung, um sich vor Unglück zu schützen. Wetterkerzen sollten vor schweren Gewittern bewahren.“ Für einen solchen Aberglauben sei die heutige Gesellschaft zu aufgeklärt.

Was sich einst hinter verschlossenen Türen abspielte, daran erinnert sich die Ehrenlandesbäuerin des Bayerischen Bauernverbands, Annemarie Biechl aus Feldkirchen-Westerham (Kreis Rosenheim): „Als ich Kind war, setzte sich die Familie am Lichtmessabend in der Stube zusammen und zündete für jeden Anwesenden eine Kerze, die sogenannten Pfenniglichtl, mit seinem Namen an. Man betete gemeinsam den Rosenkranz, bis alle Lichter abgebrannt waren.“ Aber auch in Biechls Familie sei der Brauch verloren gegangen.

Seinen Ursprung hat er in einer jüdischen Tradition: Nach der gehörte der erstgeborene Sohn Gott. So brachten Maria und Josef das Jesuskind 40 Tage nach seiner Geburt in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und gegen eine Geldzahlung wieder auszulösen. Maria hatte nach dem jüdischen Gesetz ein Reinigungsopfer zu bringen. Auf diese Begebenheit geht der Name des Festes zurück, der sich seit 1969 im katholischen Kalender findet: „Darstellung des Herrn“. Seither gilt Mariä Lichtmess auch nicht mehr als das Ende der Weihnachtszeit. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils verschob es auf die Taufe des Herrn am Sonntag nach dem Dreikönigstag.

In manchen Familien hängt der Weihnachtsschmuck aber noch immer bis zum 2. Februar in den Fenstern. Mit dem Christbaum war das früher einfacher, sagt Heimatpfleger Ritter: „Die Wohnungen waren noch nicht so warm. Heute hätte er bis dahin wohl alle Nadeln verloren.“

Gottesdienst zu Lichtmess

Ein Gottesdienst zu Lichtmess mit Kardinal Reinhard Marx findet heute um 17.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom statt. Es werden Kerzen geweiht, eine Lichterprozession schließt sich an.

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