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Ein OVB-Reporter fliegt mit

Live mit den Luftbeobachtern auf Waldbrand-Jagd - Vom Oberhofener Berg bis zum Watzmann

Luftbeobachter Martin Krautenbacher (links) und Pilot Florian Rauch nach dem Flug: „Keine besonderen Vorkommnisse“,wird es abschließend im Bericht des Luftbeobachters heißen.
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Luftbeobachter Martin Krautenbacher (links) und Pilot Florian Rauch nach dem Flug: „Keine besonderen Vorkommnisse“,wird es abschließend im Bericht des Luftbeobachters heißen.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Große Trockenheit und Rekordtemperaturen: Am Flugplatz Mößling starten regelmäßig Beobachtungsflüge über die vier Landkreise Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land. Ein Reporter der OVB-Heimatzeitungen war mit dabei.

Mühldorf – Sonnencreme, eine Kappe und viel zu trinken – das sind die Empfehlungen, bevor man an diesem heißen Hochsommertag in die Robin steigt, ein einmotoriges Leichtflugzeug, das am Flugplatz in Mößling beheimatet ist und an diesem Tag für eine besondere Mission gebraucht wird. Wegen erhöhter Waldbrandgefahr ist ein Beobachtungsflug angesetzt. Luftbeobachter Martin Krautenbacher soll aus der Luft mögliche Brände in der Region ausfindig machen.

Auf der Suche nach Brandherden

Die anhaltende Trockenheit und dazu Rekordtemperaturen haben in den vergangenen Tagen die Regierung von Oberbayern in Alarmbereitschaft versetzt und dazu veranlasst, diese Beobachtungsflüge anzuordnen. Krautenbacher ist geübt darin, aus der Luft Ausschau nach Brandherden zu halten.

Der Kommandant der Feuerwehr Palling hat 2018 den Lehrgang zum Luftbeobachter absolviert und war seitdem etwa 15 Mal in der Luft. „Bislang verliefen die Beobachtungen ohne größere Vorkommnisse“, berichtet der 40-Jährige.

Konzentrierter Flug trotz der Hitze: Pilot Florian Rauch steuert die Robin in Richtung Berge. Im Hintergrund Hochstaufen und Zwiesel.

Mit der Einmotorigen über vier Landkreise

Wenn er an diesem Tag zusammen mit dem Piloten Florian Rauch in die Luft geht, liegt der Fokus auf den Landkreisen Mühldorf, Altötting, Traunstein und dem Berchtesgadener Land. „Eine achtlos weggeworfene Zigarette, Glas oder ein überhitzter Auspuff über trockenem Gras kann da viel anrichten“, weiß Wolfgang Schönfelder vom Fliegerclub Mößling, der als Pilot schon einige Male solche Beobachtungsflüge absolviert hat. Diese finden in der Regel am Nachmittag statt. „Wenn die Hitze am größten ist und bereits viele Wanderer unterwegs waren!“

Im Cockpit gefühlte 50 Grad Celsius

36 Grad Celsius hat es an diesem Tag. Im Cockpit des Fliegers sind es gefühlte 50. Daher also die Empfehlung mit Sonnencreme, Wasser und Kappe. „Wir haben heute eine enorme Luftfeuchtigkeit“, erklärt Pilot Rauch den Dunst am Horizont. „60 bis 70 Prozent.“ Die Luft im Cockpit ist entsprechend dick, Rauch schraubt die einmotorige Maschine deswegen noch einige hundert Meter höher hinauf. Gleich ist es um fünf bis sechs Grad kühler. Im Laufe des Fluges wird sich das Leichtflugzeug auf knapp 2700 Metern über dem Meeresspiegel einpendeln und mit knapp 200 Kilometer pro Stunde das Gebiet überfliegen.

Vier Landkreise in eineinhalb Stunden

Die schöne Aussicht in 2000 Metern Höhe nimmt Martin Krautenbacher gerne mit.

Eineinhalb Stunden werden wir unterwegs sein, kündigt Luftbeobachter Krautenbacher an. Die von der Regierung festgelegte Flugroute, die Krautenbacher ständig auf dem Tablet mitverfolgt, führt zunächst in den nördlichen Landkreis Mühldorf. In einer Schleife lässt Pilot Rauch Neumarkt-St. Veit hinter sich, es geht über Niedertaufkirchen in Richtung dicht bewaldetes Holzland. Danach überfliegt die Robin den dichten Wald bei Burghausen, um dann den Landkreis Traunstein hinter sich zu lassen und Kurs auf das Berchtesgadener Land zu nehmen.

Taufkirchen von oben.

Der Watzmann fast zum Greifen nah

Der Watzmann aus einer unüblichen Perspektive.

Rauch steuert die Robin zwischen den Teisenberg und Hochstaufen, bevor am Horizont der überwältigende Watzmann erscheint. Weil Bad Reichenhall zum Teil militärische Zone ist, muss der Pilot genau überlegen, wo er fliegt, er fndet den Weg zum Königssee, steuert dann über das Watzmannkar. Knapp 300 Meter Abstand hält er, wenn der Blick auf das atemberaubende Massiv des Watzmanns geht und nun auch Luftbeobachter Krautenbacher zugibt, dass dies der schönste Teil des Beobachtungsfluges ist.

Auch über den Königssee geht es und in einer Schleife um den Watzmann.

Genügend Niederschläge im Alpenvorland

Weshalb die Kontrolle der Bergregion so wichtig ist, liegt auf der Hand. Die Berge sind nicht gut zugänglich. Sollte sich hier ein Brandherd auftun, muss das Feuer aus der Luft bekämpft werden. Trotz der Trockenheit in diesem Sommer bleibt Krautenbacher entspannt. Im Alpenvorland gebe es noch genügend Niederschläge. Kein Vergleich zur Trockenheit, die man etwa in Franken regelmäßig erlebe. Genauer muss man hinschauen, wenn Erntemaschinen unterwegs sind. Dann gilt es, den aufgewirbelten Staub der trockenen Felder von Rauch zu unterscheiden.

Wenn’s tatsächlich brennt: Per Funk an die Leitstelle

Umgehend würde der Brand per Funk an die Leitstelle gemeldet. An diesem Tag aber: Selbst in diesem Bereich Fehlanzeige, der Flug bleibt ohne nennenswerte Auffälligkeiten.

Als es in Richtung Chiemgauer Alpen geht und anschließend Pilot Rauch die Einmotorige über den Chiemsee zurück in Richtung Heimat steuert, zeigt Krautenbacher auf zwei Wälder bei Obing, deren Bäume im August vergangenen Jahres durch einen Sturm komplett umgesägt wurden. Auch das gehört zu seinen Aufgaben: Zu beobachten, ob ein Wald gesund ist, von Schädlingen befallen oder von großer Trockenheit betroffen. Das Grün der Bäume ist dann dem Braun gewichen.

Der Sturmschaden in diesem Waldstück bei Obing ist nicht zu übersehen.

Mit dem Sinkflug steigt wieder die Temperatur

Landeanflug am Mößlinger Flugplatz. Mit dem Sinkflug steigt wieder die Temperatur im Cockpit. Die Wasserflaschen sind leer, die Sonnencreme hat ihre Pflicht erfüllt, Schweiß läuft über das Gesicht. Und trotz sengender Hitze ist Luftbeobachter Krautenbacher zufrieden: „„Wir haben nichts Ungewöhnliches beobachtet. Man sieht natürlich Bäume mit Schädlingsbefall oder Erntemaschinen, aber kein Feuer und Rauch heute.“ Entsprechend fällt im Anschluss sein Bericht aus – keine besonderen Vorkommnisse. Doch er weiß auch: Es wird nicht der letzte Flug gewesen sein. Der Sommer ist noch lang.

Diese Tipps gibt die Regierung von Oberbayern

Wegen weiterhin erhöhter Waldbrandgefahr hatte zuletzt die Regierung von Oberbayern die Luftbeobachtung in mehreren Landkreisen im nördlichen und östlichen Oberbayern verlängert. Denn aufgrund zunehmender Trockenheit weist der allgemeine Waldbrandgefahren-Index für weite Teile Oberbayerns eine hohe Waldbrandgefahr aus. Besonders gefährdet sind Wälder auf leichten sandigen Böden mit geringem Bewuchs, sonnige Waldlichtungen und Waldränder.

Wenn schon Rauchen, dann Abstand zum Wald halten

Die Regierung von Oberbayern bittet dringend darum, im Wald oder in einer Entfernung von weniger als 100 Metern davon kein Feuer oder offenes Licht anzuzünden oder zu betreiben, keine offenen Feuerstätten zu errichten oder zu betreiben, keine Bodendecken abzubrennen und keine Pflanzen oder Pflanzenreste flächenweise abzusengen, keine brennenden oder glimmenden Sachen wegzuwerfen und nicht zu rauchen. Dies gilt auch für Waldbesitzer, Jäger und alle, die mit Waldarbeiten beschäftigt sind.

Auch Schädlingsbefall von Wäldern erkennt Martin Krautenbacher aus luftiger Höhe.

Die Luftbeobachtung ist eine vorbeugende Maßnahme der Waldbrandbekämpfung. Die Regierung von Oberbayern trägt die Einsatzkosten für die Luftbeobachtung aus Mitteln des Katastrophenschutzfonds. Die Flugbereitschaft Oberbayern der Luftrettungsstaffel Bayern stellt die ehrenamtlichen Piloten. Die ausgebildeten amtlichen Luftbeobachter sind in der Regel Bedienstete der Katastrophenschutzbehörden oder Forstbehörden vor Ort.

Mühldorf aus der Vogelperspektive.

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