Letzter Ausweg Kirchenasyl

Lebt im Haushamer katholischen Pfarrheim: John aus Nigeria suchte im Kirchenasyl Zuflucht. Foto: Plettenberg
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Lebt im Haushamer katholischen Pfarrheim: John aus Nigeria suchte im Kirchenasyl Zuflucht. Foto: Plettenberg

Die Zahl der Kirchenasyle hat in Bayern stark zugenommen. Das geht aus den Studientagsberichten des ökumenischen Kirchenasylnetzwerks in Nürnberg hervor.

derzeit 19 fälle

Die Zahl der Kirchenasyle hat in Bayern stark zugenommen. Das geht aus den Studientagsberichten des ökumenischen Kirchenasylnetzwerks in Nürnberg hervor.

Nürnberg/Hausham – Während im Jahr 2012 nur sieben Kirchenasyle gezählt wurden, waren es im Jahr 2013 insgesamt 23, teilte Hans-Günther Schramm vom Kirchenasylnetzwerk mit. 2014 habe es bereits 24 Kirchenasyle in Gemeinden oder Klöstern gegeben, von denen noch 19 bestehen. Auch in Oberbayern gibt es Fälle, zum Beispiel in Hausham (Kreis Miesbach). In der dortigen katholischen Gemeinde lebt seit diesem Monat der 33-jährige John aus Nigeria. Er ist gläubiger Katholik und war über Ungarn in die EU eingewandert – infolgedessen entschieden die Behörden, dass er zurück nach Ungarn geflogen werden solle. Das will John wegen der dort herrschenden unmöglichen Zustände für Flüchtlinge auf gar keinen Fall. Bis Ende Juni hat John nun Asyl in Hausham. Danach greift die so genannte Dublin-Regelung, wonach ein Flüchtling nach einer gewissen Zeit in Deutschland nicht mehr in den Staat abgeschoben werden kann, über den er nach Deutschland eingereist ist.

In Nürnberg diskutierten Experten über verschiedene Aspekte des Asyls. Dieter Müller vom Jesuitenflüchtlingsdienst (München) erklärte, Kirchenasyle hätten „eine prophetische Bedeutung“. Mit dieser Hilfe für Flüchtlinge würde ziviler Widerstand und Druck aufgebaut, um auch in der Politik etwas zu erreichen. Die anwachsende Zahl der Kirchenasyle birgt nach Ansicht des Ökumenereferenten der bayerischen Landeskirche, Thomas Prieto Peral, auch Gefahren. Kirchenasyle sollten mehr sein als „gebuchter Schutz vor Abschiebung“, sagte er. Sie müssten sehr sorgfältig geprüft und glaubwürdig sein. „Wir müssen uns klar machen, dass wir kein Recht auf Kirchenasyl haben“, sagte er, „aber wir haben das Recht auf eine Gewissensentscheidung“. Prieto Peral kündigte einen Leitfaden der evangelischen Landeskirche zu Kirchenasylfragen an.

Prieto-Peral unterstützte die Forderung des Kirchenasylnetzes nach offiziellen Beauftragten für Flüchtlingsseelsorge in katholischer und evangelischer Kirche. „Kirchengemeinden brauchen Beratung und Entscheidungshilfen in brisanten seelsorgerlichen Herausforderungen“, forderte das Ökumenische Kirchenasylnetz Bayern in einem Schreiben an die katholischen Bischöfe und die evangelische Landeskirche.

Mehrere Redner mahnten eine bessere Beratung an. Die „gesamtkirchliche Verantwortung“ müsse in Strukturen und Personen wahrgenommen werden. In Bayern werden die Gemeinden derzeit nur ehrenamtlich vom Ökumenischen Kirchenasylnetz beraten sowie von drei Mitarbeitern im Landeskirchenamt unterstützt, die aber andere Funktionen innehaben, so Prieto Peral. „Es kann nicht sein, dass hier nur wenige bis an die Grenze der Belastbarkeit tätig sind“, kritisierte Kuno Hauck, Ausländerbeauftragter des Dekanats Nürnberg. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe er 18 Anfragen von Gemeinden auf den Tisch bekommen.  epd

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