Der Lenz ist da

An dieser Stelle schreibt jeden Samstagunser Turmschreiber

Heimatkolumne

Der Frühling stand

vor dem Rathaustor

und wies zur Legitimation sein blaus Bandl vor.

Ich möcht bei euch bleiben ein Vierteljahr,

so macht er dem

Herrn Bürgermeister klar.

*

Ja freilich, sagt der,

warum nacha net?

Wer da was dagegn hät,

wär sauber bleed.

Den Wunsch, hier zu sein, den begreif i;

denn München is München und net Hinterpfuideifi!

Und es springt der Frühling auf die Straße keck

und tanzt einen Reigen

am Thomaseck.

Die Sonne vergoldet

die Pflastersteine,

die Hauben des Doms,

die Jungmädchenbeine.

*

Dann bläst er hinein

in die Auslagenfenster,

verjagt des Winters

vermummte Gespenster,

öffnet den Menschen

Jacken und Mäntel,

macht aus uns allen

seine Klientel.

Schließlich holt er am

Brunnen des Richard Strauss, eine Flöte aus seiner

Tasche heraus

und spielt den Passanten,

ob freundlich, ob barsch,

einen erstklassigen

klassischen Frühlingsmarsch.

*

Das Blut, das erstarrte,

beginnt zu rieseln,

das Brunnenbuberl fängt an zu bieseln,

und all die Leut,

groß oder klein,

werfen Geld in den

lenzischen Hut hinein.

Auch Hosenknöpfe werden dem Frühling verehrt,

ist so was, ihr Lauscher,

net ausgsprochen gschert?

*

Doch der Lenz, der lacht bloß und sackt alles ein

und gibt noch weitere

Stückln drein.

Vom Frauenturm schlägt es nun halbe drei,

zwei Schandi gehen

beflissen – vorbei.

Und ein Mädchen tritt

auf den Spielmann zu: „Schön wie ein Märchen, mein Frühling, bist’ du!“

Maßgeschneidert

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