Lehrermangel an Bayerns Schulen

Die Lehrer fehlen: An vielen Schulen fällt Unterricht aus, es gibt zu wenig Aushilfslehrer. Der BLLV wirft dem Kultusministerium eine Missplanung vor. foto: FKN
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Die Lehrer fehlen: An vielen Schulen fällt Unterricht aus, es gibt zu wenig Aushilfslehrer. Der BLLV wirft dem Kultusministerium eine Missplanung vor. foto: FKN

Bayerns Schulen leiden unter Lehrermangel. Der Lehrerverband wirft dem Kultusministerium vor, zu spät auf steigende Schülerzahlen reagiert zu haben. Zahlreiche Lehrer seien überlastet, der Unterrichtsausfall ist enorm.

BLLV kritisiert Personalplanung

Bayerns Schulen leiden unter Lehrermangel. Der Lehrerverband wirft dem Kultusministerium vor, zu spät auf steigende Schülerzahlen reagiert zu haben. Zahlreiche Lehrer seien überlastet, der Unterrichtsausfall ist enorm.

von anna schwarz

München – Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), sorgt sich um den Unterricht an Bayerns Schulen: „Die Lehrer sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen.“ Nicht zum ersten Mal kritisiert der BLLV den Lehrermangel in Bayern. Doch inzwischen habe sich die Lage verschärft, betont Fleischmann: „Es fehlt überall an Vertretungslehrern.“

Ihr Stellvertreter Gerd Nitschke hat dafür ein Beispiel: die Mittelschule Sonthofen im Landkreis Oberallgäu. Dort sind allein in der Woche vor den Pfingstferien 130 Stunden ausgefallen – weil Lehrer krank waren, auf Fortbildungen und Klassenfahrten. Oder sie hatten Lehrproben. Es gab aber nur eine Aushilfslehrerin. Sie übernahm fünf der 130 ausgefallenen Stunden. Eine Klasse blieb den ganzen Tag zu Hause, 20 Förderstunden fielen aus, zwölf Mal wurden zwei Klassen in einer Woche zusammen unterrichtet, schildert Nitschke.

Die bayernweit 2150 mobilen Reserven an Grund- und Mittelschulen reichen daher nicht aus – dabei handelt es sich um einen Pool von Lehrern, die von Schule zu Schule fahren und bei kurzfristigem Personalmangel aushelfen. Aber genau an diesen Vertretungslehrern, als auch an festangestellten Lehrern fehle es, betont Fleischmann.

Die Überbelastung der Lehrer macht sich bereits bemerkbar: Jede dritte Krankschreibung sei wegen psychischer Probleme und Burnout – das sind rund zehn Prozent mehr als bei anderen Berufsgruppen. Daher wirft Fleischmann dem Ministerium von Ludwig Spaenle (CSU) vor, „Bildung nur auf Schmalspur“ zu fahren und beim Unterrichtsausfall mit falschen Zahlen gerechnet zu haben – nämlich mit einem Unterrichtsausfall von nur einem Prozent. Der BLLV rechnet auch die Vertretungsstunden mit ein und kommt so auf sieben Prozent. Denn in Vertretungsstunden mit fachfremden Lehrern oder in zusammengelegten Klassen leide die Unterrichtsqualität, erklärt Fleischmann. In einer Klasse mit 48 Schülern gebe es keine individuelle Förderung mehr und der Lehrplan könne nicht fortgesetzt werden. Ludwig Unger, der Sprecher des Kultusministeriums, kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Die Vertretungsstunden werden im Regelfall von fachspezifischen Aushilfslehrern gehalten, betont er.

Laut Fleischmann führen aber nicht nur die fehlenden Vertretungslehrer zu einer Überbelastung der angestellten Lehrer. Auch die seit zehn Jahren erstmals gestiegene Zahl der Grund- und Mittelschüler sei dafür verantwortlich. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stieg sie um fast 7000 auf rund 630 000. Zugleich besuchten zu Beginn des Schuljahres nur 46 000 Flüchtlingskinder die Schule, mittlerweile sind es rund 62 000. Auch das Thema Inklusion ist bei zu wenigen Lehrkräften nur schwer zu schultern. Fleischmanns Fazit: „Das Ministerium hat jahrelang eine Wirtschaft der Missplanung betrieben und die Rechnung für diese Planung bezahlen wir jetzt.“

Unger hingegen betont, dass das Ministerium rund 1700 zusätzliche Lehrer zum Januar diesen Jahres eingestellt hat, damit Flüchtlinge die deutsche Sprache und die Werte lernen. Außerdem habe das Ministerium bereits im Februar Gymnasial- und Realschullehrer für den Einsatz an Grund- und Mittelschulen umgeschult.

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