Lawine reißt jungen Eiskletterer in den Tod

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Beim Eisklettern – wie hier auf einem Archivbild – kam ein junger Mann aus Uffing ums Leben. Foto: dpa

Zwei Tage war Xaver M. (22) vermisst worden. Am Freitag fanden ihn Südtiroler Bergretter nun tot – drei Meter unter der Schneedecke. Der junge Eiskletterer hatte seine Leidenschaft gerade zum Beruf gemacht: Er war auf dem Sprung zum Bergführer.

Unglück in Südtirol

Von Tobias Gmach

Wolkenstein – Xaver M. hatte keine Chance. Zu massig war die Lawine, die ihn am Mittwochnachmittag im Grödner Langental mitriss. Sie spülte ihn in eine drei Meter tiefe Höhle, aus der er sich nicht mehr befreien konnte. Der junge Mann aus Uffing am Staffelsee (Garmisch-Partenkirchen) kam in dem Umfeld ums Leben, für das er lebte: in den Bergen.

Xaver M., 22 Jahre alt, war mit einem Freund nahe der Südtiroler Gemeinde Wolkenstein beim Eisklettern. Die Freunde befanden sich gerade auf dem Abstieg entlang eines gefrorenen Wasserfalls, als das über 100 Meter breite Schneebrett von oben auf sie zuraste. So berichtete es das Sütiroler Nachrichtenportal „stol“. Der Begleiter konnte sich verletzt retten.

Nach der Lawinenmeldung vergingen zwei Tage, ehe Südtiroler Bergretter die Leiche des jungen Mannes bergen konnten. Die Suche gestaltete sich äußerst schwierig und musste zwischenzeitlich sogar eingestellt werden – es bestand Gefahr für die Einsatzkräfte. Wegen der warmen Temperaturen seien weitere Lawinenabgänge möglich, sagte der Wolkensteiner Feuerwehr-Kommandant Anton Mussner zu „stol“. Am Freitagvormittag schlug das Handsuchgerät dann aus, die Retter fanden Xaver M. unter dem harten Schnee.

Der Uffinger war ein riesiges Klettertalent: Von 2013 bis 2015 stand er im Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins. Mit seiner Gruppe gelangen ihm Erstbegehungen in Kirgisistan: zwei Fünftausender im Tienschan-Gebirge an der Grenze zu China. In seinem jungen Leben erfüllte sich Xaver M. einen weiteren Traum. Er machte seine Leidenschaft zum Beruf. Nachdem er zunächst Feinwerkmechaniker gelernt hatte, war er auf dem Sprung zum Bergführer. „Das ist ein schlimmer Verlust. Er war eine ganz große Hoffnung für uns alle“, sagt Franz Perchtold, Chef der Bergsportschule „Die Bergführer“ in Ohlstadt. Xaver M. arbeitete für ihn und leitete bereits eigenständig Kletterkurse und Skitouren. „Er war ein Spitzen-Alpinist. Dass er seinen Gästen weit überlegen war, hat er sie nie spüren lassen. Man hat jeden Tag gemerkt, wie gerne er seine Arbeit macht.“ Perchtold beschreibt M. als einen Menschen, der auch in schwierigen Situationen ein Lächeln für seine Mitstreiter übrighatte. Das Klettern lernte der Naturbursche von seinen Eltern, die ihn schon in der „Kraxe“ zum Wandern und Radeln mitnahmen.

Erst vor knapp zwei Wochen waren zwei bayerische Eiskletterer, darunter ein 25-jähriger Münchner, bei einer Tour in Österreich ums Leben gekommen. Sie stürzten an einer Wand in den Ammergauer Alpen 350 Meter in den Tod.

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