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Herdenschutz oder Abschuss – was hilft?

Landwirte demonstrieren in München gegen Ausbreitung des Wolfs im Alpenraum

Demonstration für Schutz der Weidetiere
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Landwirte demonstrieren in München gegen den Wolf.
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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Rund 1500 Landwirte haben am Samstag (2. Oktober) in München demonstriert. Gegenstand ihres Protests: die Ausbreitungs des Wolfs im Alpenraum. Die Bauern fürchten um die Almwirtschaft als solche, wenn das Raubtier hier wieder heimisch wird. Sie haben eine klare Forderung – zum Nachteil des Wolfs.

München – Einige zücken ihr Handy und filmen den Aufmarsch der Bauern, die ihre Tracht übergeworfen, ihre Kuhglocken mitgebracht haben und mit lautstarkem Gebimmel zum Odeonsplatz ziehen. Diesmal ist es nicht der alljährliche Trachtenumzug zur Wiesnzeit, der die Aufmerksamkeit der Münchner auf sich zieht, sondern ein Protestmarsch der Landwirte. Mit dem Läuten der Kuhglocken, das ist die Botschaft der Demonstranten, könnte es bald vorbei sein. Wenn die Politik nichts gegen die Ausbreitung des Wolfes unternimmt.

„Es geht um unsere Existenz“

Mehr als 1500 Teilnehmer sind an diesem Samstag nach München gekommen, heißt es beim Veranstalter, dem Bayerischen Bauernverband. Die Polizei spricht am Tag darauf von 1200 Demonstranten. Sie tragen Schilder und Transparente mit Aufschriften wie: „Blühende Weide statt Wolfssteppe“ oder „Kuscheltier Wolf in den Englischen Garten“.

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Einer von ihnen ist Martin Lutz. Der 40-Jährige kommt aus Gmund am Tegernsee, auch er hat eine Kuhglocke mitgebracht – und seinen elfjährigen Sohn Benedikt. Auf seinem Betrieb im Tegernseer Tal hält er 16 Milchkühe, 15 Jungrinder sind im Sommer auf der Alm. „Es geht um unsere Existenz“, sagt er.

Bauern fordern: Schutzstatus des Wolfs soll abgesenkt werden

Wenn der Wolf sich in seiner Heimat ausbreite, dann werden viele Betriebe aufgeben, fürchtet er. Mit der Protestaktion wolle er auch den Münchnern klar machen, was das bedeutet. „Viele Städter verstehen die Folgen nicht.“ Die Landschaft werde sich verändern, wenn die Bauern die Almen nicht mehr bewirtschaften. Die Arbeit von Generationen wäre dahin. Und das Bilderbuchpanorama, für das die bayerischen Alpen so geliebt werden ebenfalls.

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Unter den Teilnehmern sehen das viele so. Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands, fordert deshalb von der nächsten Bundesregierung, die Absenkung des Schutzstatus für den Wolf auf europäischer Ebene zu erwirken. „Es braucht mir niemand erzählen, dass diese Art bei 4000 Nutztierrissen im Jahr vom Aussterben bedroht ist“, ruft er den Demonstranten zu.

Herdenschutz keine Lösung?

Auch die Gäste aus Tirol und Südtirol wollen ran an den Schutzstatus des Wolfes. „Abschüsse wird es in Zukunft ohnehin brauchen“, sagt etwa Josef Hechenberger, Präsident der Tiroler Landwirschaftskammer. „Die Frage ist bloß, ob es bis dahin noch Almen in Tirol gibt.“ Die von Naturschützern immer wieder geforderten Herdenschutzmaßnahmen zur Abwehr des Wolfes hält Leo Tiefenthaler, Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes, für keine Lösung. „Er ist auf unseren unwegsamen Almen schlicht nicht durchführbar und auch nicht finanzierbar.“

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Im Publikum nickt Roland Kirr mit dem Kopf. Zuhause in Pienhart im Kreis Traunstein hält er 80 Schafe und zwölf Pfauenziegen. Bislang seien seine Tiere noch verschont geblieben, aber im 40 Kilometer entfernten Schleching wurden vor wenigen Wochen wieder ein Schaf und eine Ziege gerissen. „In einer Nacht kann der Wolf bei uns sein.“ Seine Tiere seien zwar eingezäunt. „Aber da springt der Wolf locker drüber.“ Und Herdenschutzhunde? „Meine Weiden sind alle in der Nähe von Wohnbebauung. Was da los ist, wenn der Hütehund die ganze Nacht bellt, will ich gar nicht wissen.“

Werden Abschüsse die Probleme der Weidehalter lösen?

Freilich gibt es auch Tierhalter, denen der symbolträchtige Aufmarsch in München zu weit geht. René Gomringer zum Beispiel, der lange Geschäftsführer beim Landesverband bayerischer Schafhalter war und selbst im Altmühltal eine kleine Schafherde hält. Auch er macht sich Sorgen um seine Tiere. Aber im Vorfeld der Demo wies er gemeinsam mit dem Bund Naturschutz darauf hin, dass Abschüsse die Probleme der Weidehalter nicht lösen würden. Es brauche mehr Geld für Herdenschutzmaßnahmen – und das Verständnis der Bevölkerung dafür.

Dass sich politisch bald etwas zugunsten der Weidetierhalter ändert, da ist so mancher Demonstrant in München nicht gerade optimistisch. „Solange es die breite Bevölkerung nicht betrifft, wird sich nichts ändern“, sagt Nikolaus Riesch, Landwirt aus Wackersberg. Aber auch deswegen habe er sich mit seiner Familie auf nach München gemacht. „Damit sich die Menschen, die hier vorbei kommen, überhaupt mal mit dem Problem befassen.“

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