Der kulturelle Rückblick 2019: Das erlebte die Region in diesem Jahr

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Proppevoller Mangfallpark: Das Rosenheimer Sommerfestival mit den Scorpions auf der Bühne.

55.000 Besucher beim Sommerfestival im Mangfallpark

Rosenheim - Sie waren dasHighlight des Rosenheimer Sommerfestivals 2019: die „Scorpions. Mit gut 9000 Besuchern war der Abend restlos ausverkauft. Doch auch die weiteren Programmpunkte begeisterten die insgesamt 55 000 Besucher. Zu den Stars im Mangfallpark-Süd zählten: Wincent Weiss, Nazareth, Sweet und Uriah Heep, Namika und Lea, Howard Carpendale und Ben Zucker.

Unvergessen bei den Fans ist überdies der Abend mit Quadro Nuevo und den Salzburger Philharmonikern. Kommendes Jahr steht nun die zehnte Auflage des Rosenheimer Sommerfestivals an (10. bis 18. Juli 2020) und damit ein kleines Jubiläum. Bereits bekannte Programmpunkte sind: Deep Purple, Lena Mayer-Landrut und Alvaro Soler. Weitere Top-Acts werden im neuen Jahr bekannt gegeben.

Festspiele feiern sich und Beethoven

Herrenchiemsee – Im Jahr eins schwebte der Geist des Mitbegründers und Intendanten Enoch zu Guttenberg noch über der Insel. Vor seinem Tod 2018 hatte er noch amProgramm der Herrenchiemsee-Festspiele 2019 mitgewirkt. Erfolgreich, wie man sehen kann: Mit dem ausverkauften Eröffnungskonzert mit Musik von Vivaldi im Münster gab Barockspezialist Fabio Biondi die Richtung vor.

Auf 90 Prozent sei die Auslastung gestiegen, verkündete Josef Kröner, geschäftsführender Programmdirektor. Die ersten vier Konzerte waren ausverkauft, dazu das Konzert des Münchner Rundfunkorchesters unter Ljubka Biagioni, „Die Trompeten von Versailles“, sowie „Abgötter“ mit Beethoven, Wagner und Bruckner. Gerade dieses letzte Konzert mit der Klangverwaltung unter Kent Nagano habe „eine unglaubliche Intensivität“ besessen und sei enthusiastisch aufgenommen worden, sagte Kröner. Guten Zuspruch fand auch das Kammerkonzert mit dem „Quatuor Mosaïque“.

Die Festspiele sind als „Leuchtturmprojekt“ des Bayerischen Kunstministeriums gesichert. So kann man 2020 das 20-jährige Bestehen, vor allem aber den Geburtstag eines Großen feiern: Die Klassikwelt feiert im kommenden Jahr den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven. Da kann eine Insel nicht abseits bleiben, mag auch das Motto anders lauten: „Der Welt entrückt“.

Positiv auch: Die schon totgemeldeten Inselkonzerte gehen weiter – und feierten unter den neuen Kuratoren, dem Bratschisten Niels Mönkemeyer und dem Pianisten William Youn, einen Aufschwung.

Festivo in Aschau - wo der Chef persönlich spielt

Aschau – Die ersten fünf Konzerte ausverkauft, die beiden anderen gut besucht – auch wenn man bei „Festivo“ in Aschau nicht zuvörderst auf Ticketverkäufe schaut, war man doch mit dem Jahr 2019 zufrieden.

Bratscher Johannes Erkes überzeugte dabei nicht nur als Gastgeber, sondern auch als Musiker: so etwa bei Mozarts Klavierquartetten zum Abschluss.

Die Cubaboarischen - aus eins mach zwei

Rosenheim – Eine Liveband, die Zuckerinsel Kuba, südliches Flair und heiße Rhythmen – die „Cubaboarischen“ prägten seit dem Jahr 2000 einen unvergleichlichen bairisch-spanischen Musikstil. Anfang 2019 gab die bekannte Formation ihr letztes Konzert im Kuko und der langjährige Bandleader Hubert Meixner verabschiedete sich.

Aber: Aus eins mach zwei, heißt es, denn nun gibt es zwei Formationen mit „Cubaboarische traditional“ und dem modernen „Cubavaria“ mit Meixners Sohn Leo.

Opern auf Schloss Amerang

Amerang – Auf viele ausverkaufte Vorstellungen blicken die Schlossherren Ortholf und Giulia von Crailsheim bei den „Festspielen Schloss Amerang“ zurück. Bei 34 Veranstaltungen in der Sommersaison gab es auf dem Gestüt und im Renaissance-Arkadenhof von Schloss Amerang eine hohe Auslastung. Den Sommer über stets ausverkauft: die Opern „Zauberflöte“ und „Rigoletto“.

Doch auch die beiden Opernpremieren „Don Giovanni“ und „Lucia di Lammermoor“ begeisterten. Klassik-Höhepunkte waren die Ensembles Clemente und Mosaique. In den Herbst ging es mit dem Finale des Gesangswettbewerbs „Grandi Voci“. Die Zuhörer wählten dabei ihre Preisträger, die im kommenden Jahr bei der 55. Auflage der Festspiele auftreten werden. Das Jahr beschlossen Prokofjews Musikmärchen „Peter und der Wolf“ und eine Reihe stimmungsvolle Adventskonzerte, darunter „Quadro Nuevo“ und Martina Eisenreich mit dem Kinderchor „Stella Cadente“.

Gut Immling: Saison der belohnten Wagnisse

Halfing - Gut Immling im abgelaufenen Jahr, das war nach den Zahlen der Veranstalter ein großer Erfolg. 17.500 Musik- und Opernfreunde besuchten 2019 das Festival.

Und doch lautete während der Saison die Frage nicht nur was, sondern ob weiterhin etwas auf dem Spielplan stehen würde. „Immling-Festival noch nicht gerettet“, so lautete eine Online-Schlagzeile des OVB im Sommer. Da war zwar die aktuelle Saison in trockenen Tüchern; über der Zukunft allerdings schwebten Zweifel. Weil Kultur eben nur in Ausnahmefällen in einem Reitstall stattfinden darf. Die Genehmigung wurde zwar in über 20 Jahren stets erteilt, doch drängt das Landratsamt seit geraumer Zeit auf eine offizielle Umwidmung des landwirtschaftlichen Gebäudes.

Evan Alexis Christ (rechts) dirigierte zusammen mit Cornelia von Kerssenbrock das Finale Grande auf Immling. Dabei wurde musikalisch geliebt und gelitten, wie Victor Campos Leal (links) in dieser Szene beweist

Um so größer dürfte die Erleichterung bei den zahlreichen Freunden des Festivals gewesen sein, als man Anfang November das neue Programm vorstellte, beginnend erneut mit einer fernöstlichen Oper von Puccini – „Madame Butterfly“ – und auch im weiteren Verlauf das bewährte Muster verfolgend. Denn das Konzept Abwechslung und Farbenreichtum, leichtere Kost neben Klassikern zieht, wie der Sommer 2019 zeigte.

Für Puccinis „Turandot“ ließen Intendant Ludwig Baumann und die musikalische Leiterin Cornelia von Kerssenbrock sogar den Graben vergrößern, um den riesigen Orchesterapparat unterzubringen. Ein Wagnis, das sich auszahlte. Mit Johann Strauss‘ „Die Fledermaus“ präsentierten die beiden seit mehr als 15 Jahren erstmals eine Operette, Mozarts „Don Giovanni“ vervollständigte den erfolgreichen Premierenreigen.

Reger Besucherzulauf im Waldkraiburger Haus der Kultur

Waldkraiburg – Dieneue Strategie im Haus der Kultur ist aufgegangen: Mit weniger Angeboten wieder eine größere Nachfrage generieren.

Im Jahresverlauf gab es somit einen regen Besucherzulauf – auch im Abo-Bereich. Für die Vorstellung vom „Brandner Kaspar“ waren Wochen vorher nur noch Restkarten verfügbar – obwohl die Veranstaltung am zweiten Weihnachtsfeiertag war.

Herbert Pixner begeistert Rosenheim

Rosenheim – Ausverkauftes Haus, voller Erfolg: Der Südtiroler Akkordeonvirtuose Herbert Pixner begeisterte mit seinem Quartett und den Berliner Symphonikern mit „Symphonic Alps“ im Kuko Rosenheim.

Vom ersten Stück an gab es stürmischen Applaus.

Raiffeisen Kultursommer: 1000 Jahre und eine Absage

Mühldorf/Tüßling/Altötting – Das dicke Ende kam zum Schluss: Weil sich Sänger Klaus Eberhartinger am Vorabend bei einem Auftritt verletzt hatte, fiel das Abschiedskonzert der Ersten Allgemeinen Verunsicherung auf dem Altöttinger Kapellplatz aus. „1000 Jahre EAV“ galt es zu feiern. 4000 Zuschauer gingen leer aus, einen Nachholtermin gab es nicht, weil die EAV Ende des Jahres ihren letzten Auftritt in Wien hatte.

Ein Herzchen für Mühldorf: Blümchen war einer der Hauptacts beim 90er-Festival in der Mühldorfer Rennbahn.

Ansonsten zeigten sich die Veranstalter des Raiffeisen-Kultursommers mit den Veranstaltungen sehr zufrieden. Nach Angaben der Konzertagentur Kofo kamen noch nie so viele Besucher zu den sechs Open-Air-Konzerten, mehr als 35.000 Menschen aus der Region, Österreich und dem südbayerischen Raum kamen in die Landkreise Altötting und Mühldorf. Die Konzertreihe begann im Juni mit „Die

90er Live“ in der Rennbahn in Mühldorf, ein Festival, bei dem 8000 Gäste einen Tag lang feierten. Einer der Hauptacts: Blümchen.

Es folgte die Konzertreihe im Schlosspark Tüßling: Roland Kaiser spielte am Donnerstag, 25. Juli, vor 4500 Zuhörern. Am Samstag, 27. Juli, besuchten rund 7000 Musikfans Rea Garvey im Schlosspark. Am Sonntag, 28. Juli, schließlich der Höhepunkt: Der seit Monaten ausverkaufte Auftritt von Mark Forster wurde von 8500 Gästen im Schlosspark frenetisch gefeiert. Alleine in Tüßling waren es also mit rund 20 000 so viele Besucher wie noch nie.

Kunst und Kreisch-Säge in Wasserburg

Wasserburg – Eine Prozession vom Skulpturenweg zum Marienplatz mit bekränzten Menschen, begleitet von der Kirchdorfer Blasmusik, im September in der Wasserburger Altstadt zog alle Blicke auf sich. Und dann erst das Konzert für Kreissäge und Percussion vor dem Rathaus.

Der Auftakt zur Vernissage im Ganserhaus war provokant und exzentrisch, wie der Künstler, von dem die Ausstellung dort handelt. Der AK68 zeigte „Hinterlassenschaft“, eine Art Nachruf auf das Leben des C.A. Wasserburger. Die markante Künstlerpersönlichkeit, die im vergangenen Jahr verstarb, war Mitbegründer des Arbeitskreis 68. Seine Tochter Silvia Hatzl ist in die Fußstapfen des Vaters getreten und macht Kunst und Performance.

Bad Aibling – Angenommen, man liebt Gitarre. In diesem Fall ist man natürlich mit dem gitarrischten Abend am besten bedient: „Guitarrissimo“ heißt der bei den „Saitensprüngen“, und mit sieben bedeutenden Künstlern und verschiedensten Genres. Und er ist zugleich Höhepunkt und Querschnitt und so etwas wie Essenz dieser Konzertreihe, die 2019 ihre 20. Auflage erlebte.

Schon fast die perfekte Mischung: Die 20. Saitensprünge in Bad Aibling

Bad Aibling - Etwa mit Pedro Navarro und Lois Castan, die Flamenco und Gipsysound boten; oder mit Andrea Vettoretti und Riviera Laze (Cello) und ihrer Klangmalerei aus „Alice in Wonderland“ oder mit Sönke Meinen, der als Speed-Artist glänzte.

Antonella Mazza und Susana Raya betrieben unterhaltsam Crossover aus Fado und Soul, Pedro Navarro wiederum spielte dann elegische Hirtenmelodien, was alles miteinander zum Jahresabschluss auch nur deswegen so brav aufgezählt wird, weil es irgendwie bezeichnend war für das, was „Saitensprünge“ ausmacht: Vielseitigkeit, kein Purismus und schon gleich gar keine Pedanterie, eher etwas fürs Publikum, das auf solche Angebote pflichtschuldigst, nämlich enthusiastisch und freudig reagiert. Bierernst ist es auch nicht, wie sich heuer beim Doppel-Abend mit Mike Dawes und Tommy Emmanuel zeigte.

Tommy Emmanuel beeindruckte auch mit seiner Percussion-Technik auf der Gitarre

Etwas sehr Familiäres also, diese Reihe in Bad Aibling, die, heuer von Yamandu Costa spektakulär eröffnet, auch Ausflüge in die ernstere oder so genannten „klassische“ Musik nicht scheut, was bei der Gitarre eher Renaissance, Barock oder Romantik meint. Zu hören beispielsweise beim Abschlussabend mit den beiden Gitarristen Michael Koschorreck und Augustin Wiedemann sowie dem künstlerischen Leiter des Festivals, dem Bratschisten Johannes Erkes.

Das Trio präsentierte Lieder des elisabethanischen Lautenisten John Dowland und Lieder von Franz Schubert, wobei Erkes die Gesangsstimme mit der Bratsche übernahm, nachdem er zuvor erwähnt hatte, dass Schubert seine Lieder in Ermangelung eines Klaviers an der Gitarre begleitete. Richtig, lernen kann man bei den „Saitensprüngen“ auch noch was.

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