Künftig Videokameras in der KZ-Gedenkstätte

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Schmerzliche Lücke: Die schmiedeeiserne Tür im großen Eingangstor zur KZ-Gedenkstätte Dachau wurde Anfang November gestohlen. Foto: Andreas Gebert/dpa

Die gestohlene Tür der KZ-Gedenkstätte Dachau hat die Behörden aufgeschreckt. Künftig soll Videoüberwachung solche Taten erschweren. Völlig ausschließen könne man sie nicht, hieß es.

dachau und flossenbürg

Die gestohlene Tür der KZ-Gedenkstätte Dachau hat die Behörden aufgeschreckt. Künftig soll Videoüberwachung solche Taten erschweren. Völlig ausschließen könne man sie nicht, hieß es.

von dirk walter

München/Dachau – Der Angriff erfolgte in stockdunkler Nacht: Irgendwann zwischen 23.45 und 5.30 Uhr früh am 1./2. November entwendeten Unbekannte die schmiedeeiserne Eingangstür zum Gelände der KZ-Gedenkstätte. Seit nunmehr fast drei Monaten ist die Tür verschwunden. Die Polizei: ohne eine heiße Spur. Selbst ein Aufruf in „Aktenzeichen XY ungelöst“ blieb ohne verwertbare Ergebnisse.

Die Tür mit der zynischen Inschrift „Arbeit macht frei“ also ist gestohlen, die mit der Gedenkstätte befassten Stellen indes wollen Konsequenzen ziehen. „Wir werden in Zukunft partielle Videoüberwachung in beiden Gedenkstätten einsetzen“, sagte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, der CSU-Politiker Karl Freller. Sowohl in Dachau als auch in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in der Oberpfalz also soll es nun Kameras geben. Dies hat der Stiftungsrat, in dem auch ehemalige KZ-Häftlinge sitzen, gestern gebilligt. Bisher war die Gedenkstätten-Leitung der Meinung, aus dem KZ-Gelände „keinen Hochsicherheitstrakt“ machen zu wollen. Kameras gab es nicht, nur dezent eingesetztes Sicherheitspersonal. Jetzt gebe es einen Meinungsumschwung, berichtete Freller. Nicht zuletzt auch beim wohl bekanntesten noch lebenden Ex-Häftling, dem fast 95 Jahre alten Max Mannheimer. Dachau und Flossenbürg könnten sicher nicht komplett überwacht werden, sagte Kultusminister Spaenle (CSU), der im Stiftungsrat den Vorsitz hat. Das gehe schon allein wegen der schieren Größe des Geländes – über 200 000 Quadratmeter – nicht. Auch Infrarot-Überwachung scheidet aus – schon wegen Wildwechsel. Der Alarm würde bei jedem Hasen ausgelöst werden. Aber dennoch müsse man reagieren, sagte Freller. Wo die Kameras angebracht werden, ist noch nicht ganz klar. Vermutlich im Eingangsbereich und an „besonders gefährdeten Stellen, wo Unersetzliches lagert, zum Beispiel Überreste von Häftlingskleidung oder Briefe“, sagte Freller. Das könnte auch vor unliebsamen Souvenierjägern schützen, die im so genannten Bunker am Rande der KZ-Gedenkstätte sogar schon alte Steckdosen mitgenommen haben. „Die Frage wird sein, ob man da nur noch von außen reinschauen darf – oder alles mit Plexiglasscheiben gesichert wird“, sagt Freller. Schwierig. Auch die Zufahrtswege sollen überwacht werden – schließlich ist es bis heute ein Rätsel, wie die unbekannten Täter mit der nahezu 100 Kilo schweren KZ-Tür entkommen konnten. Vermutlich sind sie auf dem gesandeten breiten Zufahrtsweg mit dem Auto vorgefahren.

Die Verantwortlichen wissen aber auch, wo sie die Kameras sicher nicht anbringen werden: An den Wachtürmen zum Beispiel. Das gehe gar nicht. „Auf keinen Fall darf die Würde des Ortes verletzt werden“, sagte Freller.

Ob die gestohlene Tür ersetzt wird, ist offen. Unter anderem liegt ein Angebot aus der Dachauer Partnerstadt Fondi vor, eine Replik zu fertigen. „Diese Diskussion haben wir noch vor uns“, so Freller. Bis zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau Ende April soll eine Antwort vorliegen.

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