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„Der neue Geist ist, Windräder zu ermöglichen“

Kommt ein Windkraft-Boom in Bayern? Diese Lockerung könnte der Auslöser sein

Windräder im Nebel
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Bisher hat eine Regel den Bau von einigen Windrädern verhindert. Nun gibt es dank einer Lockerung neue Möglichkeiten.
  • Andreas Höß
    VonAndreas Höß
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Bisher hat eine Regel den Bau von einigen Windrädern in Bayern verhindert. Doch diese Regel wurde nun gelockert. Kommt jetzt der Windkraft-Boom? Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sieht ein enormes Potenzial.

München – Hubert Aiwanger kommt richtig ins Schwärmen, wenn er über Windräder in Bayerns Wäldern spricht. Die Anlagen seien dort besser versteckt als auf freien Flächen, sagt Bayerns Wirtschaftsminister. Selbst unter Umweltaspekten seien Windräder keine Katastrophe. Unter ihnen entstehe oft sogar ein ökologisches Kleinod. Anders als im dichten Wald scheine hier die Sonne hinein und schaffe Biotope für Pflanzen und Tiere. „Hier sonnt sich die Eidechse, hier wachsen Wildkräuter und Blumen und hier tummeln sich Schmetterlinge und Insekten“, erklärt Aiwanger. „Ich habe mir das schon im Detail angesehen.“

Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Wirtschaftsminister von Bayern.

Solche Kleinode könnte es bald öfter geben: Denn seit Mittwoch, 16. November, gelten Ausnahmen für die Abstandsregel 10H, die in Bayern in den letzten Jahren fast alle neuen Windräder verhindert hat. Die Regel wurde 2014 unter dem damaligen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer ersonnen und sieht vor, dass der Abstand zu Wohngebäuden mehr als die zehnfache Höhe der bis zu 200 Meter hohen Windräder betragen muss. Nun wird dieser Mindestabstand zunächst in fünf Bereichen auf 1000 Meter halbiert: In Wäldern, an großen Straßen und Eisenbahntrassen, im Umfeld von Gewerbegebieten, auf Militärgelände, sowie beim Ausbau vorhandener Windräder. Im Juni 2023 werden dann auch in den ausgewiesenen Vorranggebieten für Windenergie die Mindestabstände verringert.

„Enormes Potenzial“ in Wäldern

Besonders in Wäldern sieht Aiwanger „enormes Potenzial“. Hier ist die Flächensuche weit fortgeschritten. In Bayerns Staatswald stehen schon 101 Windanlagen. Durch die Lockerung von 10H seien 450 weitere Anlagen realistisch, bestätigt ein Sprecher der Staatsforste. Hinzu kommen private Forstflächen, die etwa doppelt so groß sind wie der Staatswald. „In Staatsforsten und Privatwäldern haben wir über 1000 mögliche Windradstandorte, die mobilisiert werden können“, so Aiwanger. Allein diese Standorte würden theoretisch reichen, um das Ziel der Staatsregierung von 1000 neuen Windrädern zu erfüllen.

Möglichkeiten für weitere hunderte Anlagen schlummern im Umfeld von Gewerbe- und Industriegebieten, heißt es in einem internen Papier. Durch die Lockerung von 10H seien statt auf bisher 0,02 Prozent künftig auf etwa zwei Prozent der Landesfläche Bayerns Windanlagen denkbar. Das sind mehr als die 1,1 Prozent, die der Bund bis Ende 2027 von Bayern fordert. Im Wirtschaftsministerium, das für den Windradausbau verantwortlich ist, ist man jedenfalls stolz. „Bayern wird ein Boom-Land für Windkraft“, verkündet der Chef der Freien Wähler und verweist dabei auf rund 250 Windräder, die schon in Planung sind. Ob und wann diese kommen, ist aber unklar. Nur 34 Anlagen sind genehmigt, 14 davon könnten in drei Monaten fertig sein. 25 sind beantragt, aber nicht genehmigt. Und rund 70 Projekte mit 200 Rädern liegen bei den Windkümmerern. Das Gremium wurde von der Staatsregierung geschaffen, um Windradbauer durch das Wirrwarr an Regeln und Zuständigkeiten zu helfen.

Es hängt also nicht nur von der Investitionsbereitschaft oder der Verfügbarkeit von Material ab, ob ein Windrad wirklich gebaut wird und wie lange das dauert. Bayerische Behörden hätten längst eine Perfektion darin entwickelt, die teils noch skeptisch beäugten Projekte in einer Papierflut zu ersticken, hört man unisono in der Windbranche. Durch die Lockerung von 10H gebe es zwar wirklich viele Anfragen und Interessensbekundungen, ob sich in Bayern etwas geändert habe, zeige sich aber erst, wenn die Projekte in die Genehmigungsphase kommen.

Der neue Geist

„Der alte Geist war, Windräder zu verhindern“, weiß auch Aiwanger. „Der neue Geist ist, Windräder zu ermöglichen“, verspricht der Minister. In der Staatsregierung seien Gespräche über Windkraft bis vor einem Jahr noch ein Casus Belli gewesen, ein Kriegsgrund. Das habe sich mit dem Überfall auf die Ukraine und der Energiekrise aber geändert. Nun würden alle an einem Strang ziehen. Deshalb würden auch 100 Personalstellen in den Bezirksregierungen geschaffen, um Genehmigungen zu beschleunigen. Auf kommunaler Ebene muss Aiwanger, der gerne selbst zum Hörer greifen soll, um neue Projekte anzuleiern, wohl noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Übung und Ideenreichtum bringt er dabei immerhin mit: Einem Windkraft-Gegner wollte er schon einmal höchstpersönlich einen Haselnuss-Strauch in den Garten pflanzen, um ihm den Blick auf das „Monstrum“ zu verstellen.

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