Kliniken und Ärzte sollen zusammenrücken

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Nicht nur bei der Notfallversorgung sollen Kliniken und Praxen sich gegenseitig die Arbeit erleichtern. foto: dpa

Die Barmer hält die hohe Zahl der bayerischen Krankenhäuser für qualitätsschädlich und hat Reformideen. In der Diskussion mit Landtagsfraktionen kann man sich vor allem auf eines einigen: Ärzte und Krankenhäuser müssen besser zusammenarbeiten.

Gesundheitsversorgung

von Sebastian Horsch

München – Es heißt, Gesundheitspolitik werde vor allem von Berlin aus gemacht. Doch auch die Landtagswahl stellt wichtige Stellschrauben für die kommenden fünf Jahre, glaubt Claudia Wöhler, Bayern-Chefin der Barmer. Auf zahlreiche Versorgungsbereiche hätten die Länder großen Einfluss. Die Kasse hat deshalb gestern ihre Sicht auf die Dinge dargelegt und mit Landespolitikern diskutiert.

Bayern hat 360 Krankenhäuser. „Das sind zu viele“, sagte Wöhler. Denn darunter leide nicht nur die Wirtschaftlichkeit. Da es momentan ein „enormes Qualitätsgefälle“ gebe, unterstützt die Barmer eine Umstrukturierung der Klinik-Landschaft. Wo und in welchem Umfang stationäre Leistungen erbracht werden, darüber müsse künftig die Qualität entscheiden. Auch in Bayern sollten deshalb die Qualitätsindikatoren des Gemeinsamen Bundesausschusses als Minimalziel in die Krankenhausplanung aufgenommen werden, fordert die Kasse.

Um die Entwicklung der Kliniklandschaft mitzugestalten, will die Barmer am liebsten selbst stärker bei der Krankenhausplanung mitreden. Im Gegenzug für mehr Einfluss, schlägt sie vor, dass die Kassen – und auch der Bund – die Länder bei den Investitionskosten unterstützen. Wie zuvor schon sein CSU-Kollege Bernhard Seidenath bekannte sich allerdings auch Ulrich Leiner (Grüne) zum jetzigen Finanzierungssystem. Ansetzen müsse man Leiners Meinung nach an anderer Stelle: nämlich bei den Anforderung für eine Investitionsförderung durch den Freistaat. Es stelle sich die Frage, ob wirklich jeder Landrat den vollen Betrag für einen Klinikneubau erhalten solle, „sogar wenn in Sichtweite bereits ein anderes Krankenhaus gebaut wird“.

Ruth Waldmann (SPD) betonte, die Zahl der Krankenhäuser könne man nicht für sich genommen betrachten. Stattdessen sei eine sektorenverbindende Versorgungsplanung nötig.

Mehr Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitssektoren, also auch eine stärkere Verzahnung von Arztpraxen Krankenhäusern, wünschten sich alle am Tisch. Wie es gehen kann, soll aus Sicht der Barmer in Bayern ein Gremium planen, an dem auch die Kassen beteiligt werden. In der Umsetzung regt die Kasse regionale Versorgungsverbünde an, in denen niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser „patientenorientiert, interdisziplinär und aufeinander abgestimmt“ zusammenarbeiten sollen.

Auch in der Notfallversorgung hält die Barmer eine Neustrukturierung für „dringend erforderlich“, um die Versorgung zu verbessern. „Die Patientenzahlen in den Notaufnahmen steigen kontinuierlich an, obwohl viele Patienten auch im niedergelassenen Bereich versorgt werden könnten“, konstatiert die Kasse. Der Grund dafür sei die unklare Aufgabenteilung von ambulanter Notfallversorgung, Rettungsdienst und Notaufnahme, sowie eine fehlende Steuerung der Patientenströme. Es sei gut, wenn sich künftig die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) und die Kassenärzte gemeinsam um die Notfallversorgung kümmern, erklärt die Kasse. Auch BKG-Chef Siegfried Hasenbein plädierte gegenüber unserer Zeitung für eine regional gesteuerte Aufgabenteilung unter Federführung der Länder.

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