Kleiner Igel in großer Not

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Erstmals taucht der Igel auf der Vorwarnliste der gefährdeten Säugetiere in Bayern auf – weil er wegen der intensiven Landwirtschaft kaum mehr Nahrung findet. Wer einen Garten hat, kann dem Stacheltier jedoch helfen. Und zwar am Besten mit Nichtstun.

Bedrohte Tierart

Von Beatrice Oßberger

München – Mehr als 40 Prozent der bayerischen Säugetierarten sind gefährdet. Das ist die bittere Bilanz, die das Landesamt für Umwelt (LfU) in seiner aktualisierten Roten Liste zieht. Erstmalig auf dieser Liste taucht auch ein Allerweltstier auf, das jeder kennt: der Igel.

Noch stuft das Landesamt den Bestand der Igel in Bayern als „häufig“ ein. Aber der Rückgang in den vergangenen Jahren ist doch so signifikant, dass der Igel jetzt auf der sogenannten Vorwarnliste geführt wird. „Das ist ein deutliches Alarmsignal“, sagt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). „Es zeigt, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln.“

Ursache dafür, dass der Igel zur bedrohten Art wurde, ist laut Erlwein vor allem der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. „Wo Gift gespritzt wird, wachsen keine Pflanzen, die Insekten und anderem Getier als Nahrung dienen könnten. Igel sind jedoch wie auch die Vögel auf Insekten als Nahrung angewiesen“, sagt Erlwein.

Auf der Vorwarnliste stehen neben dem Igel unter anderem auch der Feldhamster, der Feldhase und mehrere Mausarten. „Es sind insbesondere die Tiere der offenen Flur, die unter der intensiven Landwirtschaft zu leiden haben“, sagt Erlwein. „Hier muss endlich ein Umdenken einsetzen, sonst werden viele Tierarten bei uns schlichtweg nicht überleben.“

Wäre ein Schutzprogramm für Igel eine Lösung? Dass diese funktionieren können, zeigt das Beispiel des Weißstorchs, den der LBV als einen der Gewinner des Jahres 2017 listet. Vor 30 Jahren stand der Vogel kurz vor dem Aussterben. Dank eines Artenhilfsprogramms konnte sich der Bestand wieder erholen und zählt jetzt im Freistaat knapp 500 Brutpaare. Ein weiteres Beispiel ist die Große Hufeisennase. Die stark bedrohte Fledermausart konnte mithilfe eines Schutzprojekts vor dem Aussterben gerettet werden.

Ein Artenschutzprogramm für den Igel ist für Erlwein jedoch derzeit noch keine Option. Der rückläufige Bestand erfülle ihn zwar mit großer Sorge, aber noch sei der Igel nicht direkt vom Aussterben bedroht, sagt er.

Damit das so bleibt, hat der LBV bereits vor drei Jahren die Initiative „Igel in Bayern“, ins Leben gerufen. „Schon damals war absehbar, dass sich der Igel-Bestand in Bayern stark verschlechtert hat“, sagt Erlwein. Die Initiative will die Öffentlichkeit sensibilisieren, sie gibt aber auch Tipps, wie vor allem Gartenbesitzer den Igeln helfen können. Da die Tiere auf den Feldern nicht mehr genügend Nahrung finden, zieht es sie vermehrt in den menschlichen Siedlungsraum. Gerade Gärten sind für Igel immer wichtigere Rückzugsorte.

Nichts tun, lautet hier das allererste Gebot. Nicht den Rasen mähen, nicht das Laub wegrechen, nicht das Totholz entfernen. „Die faule Ecke“, nennt das Erlwein. In einer solchen naturbelassenen Umgebung fühlen sich Igel (und nicht nur die) am wohlsten – und sie finden genügend Baumaterial für Nest und Winterquartier. Zudem rät Erlwein zu blütenreichen heimischen Pflanzen, Hecken und Sträuchern, die Würmer und Insekten anziehen, von denen sich auch Igel ernähren.

Ein weiterer Grundsatz: Der Einsatz von Chemie im Garten ist tabu. Wichtig ist aber auch, dass die Igel überhaupt die Möglichkeit haben, in den Garten reinzukommen. „Eine hohe Steinmauer um den Garten ist nicht igelfreundlich“, sagt Erlwein. „Deshalb: Lassen Sie die Igel rein. Ein kleiner Durchlass genügt.“

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