Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Es muss ein neues Heizsystem her“

Kirchenbank mit Sitzheizung? Wie eine Kirche in Ramsau auf explodierende Heizkosten reagiert

Das Ramsauer Kircherl ist weltberühmt - und war für viele Maler ein beliebtes Motiv
+
Das Ramsauer Kircherl ist weltberühmt - und war für viele Maler ein beliebtes Motiv. Rechts unten: Kirchenpfleger Manfred Weber.
  • VonKilian Pfeiffer
    schließen

Das Ramsauer Kircherl ist sehr klein - und trotzdem weltberühmt. Auch dank eines früheren US-Präsidenten. Nun sorgt sich die Pfarrei aber, dass im Winter niemand mehr zum Gottesdienst kommen könnte. Denn die ganze Kirche zu beheizen, wird zu teuer. Deshalb werden die Ramsauer kreativ.

Ramsau – Mit einer speziellen Art von Kontaktheizung will die kleine Kirchengemeinde im Bergsteigerdorf Ramsau im Berchtesgadener Land den extrem gestiegenen Stromkosten begegnen. „Frieren soll schließlich niemand“, sagt Kirchenpfleger Manfred Weber. Aber 13.000 Euro Heizkosten sind einfach zu viel für die von Kirchenaustritten geplagte Pfarrei. 

Denn die Einnahmen gehen seit Jahren zurück. „Es geht stetig bergab“, sagt Weber. Nur noch 1280 Gemeindebürger zahlen dafür, Mitglied in der Kirche zu sein. Es waren mal 1500, vor rund 20 Jahren. Dieses Jahr haben sich bereits 13 Menschen verabschiedet, vergangenes Jahr waren es 17. „Dieser elende Missbrauch“, schimpft Weber. Er sei schuld an der Misere. „Es ist abscheulich, wie die Kirche damit umging“, klagt er. 

„Es muss ein neues Heizsystem her“

Doch wo die Einnahmen fehlen, sollten die Ausgaben nicht steigen. „Es muss ein neues Heizsystem her“, sagt Manfred Weber. Eine Alternative gibt es nicht. Gottesdienste ausfallen zu lassen, komme nicht infrage. „Das geht einfach nicht.“ Das Kircherl müsse erlebbar bleiben – egal wie kalt es draußen ist, findet er. Und auch, wenn durchschnittlich nur 33 Menschen an einem Gottesdienst in St. Sebastian teilnehmen. „Die Frage, wann sich eine Kirche rentiert, sollte nie gestellt werden“, findet der Kirchenpfleger.

Deshalb hat er recherchiert, was für das Ramsauer Kircherl infrage kommt. Das denkmalgeschützte Gotteshaus ist über 500 Jahre alt, eine Konvektionsheizung hätte einen zu hohen Wärmeverlust, erklärt Manfred Weber. Außerdem widerspreche sie einer schonenden Beheizung denkmalgeschützter Gotteshäuser. Doch dann fand der engagierte Kirchenpfleger doch noch eine Lösung: eine Kontaktheizung, die wie geschaffen scheint für die leere Ramsauer Kirchenkasse. 

Sie heizt nur, wenn eine Person Platz nimmt. Sitzfläche und Rückenlehne erwärmen sich also nur nach Bedarf – und auch nur während der Heizperiode zwischen Oktober und April. Vergleichbare Kontaktmatten gibt es etwa für Autositze. Steht der Kirchgänger auf, endet auch der Heizvorgang. „Damit könnten wir 80 Prozent einsparen“, freut sich Weber. „80 Prozent von 13.000 Euro ist viel Geld.“ Die Investition sei auch deshalb sinnvoll, weil die alte Kirchenheizung schon 42 Jahre alt ist.

Wie viel die Installation des neuen Systems kosten wird, weiß Manfred Weber zwar noch nicht. Aber er hofft darauf, dass die Erzdiözese München und Freising die Pfarrei unterstützen wird. Schließlich ist das Ramsauer Kircherl weltberühmt. Nicht nur, weil sie Motiv für etliche Landschaftsmaler im In- und Ausland war. Auch der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower (1890–1969) hat die Kirche einmal von einem Farbfoto abgemalt. Sein Bild wurde in den 1960er-Jahren ein Weihnachtspräsent für den Stab des Weißen Hauses. Außerdem wurde es in der europäischen Ausgabe von „Stars and Stripes“, dem Tagblatt der US-Streitkräfte, gedruckt.

Die Bitte um Unterstützung hat die Ramsauer Pfarrei bereits an die Erzdiözese geschickt. Nun wartet sie auf eine Rückmeldung. 

Mehr zum Thema

Kommentare