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Gläubige haben hohe Erwartungen

Tiefe Wunden durch sexuellen Missbrauch - Gespräch mit Kardinal Marx im Pfarrverband Garching-Engelsberg

Ein Jahr vor seinem Weggang entstand dieses Bild 2007 bei einem Fest der Marianischen Männerkongregation: Pfarrer H. vor der Kapelle auf dem Engelsberger Friedhof.
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Ein Jahr vor seinem Weggang entstand dieses Bild 2007 bei einem Fest der Marianischen Männerkongregation: Pfarrer H. vor der Kapelle auf dem Engelsberger Friedhof.
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Pfarrer H. hat im Pfarrverband Garching-Engelsberg in den 1990er Jahren drei Buben missbraucht. Die Aufarbeitung dieser Ereignisse ist noch nicht abgeschlossen. Am Samstag kommt Kardinal Reinhard Marx in die Pfarrei, um mit den Gläubigen zu sprechen. Die haben hohe Erwartungen.

Mühldorf/Garching/Engelsberg – Es wird für viele Menschen im Pfarrverband Garching-Engelsberg und Katholiken in der Region ein wichtiger Tag: Am Samstag, 17. Juli, kommt Erzbischof Reinhard Marx nach Garching, um über die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Pfarrer H. zu sprechen. H. kam als vorbestrafter Sexualstraftäter für fast 20 Jahre in die Pfarrei im Juni 1986 hatte ihn das Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellem Missbrauch zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Vor der Veruteilung suspendiert

Wegen dieses Vorwurfs war er laut Erzbistum 1985 vorübergehend vom Dienst suspendiert worden. 2008 verließ er Garching, um als Tourismuspfarrer in Bad Tölz zu arbeiten, bevor er schließlich in sein Heimatbistum Essen zurückkehrte. Dort wurde ihm vor seinem Umzug ins Erzbistum München 1980 der sexuelle Missbrauch von zehn Buben vorgeworfen.

Viele fordern eine Aufarbeitung

Seit 2020 beschäftigt die Pfarrei das Thema offiziell, denn H. soll sich Ende der 1980er- und Mitte der 1990er-Jahre auch in Garching an drei Buben vergangen haben. Diese Zahl bestätigt das Erzbistum.

Erst ein Fernsehbericht bring Vorwürfe ans Tageslicht

Vor zwei Jahren griff das ZDF-Magazin „Frontal“ die Vorfälle auf, seitdem sind sie in den Dörfern an der Landkreisgrenze zu Mühldorf Thema. „Alles, was geschlummert hat und unter den Teppich gekehrt war, ist damals hervorgekommen“, sagt der jetzige Pfarrer Hans Speckbacher. „Jetzt ist ein Aufklärungsprozess im Gange, der im Großen und Ganzen gut ist.“

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Rosemarie Anwander, ehemalige Mitarbeiterin des Mühldorfer Anzeigers, schildert die Stimmung vor Ort so: „Viele sind sehr interessiert an einer Aufarbeitung, andere beklagen, dass das Thema kein Ende nimmt.“

Auch im Landkreis Mühldorf blicken Katholiken am Wochenende nach Garching und Engelsberg, denn Pfarrer H. war auch bei den Katholiken im Landkreis bekannt und häufig in verschiedenen Pfarreien zu Gast.

Initiative sucht das Gespräch mit Kardinl Marx

Im vergangenen Jahr suchte die „Initiative Sauerteig“ aus dem Pfarrverband den Kontakt zu Kardinal Marx. Am Ende des für manche verstörenden Gesprächs blieb die Zuversicht, dass sich das Bistum weiter mit der Aufarbeitung befasst. Georg Langschartner begrüßt den Besuch des Kardinals am Samstag, denn er verbindet damit eine große Hoffnung und meint damit auch die Benennung von Verantwortung für den Einsatz eines Priesters, der als Sexualtäter vorbestraft war.

Pfarrer Speckbacher hofft auf Versöhnung

160 Ministranten hat es damals laut Langschartner in der Pfarrei gegeben. „Da war er in seinem Element.“ Doch damit nicht genug: Die „Initiative Sauerteig“ erwartet auch Aussagen, wie die Aufarbeitung im ganzen Erzbistum weitergehen soll.

In vielen Punkten stimmt Pfarrer Speckbacher mit den Erwartungen der Gruppe überein. „Ich hoffe, dass das Erzbistum Verantwortung für das übernimmt, was im Pfarrverband ausgelöst worden ist.“ Marx führt getrennte Gespräche mit den Pfarrgemeinderäten und Vertretern der politischen Gemeinde sowie mit der Initiative Sauerteig.

Sie dient dem Ziel, das Pfarrer Speckbacher so formuliert: „Der Prozess geht in Richtung guter Aufarbeitung, Versöhnung und Heilung. Ich hoffe, dass die Gespräche ein Markstein auf dem Weg dorthin werden.“ Auch eine gemeinsame Andacht ist vorgesehen, in der der Kardinal spricht. Sie soll den spirituellen Aspekt der Aufarbeitung zeigen.

Juristisch sind die Missbrauchsfälle in Garching verjährt

Juristisch sind die drei Fälle in Garching längst verjährt. Weitere Vergehen in Südbayern ließen sich nicht nachweisen, wie die Staatsanwaltschaft München II auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mitteilt. Sie hat ein Vorermittlungsverfahren durchgeführt, die Ermittlungen aber inzwischen eingestellt. „Es gibt keinerlei Hinweise auf sexuelle Übergriffe zulasten von Kindern oder Jugendlichen in den Jahren 2008 bis 2010“, erklärte Sprecher Matthias Braumandl. Für das Erzbistum ist die Aufarbeitung damit aber nicht abgeschlossen, betont Sprecher Dr. Christoph Kappes auf Anfrage. Der Prozess laufe seit 2020, ein großes Gespräch im Pfarrverband sei wegen der Corona-Pandemie bislang nicht möglich gewesen.

Krisenteam begleitet die Pfarrei

Allerdings gebe es seit einem Jahr regelmäßige Kontakte, die Pfarrei werde von einem Krisenteam begleitet. Kappes gibt aber zu: „Es wurde nicht alles getan, was hätte getan werden müssen.“ Das betreffe vor allem die sofortige Information der Pfarrei über die Vorwürfe gegen ihren damaligen Pfarrer 2010.

Missbrauch künftig verhindern helfen

Sauerteig-Sprecher Langschartner sagt: „Wir erwarten eine Entschuldigung, aber damit es nicht getan.“ Er hoffe, dass es ein gutes Gespräch wird. Denn die Initiative wolle nicht nur die Vergangenheit aufarbeiten, sondern auch dazu beitragen, Missbrauch in Zukunft zu verhindern.

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