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Das G9 ist nun auch formell beschlossen – einstimmig, eine Seltenheit in der bayerischen Bildungspolitik. Kritik gibt es nur an Details. Doch Wünsche nach mehr Stunden für Fächer wie Chemie oder Bio dürften ungehört verhallen.

G9 beschlossen

von dirk walter

München – Ungewohnte Töne von der SPD. Den Gesetzentwurf zum G9 der bayerischen Staatsregierung finde er „richtig und gut“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll. Auch Thomas Gehring (Grüne) übte keine Grundsatzkritik, die Freien Wähler ohnehin nicht. „Wir schreiben Gymnasialgeschichte“, sagte CSU-Bildungspolitiker Gerhard Waschler. Einstimmig votierten die Fraktionen im Bildungsausschuss des Landtags für das neunjährige Gymnasium. Es wird im nächsten Schuljahr mit den 5. und 6. Klassen starten.

Das G9 ist zwar schon im Grundsatz beschlossen – von der Staatsregierung, vom Ausschuss, noch vor Weihnachten wohl auch vom Landtag –, doch nun folgt die inhaltliche Gestaltung. Oder wie es Gehring ausdrückte: „Wir sind zufrieden, dass die Außenarchitektur des Gebäudes stimmt.“ Jetzt folge die Innenarchitektur. Ein erster Eckpfeiler ist auch hier schon gesetzt: Die Stundentafeln sind veröffentlicht (wir berichteten). Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) stellte klar, dass hier nur noch „in Einzelfällen“ Veränderungen denkbar sind. Das setzt den Wünschen der Opposition enge Grenzen. Güll zum Beispiel ist der Meinung, dass Geografie, Bio und Chemie „nur suboptimal vorkommen“. Gehring stellte „die alte Fächerstruktur“ grundsätzlich infrage. Zudem gibt es einige Petitionen für Extras. Biologen fordern – logisch – mehr Biologie im Unterricht, der Geschäftsführer eines Biotech-Unternehmens aus Planegg fordert ein eigenes Fach „Gesundheit“, die Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Schulgeographen will die Erdkunde stärken. Ein Petent wünscht sich sogar die Abschaffung von Mathematik als Abitur-Pflichtfach.

Auf den Boden der Realität holte sie der CSU-Abgeordnete Otto Lederer zurück, der die meisten Blütenträume zerrupfte. Er warnte vor Begehrlichkeiten, immer noch mehr in ein G9 reinzupacken. Das G9 werde insgesamt 19 Jahreswochenstunden mehr haben als das alte G8 – das sollte reichen. Neuerungen wie „selbstgesteuertes Lernen“ (Güll) sah der CSU-Politiker extrem kritisch. Er halte den guten alten Fachunterricht immer noch für das Beste. „Der Lehrer muss in seinem Fach sattelfest sein.“

Einige Innovationen im G9 wird es dennoch geben, betonte Minister Spaenle – vor allem in der 11. Jahrgangsstufe. Dort ist ein Pflichtfach Informatik verankert, auch soll die politische Bildung gestärkt werden. Beide Ziele sind schon länger bekannt. Neu ist, dass Spaenle die Möglichkeit für fächerübergreifenden Unterricht nach dem Beispiel von Natur und Technik in der Unterstufe eröffnen wird. Allerdings wohl nur für einige Wochen im Jahr. Für die von Güll beworbene Idee, das Schuljahr in „Trimester“ einzuteilen und Inhalte fächerübergreifend in „Paketen“ zu vermitteln, sieht Spaenle keine Möglichkeit. Betriebspraktika, die es in drei von vier Gymnasien ohnehin schon gibt, begrüßt Spaenle. Pflicht werde das aber auch künftig nicht sein. Auch eine Rückkehr zum alten Leistungskurs in der Oberstufe, wie von den Freien Wählern gefordert, will er „eher“ nicht.

Überhaupt ist die Konzeption der Oberstufe noch unklar. Die Verzögerung ist gewollt. Denn der Minister will warten, ob die Kultusministerkonferenz ihre Ankündigung umsetzt und eine stärkere Vergleichbarkeit der Oberstufen in den 16 Bundesländern anpackt. Es sei genug Zeit, denn erst 2023 werden die ersten G9-Schüler in die Oberstufe eintreten.

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