Bis zu 300 Stellen bei Kathrein-Ericsson in Rosenheim bedroht: Betriebsrat äußert sich

+
"Das Unternehmen ist geflettert genug", sagt ein Sprecher IG Metall Rosenheim. Man wolle um die Arbeitsplätze kämpfen. 

Mitten in der Corona-Krise trifft den Standort Rosenheim eine Hiobsbotschaft: Kathrein Mobile Communication (KMC) plant weltweit einen Stellenabbau von rund 400 Mitarbeitern bis zum ersten Quartal 2021. Zum überwiegenden Teil trifft das den Standort Rosenheim.

Update 24. April

Betriebsrat von Kathrein-Ericsson Rosenheim äußert sich

Rosenheim – Die Kathrein-Ericsson-Mobilfunksparte KMC plant, wie berichtet, offenbar einen massiven Stellenabbau am Standort Rosenheim. Von 250 bis 300 Stellen und damit etwa einem Drittel der knapp 1000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft war zuletzt die Rede.

Nun äußerte sich der Betriebsrat um seinen Vorsitzenden Markus Unterleitner und Stellvertreter Mario Boddeutsch auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen zu den Plänen, über die Mitte vergangener Woche die Geschäftsleitung per Video-Telefonschalte die Mitarbeiter informiert hatte.

Die ersten Vorgespräche zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat hätten bereits stattgefunden, nun würde man mit den Verhandlungen zu den Details beginnen, informierten Unterleitner und Boddeutsch zum Stand der Dinge.

Die Ziele des Betriebsrates: Wie auch bei den letzten drei Abbaumaßnahmen wolle man alles versuchen, um die Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich mitzugestalten. Umschulungen, Weiterqualifizierungen, Vorruhestand oder Altersteilzeit sowie Übernahmen anderer Aufgabenfelder bei Ericsson global könnten Arbeitsplätze retten.

Glaube an den Ericsson-Standort Rosenheim ungebrochen

Des Weiteren werde man versuchen, durch ein Freiwilligenprogramm unter Einbeziehung einer Transfergesellschaft attraktive Angebote zu schaffen, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, heißt es seitens des Betriebsrats.

Ist mit dieser erneuten Runde an Personalabbau nun der „Ausverkauf“ des Standorts Rosenheim eingeleitet? Ganz und gar nicht, kommt dazu vom Betriebsrat: „Wir schätzen die Zukunft hier in Rosenheim durchaus positiv ein. Ericsson investiert weiter in den Standort Rosenheim und treibt die Entwicklung voran. Von einem Ausverkauf kann nicht die Rede sein.“

Seitens der Stadt Rosenheim war auch gestern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den geplanten Stellenstreichungen und den damit verbundenen Folgen für die Stadt zu erhalten.

+++

Der ursprüngliche Artikel vom 23. April

Rosenheim – „Die derzeitige Planung betrifft ungefähr 250 bis 300 Kathrein-Mitarbeiter in Rosenheim, was etwa 30 Prozent der Belegschaft von Kathrein Rosenheim entspricht“, bestätigt Ericsson auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. KMC ist die Mobilfunksparte von Kathrein, die das schwedische Unternehmen Ericsson im vergangenen Jahr aufgekauft hat. Die Firma hat ihren Standort an der Klepperstraße.

Mitarbeiter erfahren in Videoschalte von der Entwicklung

Die knapp 1000 Mitarbeiter am Standort Rosenheim waren am Dienstag – da sich ein Großteil der Belegschaft aufgrund der Corona-Krise im Homeoffice befindet – per Telefon-Videoschaltung über die „Anpassungsmaßnahmen“, wie die Umstrukturierung offiziell benannt wird, informiert worden. Dabei hatte die Firmenleitung die Pläne vorgestellt, wobei der Umfang der „Stellenanpassung“ zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht feststehe, wie es hieß.

Hintergrund der Stellenkürzungen sind nach Angaben des Unternehmens schlechte Quartalszahlen. Die geringe Produktion und der geringere Umsatz von KMC wirke sich „negativ auf die Margen des Bereichs Networks von Ericsson aus“, teilt Ericsson mit. Für das Gesamtjahr 2020 werde ein „negativer Beitrag“ erwartet.

Schwerer Schlag für traditionsreichen Antennen-Hersteller

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Umsatz zu steigern, will KMC seine Technologieplattformen erweitern. Außerdem soll „ein erfolgreiches Portfolio“ aufgebaut und Geld in die Forschung und Entwicklung gesteckt werden. Das Streben nach mehr Rentabilität und Kostenkontrolle sowie nach mehr Effizienz führt nun zum geplanten Abbau der Stellen.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Ein

erneut herber Schlag für das ehemalige Traditionsunternehmen Kathrein

, das einst als der älteste Antennenhersteller der Welt firmierte und auch als der älteste. Gegründet im Jahr 1919 von Anton Kathrein Senior, machte sich die Firma zunächst als Hersteller von Blitzschutzanlagen einen Namen. Erst später, als der Rundfunk aufkam, wandte man sich dem Antennenbau zu.

Februar 2019 kam der Verkauf an Ericsson

Mehrere Krisen konnte Kathrein erfolgreich meistern, ehe es in den Jahren 2018 und 2019 geteilt wurde. So verkaufte der Rosenheimer Kommunikationstechnik-Spezialist im Februar vergangenen Jahres das Antennen- und Filter-Geschäft an den schwedischen Konzern Ericsson. Rund 1000 Beschäftigte waren von dieser Maßnahme betroffen. Viele hatten Glück, konnten ihre Arbeitsverhältnisse bei Ericsson weiterführen.

Bereits mit eingebunden in die Umstrukturierungsdiskussion ist die IG Metall Rosenheim, vertreten durch den ersten Bevollmächtigten Jochen Hafner. „Wir sind noch nicht in Verhandlungen und Gesprächen, aber wir sind auf Informationsstand“, bestätigt er auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Und er stellt klar: „Wir werden auf alle Fälle versuchen, die Arbeitsplätze zu erhalten. Das Unternehmen ist gefleddert genug.“

Betriebsrat und Stadtverwaltung äußern sich bislang nicht

Ziel des IG-Metall-Vertreters ist es, über Verhandlungen möglichst Kündigungen zu vermeiden – „da trifft es immer die Falschen“ – und vielmehr auf Freiwilligenprogramme wie Altersteilzeitmodelle oder Vorruhestandsregelungen zu setzen. „Damit die älteren Mitarbeiter abgefedert in Rente gehen können“, unterstreicht Hafner.

Der Betriebsrat von Kathrein-Ericsson um den Vorsitzenden Markus Unterleitner und seinen Stellvertreter Mario Boddeutsch wollte sich gestern zu den Umstrukturierungsplänen noch nicht äußern. Die Stadt Rosenheim äußerte sich gestern nicht offiziell zu dem geplanten Stellenabbau. Es gebe „Abstimmungsprobleme“ teilte, die Pressestelle der Stadtverwaltung mit.

Mehr zum Thema

Kommentare