KOMMUNIONSTREIT

Ein katholischer Kompromiss

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Die Unterschrift des Papstes unter der Gesprächsnotiz von Kardinal Marx.

München/Berlin – Stundenlang wurde kontrovers diskutiert, doch ein endgültiges Ergebnis wurde im Streit der katholischen Bischöfe über eine gemeinsame Teilnahme konfessionsverschiedener Eheleute an der Kommunion nicht erreicht.

Wie berichtet, sollte im Ständigen Rat der Bischofskonferenz, der am Montag und Dienstag in Berlin getagt hatte, der Dissens um ein geplantes Dokument der Bischofskonferenz offen diskutiert werden.

Gestern nun wurde von der Bischofskonferenz eine Mitteilung veröffentlicht, nach der die Oberhirten weiter nach einer einheitliche Lösung suchen. Wörtlich heißt es: „Wir ringen um eine geistliche Hilfe für die Gewissensentscheidung in seelsorglich begleiteten Einzelfällen für konfessionsverbindende Ehepaare, die ein ernsthaftes geistliches Bedürfnis haben, die Eucharistie zu empfangen.“ Die geplante Handreichung, um die ein heftiger Streit entbrannt war und gegen die sieben deutsche Bischöfe den Vatikan um Klärung angerufen hatten, wird nun nicht als „Dokument der Bischofskonferenz“ erscheinen. Denn der Inhalt habe eine weltkirchliche Dimension. Stattdessen ist das 39-seitige Papier gestern als „Orientierungshilfe“ veröffentlicht worden – die in der Verantwortung der einzelnen Bischöfe liege. Immerhin haben sich die Bischöfe verständigt, dass sie sich verpflichtet fühlen, auf dem Weg zu einer „noch größeren Einheit der Christen...mutig voranzuschreiten“. Die Thematik, so heißt es, soll weiter vertieft werden – dazu bieten die Bischöfe dem Papst und der Kurie ihre Mitarbeit an. Bei der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz im September soll das Thema erneut aufgegriffen werden.

Einer der sieben Kontrahenten, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, hat bereits „nachgelegt“. Im Interview in der „Deutschen Tagespost“ betonte er, die Auseinandersetzungen hätten gezeigt, „dass es für die Einheit der Kirche und das kollegiale Miteinander auch der Bischöfe gut ist, wenn Minderheiten respektiert, Zuständigkeiten gewahrt und Dienstwege eingehalten werden“.

Kardinal Reinhard Marx hatte beim Ständigen Rat eine Gesprächsnotiz vorgelegt, die Papst Franziskus am 12. Juni abgezeichnet hatte. Darin wird u.a. festgehalten, dass der aufsehenerregende Brief der Glaubenskongregation vom 10. April (der bislang geheime Briefwechsel wird auf der Homepage der Bischofskonferenz übrigens veröffentlicht) nicht als Anweisung für das Handeln der Bischofskonferenz zu verstehen sei. Zudem heißt es darin, der Papst wolle nicht, dass die Handreichung als „Test der Bischofskonferenz“ erscheint – aber als Orientierungshilfe. Die vatikanischen Ämter würden „in der Sache“ weiterarbeiten. Und: Der von der Bischofskonferenz erarbeitete Text darf veröffentlicht werden.

In Deutschland droht nun ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen. „In der Mehrzahl werden wir die gute Regelung haben, dass Menschen im Einzelfall zugelassen werden“, so der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Aber nicht überall. Und fünf bayerische Bischöfe votierten gegen die Handreichung.  cm

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