Kampf den Saufwagen: Mühldorfer Faschingszug soll familienfreundlicher werden

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Die Konfetti-Kanone bleibt zu Hause, der Bauhof ist dabei: Seit vielen Jahren eröffnen die Mitarbeiter der Stadt den Faschingszug mit einem eigenen Wagen. Stets dabei das lange Rohr, aus dem es mit lautem Knall Konfetti regnet. So wie auf diesem Bild aus dem Jahr 2014. Heuer wird sich das ändern. Honervogt
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Die Inntalia und die Stadt Mühldorf will den Mühldorfer Faschingszug Schritt für Schritt familienfreundlicher machen. Künftig soll es weniger laut und betrunken zu gehen, ein Leichenzug soll es aber auch nicht werden.

Mühldorf – Der Mühldorfer Faschingszug soll familienfreundlicher werden. Das ist das erklärte Ziel der Inntalia und der Stadt, die den Zug am Faschingssonntag organisieren. „Wir haben einige Auflagen verschärft“, sagt Inntalia-Präsidentin Sandra Zellhuber.

Die Kritik am Mühldorfer Faschingszug war in den vergangenen Jahren stets die gleiche: zu laut, zu viele schnell zusammengezimmerte Saufwagen, zu viele betrunkene Teilnehmer. Zu wenig Spaß und Unterhaltung für Familien. „Wir hören uns nach Veranstaltungen immer um, und haben die Kritik aufgenommen“, sagt Abteilungsleiter Walter Gruber, der bei der Stadt für den Zug verantwortlich ist. Mit der Inntalia sei man sich schnell einig gewesen, bestätigt deren Präsidentin: „Wir wollen, dass es ein familienfreundlicher Faschingszug wird.“ Ein Weg, der aus ihrer Sicht am Anfang steht. „Das geht nicht in einem Jahr, sondern nur Schritt für Schritt.“ Das langfristige Ziel: „Wir wollen schauen, dass wir die sogenannten Saufwägen vom Fasching wegbringen.“ Denkbar ist auch ein Kinderland, das ab 2021 kommen könnte.

Inntalia lädt Vereine und Fußgruppen ein

Auf dem Weg zum familienfreundlichen Fasching geht es zunächst einmal den Wagen an den Kragen, die nach dem Faschingszug zum Markttreiben wieder auf den Stadtplatz fahren dürfen. Statt bisher 15 sollen es künftig nur noch zehn sein. Das, so Zellhuber, werden nicht wie früher die ersten 15 sein, die sich anmelden, sondern die, die Stadt und Inntalia aussuchen.

Die werden streng verpflichtet, ihren Stellplatz am Ende des Faschingstreibens wieder sauber zu machen. Sonst droht der Verlust der Kaution: „Verstöße sollen schon wehtun.“ 300 Euro müssen alle Wagenbetreiber als Sicherheit hinterlegen, die auf dem Stadtplatz bleiben dürfen, für die, die nur durchfahren sind es 200 Euro. Die Standgebühr beträgt 425 Euro. Die Kaution wurde laut Gruber deutlich erhöht.

Schnaps und Alkopops verboten

Verboten sind Schnaps oder Alkopops auf den Wagen, die Begleitpersonen müssen nüchtern sein, bei der Musikbeschallung darf ein „zumutbares Maß“ nicht überschritten werden. Außenlautsprecher sind tabu.

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Bei der Einhaltung dieser Vorschriften setzt die Stadt eher auf die Einsicht der Teilnehmer als auf Kontrollen zum Beispiel mit Lärmmessgeräten. „Wir appellieren an Vernunft und Verstand“, sagt Gruber.

Der Musiklärm von den Wagen hat unter anderem auch Blaskapellen vertrieben, die gegen den Krach nicht mehr anspielen konnten. Sie sollen genaus zurück gewonnen werden, wie andere Vereine. Deshalb wirbt die Inntalia zum Beispiel auch um Fußgruppen.

Es soll kein Leichenzug werden

Gruber weiß, dass die Regelungen einen Spagat darstellen, zwischen dem, was den Zug für Familien interessanter macht und drohender Langeweile. Deshalb verspricht er: „Es soll kein Leichenzug werden.“ Musik werde es weiter geben, auch Alkohol, aber alles in verträglichem Rahmen.

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Auf dem Weg zum familienfreundlichen Fasching stirbt schon heuer eine Gewohnheit: Traditionell eröffnet der Wagen des Bauhofs den Faschingszug. An Bord immer die große Konfettikanone. Die bleibe diesmal im Depot, der laute Knall erschrecke die Kinder, sagt Zellhuber. Auf den Bauhofwagen und Konfetti müssen die Besucher trotzdem nicht verzichten: Zellhuber: „Wir haben uns was anderes einfallen lassen.“

Einen Knall gibt es dann doch: Ein Böllerschuss vor dem Nagelschmiedturm gibt am Sonntag, 23. Februar, um 13.30 Uhr den Startschuss für den Zug.

Alle Infos auch unter https://inntalia-muehldorf.de/faschingszug/

Offene Kasse – Keine Bonpflicht

Beim Faschingszug muss niemand Kassenbons ausgeben, für Vereine gelte auch weiterhin die Regelung der offenen Kasse. Das erklärte Inntalia-Präsidentin Sandra Zellhuber auf Anfrage. Nach ihren Angaben dürfen Vereine auch künftig Geldtaschen oder andere Behältnisse verwenden, und sind nicht verpflichtet, automatisch Kassenbons zu generieren.

Darauf weisen zahlreiche Dachverbände von Vereinen hin. So schreibt beispielsweise der Deutsche Schützenbund auf seiner Internetseite: „Eine Registrierkassenpflicht wird es auch künftig nicht geben. Das erlaubt dem Verein durchaus nach wie vor die offene Ladenkasse zu führen. Das ist eine Barkasse, die ohne jede technische Unterstützung geführt wird.“

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Vom Geldsackerl bis zur Zigarrenkiste ist damit alles erlaubt. „Eine Belegausgabepflicht sieht der Gesetzgeber also nicht vor. Es wird aber ausdrücklich gesetzlich geregelt, dass jedem Kunden das Recht zusteht, einen Beleg zu fordern.“ Gibt es keine elektronische Kasse, kann die auf einem normalen Quittungsblock ausgestellt werden – falls ein Narr darauf besteht.

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