Käfighaltung am Pranger

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Die Hühnerhaltung ist in der Diskussion. Hier ein Betrieb, der Eier in Freilandhaltung produziert – die Hühner haben also auch Auslauf im Freien. Foto: Stratenschulte/dpa

Industriell anmutende Legehennen-Betriebe wie „Bayern-Ei“ soll es bald nicht mehr geben, fordert die Umweltministerin. Gegenwind kommt vom Bauernverband.

nach scharfs ankündigung

Industriell anmutende Legehennen-Betriebe wie „Bayern-Ei“ soll es bald nicht mehr geben, fordert die Umweltministerin. Gegenwind kommt vom Bauernverband.

von dirk walter

München – Wenn der Salmonellen-Skandal um die niederbayerische Firma „Bayern-Ei“ etwas Gutes hat, dann vielleicht dies: In die Diskussion um die Haltungsformen von Legehennen in Bayern kommt Bewegung. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) forderte gegenüber unserer Zeitung ein zügiges Ausstiegsszenario (wir berichteten). „Jetzt müssen auch die Haltungs- und Produktionsbedingungen diskutiert werden. Entwicklungen wie in manchen Großbetrieben sind nicht hinnehmbar.“ Die Käfighaltung von Hühnern müsse „endgültig“ beendet werden. Auch die Verbraucher wollten das.

Beim Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft, wo auch Bayern-Ei Mitglied ist, löst die Ankündigung Irritation aus. Die Legehennen-Haltung sei schon mehrmals verschärft worden, zuletzt durch das Verbot der Käfigbatterien 2009, sagt Geschäftsführer Bernd Adleff. Der Bayerische Bauernverband fordert gar „Übergangsfristen von 30 Jahren ab dem Zeitpunkt der Investition“. Ein sofortiges Verbot „ebenso wie zu kurze Übergangsfristen zum Beispiel bis 2023“ seien nicht machbar. Die Betriebe bräuchten „Rechts- und Planungssicherheit“, so eine Sprecherin.

Ganz anders die Landtags-SPD: Sie fordert Bayern auf, schärfer vorzugehen. Bundesweit müsse die Übergangsfrist auf 2020 verkürzt werden, sagt der Umweltpolitiker Florian von Brunn. Auch beim Mindestplatzbedarf der Henne, der Nestfläche und der Größe des Einstreubereichs müssten schärfere Bestimmungen her. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2010 sei die Legehennenhaltung derzeit gar nicht rechtssicher geregelt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) könne die Nutztier-Verordnung bundesweit einheitlich ändern.

In Deutschland gibt es nach Angaben der Geflügelwirtschaft 48 Millionen Legehennen, davon 18,5 Millionen in Niedersachsen, 3,9 Millionen in Bayern (davon eine Million allein in den drei Betrieben von Bayern-Ei). Es gibt neben den vielen Kleinbetrieben, die Freilandhaltung haben, zwei dominierende Haltungsformen, die Kleingruppen- und die Bodenhaltung.

-Kleingruppen: Deutschland hat geringfügig strengere Vorgaben, als sie EU-weit gelten. Die Fläche beträgt pro Tier 800, bei Hühnern über zwei Kilo 900 Quadratzentimeter – das entspricht einer Bodenfläche von umgerechnet 30 mal 30 Zentimetern. Die EU-Norm ist noch geringer: 750 cm². Auch die Höhe des Kleingruppenkäfigs ist genau definiert: 50 cm in Deutschland, 45 Zentimeter ist der EU-Standard.

-Bodenhaltung: Erlaubt sind hier neun Tiere je Quadratmeter, in Volieren mit mehreren Ebenen maximal 18 Tiere je Quadratmeter Bodenfläche. Der Tierschutzstandard ist hier höher, allerdings weist Verbandssprecher Adleff auf drei Nachteile der Bodenhaltung hin: Es gebe mehr Emissionen (Ammoniak und Staub), auch der Tierkannibalismus nehme zu und die Salmonellen-Belastung an der Eischale. Bei richtiger Küchenhygiene sei das aber kein Problem. „Eine salmonellenfreie Urproduktion ist ohnehin nicht möglich – weder beim Fleisch noch bei Eiern.“

Langfristig rechnet auch der Geflügelverband mit einem Aus der Käfighaltung – es gehe aber um Übergangsfristen und „Aufbrauchfristen“ für die Kleingruppenkäfige. Die Massenhaltung von Legehennen werde aber auch danach nicht verschwinden. Adleff: „Es ist auch möglich, 600 000 Tiere in Bodenhaltung mit Volieren zu halten. Man braucht nur mehr Platz.“

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