Jura-Professor macht Neonazi zum Doktor

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Jurist Weber bei einer AfD-Demo. Endstation rechts

Maik B. war Amtsrichter in Oberfranken, bis 2014 seine rechtsextreme Gesinnung aufflog. Nun nimmt die Geschichte eine neue Wendung: B. hat an der Uni Greifswald seinen Doktor gemacht – offenbar bei einem ebenfalls rechten Professor.

Brisante Promotion 

Maik B. war Amtsrichter in Oberfranken, bis 2014 seine rechtsextreme Gesinnung aufflog. Nun nimmt die Geschichte eine neue Wendung: B. hat an der Uni Greifswald seinen Doktor gemacht – offenbar bei einem ebenfalls rechten Professor.

von Marcus Mäckler

München/Greifswald – Ein Auszug genügt, um zu wissen, woran man ist: „Adolf Hitler, du machtest es uns vor. Adolf Hitler, Sieg Heil tönt es zu dir empor“, heißt es in einem Lied. An anderer Stelle: „Heilig sei allen Völkern Befehl, Atomraketen auf Israel“. Mit solchen Texten grölte sich die Band „Hassgesang“ einst durch die rechte Szene. Ihr damaliger Sänger: Dr. jur. Maik B., Rechtsanwalt.

Der Name ist bekannt: 2014 flog die rechte Gesinnung des 1984 Geborenen auf, nachdem er ein Jahr lang Richter auf Probe beim Amtsgericht Lichtenfels in Oberfranken war. Er ging – und begann, wie nun bekannt wurde, sein Doktorat an der Universität Greifswald. Betreuer war offenbar der Zivilrechtler Ralph Weber.

Das Detail ist brisant, denn Weber gilt selbst als Jurist mit rechten Tendenzen. In der Vergangenheit hielt er diverse Vorträge, in denen er die Notwendigkeit einer Partei rechts der CDU propagierte. 2008 trat er als Fürsprecher zweier NPD-Kandidaten auf, die von der Landtagswahl ausgeschlossen worden waren. Kurioserweise geht auch eine Kleidungs-Vorschrift an der Uni auf seine Kappe. Er hatte Shirts der Marke „Thor Steinar“ getragen, die unter Rechtsradikalen beliebt ist. Seitdem ist die Marke an der Uni verboten. Bei der Wahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern will Weber als Direktkandidat für die AfD antreten.

Weber äußert sich nicht zu seiner Verbindung mit Maik B. Der ist inzwischen als Anwalt in Cottbus tätig. Auf seiner Facebook-Seite präsentiert er stolz die unverfängliche Dissertation zu einem medizinrechtlichen Thema. Auch sonst gibt er sich seriös. Eine Ahnung von seinen Verbindungen in die rechte Szene bekommt man aber, wenn man sich durch die Liste derjenigen klickt, die B. als Anwalt empfehlen. Im Interview mit einem rechten Radiosender sagte er 2009, ein Neonazi müsse sich äußerlich anpassen

Sein Engagement als Zivilrichter war eine peinliche Sache für die bayerischen Behörden. Zwar informierte der brandenburgische Verfassungsschutz die bayerischen Kollegen, dass B. in den Freistaat gezogen war und betonte, dass er ein bekannter Neonazi sei. Trotzdem konnte er ein Jahr lang ungehindert Urteile sprechen. Seine Gesinnung fiel nur durch einen Zufall auf.

Diesmal fällt das schlechte Licht auf die Uni Greifswald. Die Hochschulleitung erklärte schriftlich, sie sei „entsetzt“, dass unlängst eine Person promoviert wurde, „der laut Medienberichten rechtsextreme Äußerungen zugeschrieben werden, die im Jahr 2004 zu einer Verurteilung wegen Volksverhetzung geführt haben sollen“. „Spiegel online“ hatte 2014 über eine Verurteilung B.s wegen Volksverhetzung berichtet. Eine Aberkennung der Promotion kommt laut Uni-Leitung aber nur bei einer „wissenschaftsbezogenen Verfehlung“ in frage. Deshalb sehe man „keine Möglichkeit, die Verleihung des Doktorgrades zu verhindern“.

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