„In jedem Mann steckt ein Cowboy“

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Bayerns Vorzeige-Cowboy: Fred Rai spielt bei den diesjährigen Karl-May-Festspielen in Dasing den Schurken – er sitzt wie immer auf seinem Pferd „Spitzbub“. FOTO: FKN

Fred Rai reitet als Schurke in die neunte Saison der Karl-May-Festspiele – und mit ein wenig Lampenfieber

Dasing – Fred Rai ist 71, Westernsänger – und ab diesem Samstag Schurke. Bayerns Vorzeige-Cowboy spielt dieses Jahr bei den Karl-May-Festspielen in Dasing einen skrupellosen Bergwerksbesitzer. Es ist die neunte Saison für ihn und sein Pferd Spitzbub. Die Faszination für Karl May und dessen Geschichten – sie hält ein Leben lang.

-Wann hat Karl May Sie in seinen Bann gezogen?

Ich war sechs Jahre alt, als ich sein erstes Buch gelesen habe: „Der Schatz im Silbersee“. Wir waren zu Hause fünf Buben, dieses Buch ging durch alle Hände.

-Aber nicht nur kleine Buben sind fasziniert von Cowboys und Indianern. Woran liegt das?

Ich glaube, in jedem Mann steckt ein Cowboy. Denn Cowboys sind geradlinige Männer, die im Einklang mit der Natur leben. Das beeindruckt doch jeden.

-Also sind die Karl-May-Abenteuer zeitlos?

Ich würde sagen, sie sind sogar aktueller denn je. Er hat in jeder seiner Geschichten Werte vermittelt. Es steckt so viel in seinen Büchern, zum Beispiel die Weisheiten der Indianer, wie man mit Natur, Umwelt und Tieren umgehen sollte. Diese Werte gehen leider immer mehr verloren.

-Sind es nicht vor allem die bösen Schurken und die wilden Verfolgungsjagden, die so viele Westernfans nach Dasing locken?

Natürlich wird ordentlich die Post abgehen, das kann ich schon verraten. Aber die Botschaft von Karl May ist immer, dass am Ende das Gute siegt. Es geht in seinen Geschichten um Ehrlichkeit, Vertrauen, Verlässlichkeit – Werte, die wichtig sind, damit eine Gemeinschaft funktioniert. Das wollen wir vermitteln.

-Diese Saison wird in der Westernstadt in Dasing ein Erbschaftsstreit ausgetragen. Sie spielen den skrupellosen Schurken. Was reizt Sie an der Rolle?

Jeder hat doch ein bisschen Böses in sich, es macht Spaß, das einmal hemmungslos rauslassen zu dürfen.

-Sie konnten sogar Angela Fürstin Fugger für eine Rolle gewinnen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir haben uns 1977 in Augsburg kennengelernt. Unsere Liebe zu Pferden verbindet uns. Sie hat schon öfters mitgespielt, aber letztes Jahr eine Karl-May-Pause eingelegt. Dieses Jahr habe ich ihr eine Rolle als Fürstin und mein bestes Pferd versprochen – und sie hat wieder zugesagt.

-Haben denn auch Cowboys Lampenfieber?

Es gibt wohl keinen Schauspieler, der sein Lampenfieber irgendwann verliert. Es stehen 36 Auftritte an – und ich bin sicher, dass es weder Langeweile noch Routine geben wird. Es ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung, die Zuschauer zu faszinieren.

-Können Sie sich vorstellen, sich eines Tages aus dem Wilden Westen zurückzuziehen?

Ich hatte das Glück, meine Berufung zum Beruf machen zu können. Ich liebe Pferde und das Singen. Wenn man etwas tun kann, dass einen erfüllt, kann man von einem schönen Leben sprechen. Damit kann und will ich nicht aufhören.

Interview: Katrin Woitsch

Die Premiere

von „Halbblut“ findet an diesem Samstag um 18 Uhr in der Westernstadt in Dasing statt. Anschließend wird bis 15. September immer samstags um 16 und 20 Uhr sowie sonn- und feiertags um 17 Uhr gespielt.

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