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PARITÄTISCHER WOHLFAHRTSVERBAND FORDERT AUSBAU DER HILFSANGEBOTE – SOZIALMINISTERIUM WILL REAGIEREN

Jede vierte Frau in Bayern Opfer von Gewalt

München – Acht Frauen und 13 Kinder leben im Frauenhaus in Wolfratshausen.

Um sie alle kümmert sich eine Frau: Michaela Raphelt. „Ich verwalte nur den Notstand“, sagt Raphelt. Es fehle an allen Ecken, um auf die Bedürfnisse der Frauen und ihrer Kinder einzugehen, die häusliche Gewalt erlebt haben.

Dass die Situation in Wolf–ratshausen kein Einzelfall ist, macht Margit Berndl vom Paritätischen Verband anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am heutigen Samstag deutlich. „Gewalt gegen Frauen kommt in allen sozialen Schichten vor“, sagt Berndl. Daher arbeitet der Verband derzeit am bayernweiten Ausbau des Hilfesystems.

Die Zahlen zeigen, wie nötig es ist, die Kapazitäten der vom Freistaat geförderten 38 Frauenhäuser, 32 Beratungsstellen und 24 Interventionsstellen zu erweitern: Dunkelfeldforscher gehen davon aus, dass jede vierte bis fünfte Frau in Bayern körperliche oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft erlebt. Demnach wird in Deutschland sogar täglich eine Frau Opfer eines Tötungsdelikts. Doch selbst in akuten Fällen finden jährlich bis zu 2500 Frauen keinen Schutz – denn die Einrichtungen sind heillos überlastet.

Daher fordert der Paritätische Verband neben dem Ausbau der Frauenhäuser mehr Personal. „Der Personalschlüssel in Beratungsstellen liegt im Schnitt bei 1,3“, sagt Antje Krüger, die Frauenreferentin des Verbands. „Er muss mindestens verdoppelt, besser verdreifacht werden.“ Außerdem solle es – vor allem auf dem Land – flexiblere Beratungsmöglichkeiten und Hilfsangebote für Täter geben. Bislang ebenfalls zu kurz gekommen seien Angebote für Frauen, die nicht nur unter häuslicher Gewalt leiden, sondern auch Behinderungen, psychische Krankheiten oder Suchtprobleme haben. „Hinzu kommt, dass die Bedürfnisse der Kinder, die Gewalt gegen ihre Mutter erlebt haben, viel zu wenig beachtet wurden“, betont Krüger. Den „zügigen, flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau“ des Hilfesystems fordert auch Elfriede Schießleder vom Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes.

Um allen Forderungen gerecht zu werden, erarbeitet die Staatsregierung mit dem Paritätischen Verband derzeit ein Gesamtkonzept. Im Frühjahr soll das Kabinett darüber diskutieren und die Mittel im Haushalt bereitstellen. Die Finanzierung ist der Knackpunkt: Momentan sind die Einrichtungen auf Spenden und Eigenbeteiligung der Träger angewiesen, die Gelder des Freistaats reichen nicht.

Sozialministerin Emilia Müller (CSU) versprach gestern eine zusätzliche Förderung in Höhe von einer Million Euro. Zu wenig, wenn es nach der Landtags-SPD geht. Sie fordert doppelt so viel Fördergeld. Verena Osgyan, die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, betonte: „Wir müssen diesem gesamtgesellschaftlichen Problem mit politischen Maßnahmen entgegentreten und tragfähige Strukturen schaffen.“ Magdalena Höcherl

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