Jäger sorgen sich um ihr Image

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Die Vorschriften bei der Jagd sind streng. Der Bayerische Jagdverband hat die Sicherheitsstandards verbessert. dpa

Nach Jagdunfall in Nittenau . Von Katrin Woitsch.

München – Ein 47-jähriger Mann sitzt auf dem Beifahrersitz eines Autos. Plötzlich trifft ihn eine Kugel – er stirbt. Das Projektil stammt aus einem Jagdgewehr. In der Nähe der Straße in Nittenau (Kreis Regensburg) fand Anfang August eine Erntejagd statt. Seitdem ermittelt die Polizei.

Jürgen Vocke, der Präsident des Bayerischen Jagdverbandes, ist gerade im Urlaub, als ihn die Nachricht von dem tödlichen Schuss erreicht. Er ist betroffen, verspricht die Unterstützung des Jagdverbandes bei der Aufklärung. Vocke betont aber auch, dass es selbst bei größter Sorgfalt bei Jagden zu Unfällen kommen kann. Unfälle mit tödlichem Ausgang seien sehr selten. „Besonders erschreckend ist es aber, wenn völlig Unbeteiligte verletzt werden.“

In den vergangenen Jahrzehnten habe der BJV die Sicherheitsstandards der Jagd kontinuierlich verbessert, betont Sprecherin Gertrud Helm. „Keine Jagd findet mehr ohne leuchtende Signalkleidung der Jäger statt.“ Außerdem gebe es mehr Schießtraining und Schulungen.

Der Unfall in Nittenau passierte bei einer Erntejagd – eine spezielle und laut Helm sehr schwierige Form der Jagd. Wild wird dabei während der Erntearbeiten aus den Feldern gejagt. Die Jäger positionieren sich rund herum und mit dem Rücken zum Feld, sodass sie in Schussrichtung zu den flüchtenden Tieren – meist Wildschweinen – stehen, die von Hunden und Treibern aus dem Feld gejagt werden. „Geschossen wird nur auf kurze Distanzen und aus einem erhöhten Stand“, erklärt Helm. „Und nur auf Tiere, die man sicher trifft.“ An Erntejagden nehmen nur erfahrene Jäger teil, betont sie. Die Verantwortung hat immer der Jagdleiter. Er ist im Falle eines Unfalls mitverantwortlich. Im Vorfeld gebe es viele Absprachen – nicht nur mit den Landwirten, sondern auch mit angrenzenden Einrichtungen wie Reiterhöfen oder Golfclubs. Zudem werden Schilder angebracht.

Einige Jäger vermeiden Erntejagden ganz, berichtet Helm. Aber es gebe auch viele Landwirte, die deswegen Druck machen. „Auch aus Angst vor der Afrikanischen Schweinepest.“

Im gesamten Bundesgebiet kam es im vergangenen Jahr zu fünf oder sechs tödlichen Jagdunfällen, sagt Helm. „Das sind wirklich Einzelfälle.“ Bei den meisten Unfällen sind die Verletzten die Jäger selbst. Zum Beispiel durch einen Sturz vom Hochsitz. Dennoch macht sich der Jagdverband Sorgen, dass das Image der Jäger unter dem aktuellen Fall aus Nittenau leiden könnte.

Das Landeskriminalamt versucht derzeit zu klären, ob das Projektil, das den 47-Jährigen traf, aus einer der sichergestellten Waffen kommt, welcher Jäger wo stand und ob alle Vorschriften eingehalten wurden. Der Schütze muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

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