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Aschermittwoch

Ist Verzichten noch im Trend? - Wie Corona unsere Fastenzeit verändert hat

Verzicht statt Genuss: Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit - mit Schokolade, Schnaps und Zigaretten ist für viele vorerst Schluss.
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Verzicht statt Genuss: Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit - mit Schokolade, Schnaps und Zigaretten ist für viele vorerst Schluss.
  • Stephanie Ebner
    VonStephanie Ebner
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Vor Corona erfreute sich das Fasten einer regelrechten Renaissance. Im Jahr 2022 aber schaut vieles anders aus.

Einer Forsa-Umfrage von 2017 zufolge war die Zahl der Fasten-Fans in den Jahren davor um 15 Prozent auf 59 Prozent gestiegen. Neben Klassikern wie dem Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch und Tabak rückte auch die private Internetnutzung immer mehr in den Fokus. Damals wollte jeder Vierte in der Fastenzeit ganz oder teilweise auf Handy, Computer oder die Playstation verzichten.

Verzicht wirkt 2022 fast sarkastisch

Corona hat auch in diesem Bereich viel verändert: Seit zwei Jahren prägen Einschränkungen den Alltag. Der traditionelle Verzicht in der Fastenzeit wirkt daher für manchen beinahe sarkastisch. Viele haben außerdem den Beginn des Jahres bereits genutzt, um sich in Verzicht zu üben: Modernes Fasten heißt ab dem Jahreswechsel für einen Monat keine tierischen Produkte in den Speiseplan aufzunehmen und sich rein pflanzlich zu ernähren. Das Stichwort lautet Veganuary. Auch der „Dry January“, zu Deutsch „Trockener Januar“ ist für viele ein Vorsatz – ein Monat lang kein Alkohol. Ursprünglich stammt der Trend aus Großbritannien. Ziel ist es, das Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen eines hohen Alkoholkonsums zu schärfen.

Was steckt hinter der Fastenzeit?

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet zu Ostern. Sie soll eine Vorbereitung auf die Auferstehung Jesu sein. In der Bibel ist von einer 40-tägigen Gebets- und Fastenzeit Jesu die Rede. Jesus verbrachte nach seiner Taufe im Jordan 40 Tage und Nächte in der Wüste und fastete. Dass man kein Fleisch zu sich nimmt, soll an den Tod Jesu erinnern.

Fasten – nicht zu verwechseln mit Diät oder Schlankhungern – versteht sich als religiös begründete freiwillige Nahrungsenthaltung in Bußzeiten. Traditionell sollen Katholiken in der Fastenzeit an Aschermittwoch sowie an allen Freitagen kein Fleisch essen. Zudem ist an Aschermittwoch und Karfreitag nur eine Hauptmahlzeit erlaubt. Wichtig ist laut katholischer Kirche ein spürbarer Verzicht.

So streng war Fasten im Mittelalter

Im Mittelalter ging es an den damals 150 Fastentagen besonders streng zu: Den Gläubigen war nur eine einzige Mahlzeit am Tag erlaubt. Die durfte weder aus Fleisch, Milchprodukten oder Eiern bestehen. Auch der Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden. Lediglich Mehl, Wasser und Gemüse durften die Menschen bei der Zubereitung der Mahlzeiten verwenden, was sogar die Polizei regelmäßig kontrollierte.

1491 erlaubt Papst Innozenz VIII. schließlich den Verzehr von Milch, Milchprodukten und Eiern in der Fastenzeit. Fleisch blieb dagegen stets verboten – die Geburtsstunde der bayerischen Mehlspeisenküche.

Schon im Mittelalter gab es Versuche, die strengen Fastenvorschriften zu umgehen. Weil Fisch „erlaubt“ war, gab es in Klöstern etwa ein saftiges Bibersteak zu essen. Mit der Begründung: Der Biber ernähre sich doch weitestgehend von Fisch und halte sich auch oft im Wasser auf. Auch das Fastenbier verdankt seinen Ursprung der Fastenzeit. „Trinken bricht das Fasten nicht“, hieß eine klösterliche Regel. In der Fastenzeit tranken die Mönche deshalb oft täglich mehrere Krüge eines speziell gebrauten nahrhaften Fastenbieres.

Trinkschokolade als Fastengetränk

Schokolade war damals mit päpstlichem Segen von Pius V. allerdings erlaubt. Vorausgesetzt, man nehme die Schokolade als flüssiges Getränk zu sich. Kirchenhistoriker Manfred Heim von der Ludwig-MaximiliansUniversität erklärt, wie es dazu kam. Dem Kirchenoberhaupt hatte man ein bitteres Kakao-Getränk vorgesetzt – ohne es vorher mit Zucker, Zimt oder Kardamom schmackhaft zu machen. „Scheußliches Gesöff“, soll der Papst deshalb geurteilt und entschieden haben, dass Schokolade das Fastengebot nicht breche.

Was ist „Klimafasten“?

Auch die Kirche selbst fastet in der Zeit vor Ostern: Sie verzichtet auf Blumen und Kirchenschmuck und verhüllt die Altäre mit Tüchern. Diese violetten Tücher gelten als Symbol des Verzichts und des Fastens. So streng wie einst sieht die katholische Kirche die Fastenzeit heutzutage nicht mehr. In der modernen Fastenzeit soll vielmehr die Routine des Alltags hinterfragt werden. Seit einigen Jahren rufen Kirchen beider Konfessionen die Menschen in Deutschland zum „Klimafasten“ auf. „So viel du brauchst“ heißt die Aktion, die dazu anregen will, den eigenen Alltag auf Klimagerechtigkeit zu überdenken.

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