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Israel-Hasser eingeladen

Junger Rapper für „Corso Leopold“ gebucht – Veranstalter ahnungslos. Ein junger Münchner Rapper, der zum Krieg gegen Israel aufruft, steht am Wochenende auf dem Programm des „Corso Leopold“.

Ausgerechnet auf der Bühne des Integrationsprprojekts „Bunt kickt gut“. Die Organisatoren hatten davon keine Ahnung.

300 000 Gäste erwarten die Organisatoren des Festivals Streetlife / Corso Leopold am Wochenende – zu Kunst-, Sport- und Diskussionsveranstaltungen, zu Gastronomie und Musik auf der Ludwigs- und Leopoldstraße. Ob der Rapper Ben Bilâl, der für Samstag, 18 Uhr, auf dem Programm steht, auch bei dieser Gelegenheit zum Krieg gegen Israel aufrufen wird, ist nicht gewiss. Oder ob er „Israel stirb!“ rufen wird, wie er auf seiner Facebook-Seite schreibt. Auf Anfrage unserer Zeitung wird allerdings klar, dass sich die Organisatoren den Musiker gar nicht angeschaut haben.

Im Internet ist wenig zu erfahren über den jungen Mann mit Bart, der offenbar aus dem Münchner Süden kommt. Im Netzwerk Facebook lässt er allerdings seiner Meinung öffentlich freien Lauf. Am 22. Juli hat Bilâl ein Foto geteilt, auf dem sich ein Mann mit der israelischen Flagge den Hintern abwischt. Bereits am 10. Juli schrieb er an seine Pinnwand: „Es muss erst Krieg geben, bevor es Frieden geben kann. Machen wir uns nichts vor. Wir müssen endlich ihre Sprache sprechen und das ist die Sprache der Gewalt.“ Er schließt mit: „Israel stirb!“

„Zeitalter der Täuschung“ heißt Ben Bilâls aktueller Song. Auf dem Portal „Youtube“ ist das dazugehörige Video veröffentlicht, in dem Krieg und Elend als Folge einer Weltverschwörung dargestellt werden, bei der „Zionisten im Hintergrund die Fäden ziehen“. Bilâl, der sich als „die gerechte Strafe Gottes“ bezeichnet, singt: „Ich bin bereit dafür zu kämpfen, was uns zusteht, bis ans Ende, bis an meinen Händen Euer Blut klebt.“ Er hebt den rechten Zeigefinger und ruft „Kopf hoch, denn Gott ist groß“ – eine Geste, die aus Bekennervideos von Dschihadisten bekannt ist.

Polizei-Sprecher Wolfgang Wenger bestätigt, dass Ende Juni ein polizeilicher Einsatz bei Ben Bilâl stattgefunden habe – eine sogenannte „Gefährder-Ansprache“ durch die zuständigen Beamten, denen die Internet-Beiträge aufgefallen waren. „Zwar war nichts davon strafrechtlich relevant, wir wollen aber zeigen, dass wir wachsam sind – er war auch ziemlich baff.“ Allerdings fanden die Beamten keinerlei Anzeichen dafür, dass der Künstler eine Gefahr darstellt.

Gebucht hat den Musiker das vom Sozialreferat der Stadt geförderte Projekt „Bunt kickt gut“, das sich für die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einsetzt. Auf der „Bunt kickt gut“-Bühne können sie sich präsentieren. „Wir sagen ihnen aber eindringlich, dass gewaltverherrlichende Inhalte nicht zulässig sind“, betont Gerda Kindelán, die für das Bühnenprogramm verantwortlich ist. Sie zeigt sich entsetzt – denn sie kannte Bilâl gar nicht. Normalerweise schaue sie sich alle gebuchten Künstler an, betont sie. „Mancher kommt sogar mit seinen Texten zu uns und fragt: Kann ich das machen?“ Ben Bilâl sei jedoch über Streetworker aus Neuperlach empfohlen worden. „Mit den Empfehlungen haben wir bislang nur gute Erfahrungen gemacht.“

„Bunt kickt gut“ hat inzwischen mit dem jungen Türken Kontakt aufgenommen und lässt sich dessen Texte schicken. „Wir prüfen sie und werden uns diesen Freitag entscheiden“, sagt Kindelán. Der Rapper hat eine überschaubare Zahl von Fans, nur gut 200 Freunde auf Facebook. Doch „Bunt kickt gut“-Chef Rüdiger Heid weiß auch, dass seine Bühne in direkter Nachbarschaft zum Stand der Initiative Stolpersteine steht, die an die mehrheitlich jüdischen Opfer der Nazi-Diktatur erinnert. Heid stellt klar: „Ben Bilâls Inhalte sind nicht unsere Message.“ Johannes löhr

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