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Kontroverse Diskussion entfacht

„Islamischer Unterricht“: Neues Fach in Bayern - von „Meilenstein“ bis „keine Religion des Friedens“

Frankfurt/Main: Auf einer Tafel wird durch einen roten Pfeil angezeigt, dass in der nächsten Stunde bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht gehalten wird. An rund 350 Schulen in Bayern wird es vom kommenden Schuljahr an ein Wahlpflichtfach „Islamischer Unterricht“ geben.
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Frankfurt/Main: Auf einer Tafel wird durch einen roten Pfeil angezeigt, dass in der nächsten Stunde bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht gehalten wird. An rund 350 Schulen in Bayern wird es vom kommenden Schuljahr an ein Wahlpflichtfach „Islamischer Unterricht“ geben.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Religion, Ethik - und jetzt auch Islamunterricht: In Bayern gibt es bald ein neues Schulfach, wenn auch nicht überall und flächendeckend. Dennoch sorgt die Einführung des neuen Wahlpflichtfaches „islamischer Unterricht“ für kontroverse Diskussionen.

An mehr als 350 Schulen in Bayern wird es vom kommenden Schuljahr an ein Wahlpflichtfach „Islamischer Unterricht“ geben. Das Kabinett beschloss am Dienstag die Überführung des bisherigen landesweiten Modellversuchs in ein reguläres Schulfach. Dieses soll für Schüler insbesondere muslimischen Glaubens künftig statt Religionslehre und neben Ethik wählbar sein.

In deutscher Sprache über islamische Religion und Werteordnung

Es handelt sich um ein staatliches Angebot, bei dem staatliche Lehrkräfte in deutscher Sprache Wissen über die islamische Religion sowie eine grundlegende Werteorientierung „im Geiste der Werteordnung des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung“ vermitteln sollen.

Der Kabinettsbeschluss war schon seit einigen Monaten erwartet worden, da der Start des Wahlpflichtfachs zum Start des nächsten Schuljahres im Herbst erfolgen soll. Vorher muss nun noch der Landtag zustimmen, zudem müssen die weiteren Lehrpläne entwickelt werden. In dem Fach werden künftig auch ganz reguläre Schulaufgaben geschrieben.

Piazolo: „Der Name ist Marke“

Der Name „Islamischer Unterricht“ wird dabei nun weitergeführt. „Der Name bleibt, der Name ist Marke“, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) nach der Kabinettssitzung in München. Nach dem erfolgreichen Modellversuch sei die Überführung zum Wahlpflichtfach „ein Zeichen auch in die muslimische Gemeinschaft in Bayern hinein, das deutlich macht, wie wichtig uns Integration ist und dass wir auch alles tun, diese Integration zu stärken“, betonte er.

Das neue Fach hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Anfangs gab es etwa eine „Islamische Unterweisung“ in türkischer Sprache, später erfolgte das Angebot dann auf Deutsch. Ein Modellversuch „Islamischer Unterricht“ lief seit 2009 und wurde immer weiter ausgedehnt. Zuletzt gab es den Modellversuch laut Ministerium an 364 Schulen, vor allem an den Grund- und Mittelschulen und insbesondere in Ballungsgebieten.

So viele Standorte sollen es auch zum Start als Wahlpflichtfach in diesem Herbst sein. Die im bisherigen Modellversuch eingesetzten rund 100 Lehrkräfte sollen dabei weiterbeschäftigt werden können - und laut Piazolo nun unbefristete Verträge bekommen.

Das Angebot solle zudem „bedarfsgerecht“ ausgebaut werden, kündigte Piazolo an. Wann und an wie vielen Schulen es das Fach in den kommenden Jahren letztlich geben wird, ist also derzeit noch offen.

163 000 Schüler mit islamischer Religionszugehörigkeit

Insgesamt gibt es an den allgemeinbildenden und den beruflichen Schulen in Bayern laut Kultusministerium rund 163 000 Schüler mit islamischer Religionszugehörigkeit. 16 000 nahmen demnach zuletzt an den Modellversuchen an den 364 Schulen teil.

Die bayerische Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer (CSU) nannte die Entscheidung für ein Wahlpflichtfach einen wichtigen Baustein der Integration und des friedlichen Miteinanders. Eine Alternative zur Religionslehre und über den Ethikunterricht hinaus zu haben sei ein ganz wichtiges Signal an die muslimische Bevölkerung.

Der Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle (CSU), der den breiten Modellversuch 2009 als Kultusminister gestartet hatte, lobte, der Kabinettsbeschluss biete neue Chancen zur Integration muslimischer Kinder. „Er ist ein Meilenstein für Integration, Erziehung zu Toleranz und zur Bekämpfung von Antisemitismus“, erklärte Spaenle.

Den Grünen zu schwach, der AfD zu stark

Die Grünen hingegen stimmten gegen die Pläne - ihnen gehen der Gesetzentwurf und das neue Wahlpflichtfach nicht weit genug. „Wir wünschen uns kein zweites Ethikfach mit besonderer Erwähnung des Islam, sondern konfessionsgebundenen Unterricht“, so Gabriele Triebel von den Grünen. Auch Vertreter muslimischer Verbände sehen dies ähnlich. Sie sehen keine Gleichberechtigung mit den christlichen Kirchen. Man erkenne keinen politischen Willen, weil der Unterricht ohne sie erstellt wurde. „Wir wollen bei der Benennung von Lehrern mitreden oder wenn es um Weiterentwicklung von Inhalten geht“, erklärte Mehmet Sapmaz vom Beirat des Departments für Islamisch-Religiöse Studien an der Uni Erlangen.

Auch die AfD votierte mit Nein, doch aus einem anderen Grund. Sie lehnt einen Religionsunterricht für Muslime generell ab. Die AfD hatte die endgültige Verabschiedung zuletzt nochmals um zwei Wochen verzögert und kündigte bereits an, vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen. Es sei „naiv zu glauben, dass der Islam eine Religion des Friedens und der Toleranz sei“, begründete AfD-Mann Markus Bayerbach. Er warnte vor dem nicht kontrollierbaren Einfluss radikaler Kräfte. Auch andere Kritiker hatten zuletzt bereits eine Verfassungsklage gegen die Gesetzesänderung angekündigt.

mz/dpa

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