Isegrim in Bayern?

Isegrim in Bayern? Mir standen die Federn zu Berge.

Der Kauz Ulrich hatte mir nicht nur erklärt, dass Isegrim ein Spitzname für den Wolf ist – so wie Reineke für einen Fuchs. Er kauzte auch davon, dass einer vielleicht durch die hiesigen Wälder streift – und zwar im Inntal in der Nähe von Rosenheim. Das vermuten die Menschen, weil sie eine tote Hirschkuh gefunden haben. Es gibt Hinweise, dass sie ein Opfer von Isegrim war. Mich schauderte. Denn in meiner Kükenzeit erzählte man sich grausige Geschichten. Ulrich winkte mit dem Flügel ab. „Alles nur Märchen“, krächzte er. Mit ein paar Wölfen im Wald würden die Tiere hier schon klar kommen. „Jedes Küken weiß doch, dass die üble Menschenfresser sind!“, quakte ich. „Vielleicht, wenn du Rotkäppchen heißt“, kauzte Ulrich lachend. In Wahrheit seien die Wölfe echte Hasenfüße. Wenn ihnen nur der Duft eines Menschen in die Nase steigt, seien sie verschwunden. Die Menschen hatten es früher auf Isegrim abgesehen. Seitdem sie Gewehre hatten, waren seine Zähne gegen sie machtlos. „Da half nur die Flucht“, krächzte der Kauz. Dennoch gab es lange keine Wölfe mehr in Deutschland – bis vor fast 20 Jahren die ersten Einwanderer kamen. Seither leben im Norden wieder einige Wölfe. Und falls die Hirschkuh doch Opfer eines Hundes war, wird Isegrim sicher früher oder später auch nach Bayern kommen. Eure Paula

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