„Irgendwann hört Corona auf“: Drei Waldkraiburger Wirte trotzen Krise und machen Lokale auf

„So ein Objekt war mein Traum“, sagt Zoran Katava (rechts), der mit Eigentümer Joe Riedl einen Pachtvertrag über zehn Jahre für das „Chablis“ in Waldkraiburg geschlossen hat, das er mitten in der Coroma-Krise wieder auf Erfolgskurs bringen will.
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„So ein Objekt war mein Traum“, sagt Zoran Katava (rechts), der mit Eigentümer Joe Riedl einen Pachtvertrag über zehn Jahre für das „Chablis“ in Waldkraiburg geschlossen hat, das er mitten in der Coroma-Krise wieder auf Erfolgskurs bringen will.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Nur wenige Branchen sind vom Coronavirus so stark gebeutelt wie die Gastronomie. Auch nach dem Lockdown mag keine Aufbruchsstimmung einkehren. Einige Lokale machen schon wieder zu, weil‘s trotz Lockerungen nicht gut läuft. Drei Wirte in Waldkraiburg und Aschau machen es genau andersrum.

  • Neues Leben kehrt in eine traditionsreiche Gastronomie in Aschau am Inn ein.
  • Auch das ehemalige „Chablis“ und das „Brosch" in Waldkraiburg öffnen wieder.
  • Erfahrene Gastonomen machen sich ans Werk.

Waldkraiburg/Aschau – Sie trotzen Corona und erwecken Lokale, die ein ganzes Jahres geschlossen waren, mitten in der Krise wieder zum Leben: drei Wirte, die in Waldkraiburg und Aschau Lokale aufmachen, die schon vor einem Jahr, lange vor Corona dicht gemacht hatten. „Irgendwann hört Corona auch wieder auf“, sagt Zoran Katava, „einer dieser „positiv Verrückten“, wie Joe Riedl, der Eigentümer des einstigen Kultlokals „Chablis“, meint. Sie haben sich grade auf einen Pachtvertrag mit zehn Jahren Laufzeit geeinigt.

Ein Jahr lang stand auch die griechische Taverne im Aschauer Ortsteil Thann leer. Nicht nur die Aschauer schätzten das Speiselokal Jahrzehnte lang als Treffpunkt. Sie müssen nicht mehr lange auf die Wiedereröffnung warten. Spätestens Ende der nächsten Woche soll es so weit sein.

„Der erste Grieche“ in Ottobrunn

Eigentümer Wolfgang Schäftlmaier freut sich darüber, dass wieder Leben in der Gastronomie auf dem Anwesen einkehrt, auf dem der Unternehmer geboren wurde. Schäftlmaier ist überzeugt, in Sakis und Gabriela Goltsios sehr gute Partner gefunden zu haben. Seit 35 Jahren ist der Grieche in der Gastronomie tätig, seit 20 Jahren seine Frau.

Viel Erfahrung von Lokalen im Raum München bringen Sakis und Gabriela Goltsios mit, die „den Griechen“ in Thann unter dem neuem Namen „Mythos“ wieder zu einem beliebten Speiselokal machen wollen.

Unter anderem führte er einige Jahre eine Kantine bei BMW, musste täglich 700 bis 800 Essen vorbereiten. „Und in Ottobrunn waren wir der erste Grieche“, sagt der Wirt, der dort das Tennisstüberl gepachtet hatte, das er jetzt aufgegeben hat.

Wegen Corona noch eine Terrasse gebaut

Nun übernimmt das Paar, das seit einigen Jahren in Waldkraiburg wohnt, erstmals außerhalb des Ballungsraums München eine Wirtschaft. Gabriela Goltsios hatte sich ein bisschen in das Lokal in Thann verliebt. Räume und Gestaltung haben ihr gut gefallen.

Schon vor Corona sind sie sich mit Wolfgang Schäftlmaier einig geworden. Und jetzt wollen sie trotz Corona aus „dem Griechen“ in Thann wieder ein angesagtes Speiselokal machen. „Es kann nicht sein, dass alles stehen bleibt“, sagt Gabriela Goltsios.

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Im Lokal, das künftig den Namen „Mythos“ trägt, hat sich eine Menge verändert. Die neue und größere Küche ist Sache des Eigentümers, die Pächter haben für neues Mobiliar und neue Deko gesorgt. Und die Wirtschaft für die Corona-Zeit fit gemacht. Weil auf der Terrasse im Garten die 42 genehmigten Plätze auf zwölf zusammengeschmolzen sind, haben sie im Innenhof zusätzlich 30 Plätze geschaffen. Dazu kommen etwa 75 bis 90 im Lokal.

Aus dem „Brosch“ wird das „Avocado“

Wieder in die Erfolgsspur wollen zwei einstige Waldkraiburger Kultlokale, die im vergangenen Sommer innerhalb von wenigen Wochen dicht machten: das „Chablis“ in der Ludwig-Ganghofer-Straße und am Stadtplatz das ehemalige „Brosch“, das die Familie Yazici gekauft und unter dem Namen „Avocado“ wieder beleben wird.

„Wenn alles gut läuft, machen wir noch im August auf“

Serhat Yazici, Betreiber des neuen „Avocado" in Waldkraiburg

Neue gesunde Food-Trends

Gleich gegenüber betreiben die Yazicis das Lokal Centrale samt Hotel. Das „Avocado“ soll dazu keine Konkurrenz, sondern eine ideale Ergänzung werden, mit A-la-Carte-Frühstück und neuen, gesunden Food-Trends, Wraps, Burger klassisch bis vegetarisch, Smoothie-, Veggie- und andere -Bowls.

„Wenn alles gut läuft, machen wir noch im August auf“, sagt Serhat Yazici. „Ich bin nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt.“ Die neue Küche sei fertig, die Rundum-Renovierung auch. „Es fehlt nur noch das Mobiliar, und ein paar Kleinigkeiten.“ 90 bis 100 Plätze gibt es im Lokal. Und Yazici ist sich sicher: Es kommen wieder Tage, wo das Haus bummvoll sein darf und wird.

Quereinsteiger: Große Pläne mit „Chablis“

Übrigens: Passend zum modernen Food-Trend ist auch die Energieversorgung des Lokals auf der Höhe der Zeit. Ab September hängt das „Avocado“ so wie das „Centrale“ an der Geothermie. Auf so viel Nachhaltigkeit ist Yazici stolz.

Zoran Katava weiß schon heute, wann das „Chablis“ wieder aufmacht. Am 12. August! „Da ist mein Geburtstag.“ Die Wiedereröffnung des legendären Lokals, das vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren die Gäste aus dem weiten Umkreis nach Waldkraiburg lockte, ist gewissermaßen Katavas Geburtstagsgeschenk. „Zufall oder Gottes Wille. So ein Objekt war mein Traum.“

Erst vor Kurzem Restaurant in Heldenstein eröffnet

Katava, der noch schwer am Renovieren ist, ist neu in der Branche, dennoch hat er „Chablis“-Eigentümer Joe Riedl überzeugt. „Das ist ein Geschäftsmann, der was bewegt.“ Bislang war der gelernte Krankenpfleger im Pflegebereich erfolgreich. Vor einigen Jahren hat er das Heim „Maria Schnee“ in Heldenstein übernommen, betreibt mit seiner Frau außerdem einen ambulanten Pflegedienst in Waldkraiburg.

„Probleme haben in Corona-Zeiten vor allem die Kleinen.“

Joe Riedl, neuer Pächter des „Chablis“ in Waldkraiburg

Erst vor wenigen Wochen hat er im Pflegeheim in Heldenstein ein öffentliches Restaurant in Betrieb genommen. Es sei gut angelaufen, freut sich der 53-Jährige, der sich künftig aus der Pflege herausnehmen will, um Zeit für das „Chablis“ zu haben. Am Konzept des Tages- und Abendcafés mit kleiner Küche will der neue Pächter nichts ändern. Das ist ganz im Sinne des Eigentümers. „Ich wollte kein reines Restaurant“, sagt Riedl, der sich schon mit dem Gedanken getragen hatte, das Lokal zu verkaufen. Doch dann sei alles schneller gegangen als gedacht.

Chablis-Eigentümer: Vor allem kleine Lokale haben ein Problem mit Abstandsregeln

Während der Corona-Krise seien eine ganze Reihe von Anfragen eingegangen, sagt Riedl. Das habe wohl auch damit zu tun, dass das „Chablis“ größer ist als viele andere Lokale dieser Art. „Probleme haben in Corona-Zeiten vor allem die Kleinen.“ Für 140 Gäste drinnen und 60 auf der Terrasse hätte das Café Platz, selbst bei Pandemie-Abstand stehen 60 plus 30 Plätze zur Verfügung. „Wir halten uns an die Regeln“, sagt Zoran Katava, „aber wir haben keine Angst“.

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