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Wie das System trotz Schwächen funktioniert

Inzidenz im BGL steigt weiter: Warum Abwasser-Monitoring trotzdem eine Geheimwaffe ist

Im Labor der TU Darmstadt wird eine Zentrifugen-Filtereinheit mit einer Abwasserprobe aus Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) befüllt. Im Abwasser lässt sich zuverlässig die Entwicklung der Corona-Pandemie vorhersagen. Die TU Darmstadt ist eines von nur zwei Referenzlaboren für die Sequenzierung der Abwasserproben in Europa. Das Labor hat Proben von etwa 50 Kläranlagen aus ganz Europa analysiert und koordiniert die beiden hessischen Pilotprojekte in Frankfurt und Wiesbaden.
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Im Labor der TU Darmstadt wird eine Zentrifugen-Filtereinheit mit einer Abwasserprobe aus Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) befüllt. Im Abwasser lässt sich zuverlässig die Entwicklung der Corona-Pandemie vorhersagen. Die TU Darmstadt ist eines von nur zwei Referenzlaboren für die Sequenzierung der Abwasserproben in Europa. Das Labor hat Proben von etwa 50 Kläranlagen aus ganz Europa analysiert und koordiniert die beiden hessischen Pilotprojekte in Frankfurt und Wiesbaden.
  • Christine Stanggassinger
    VonChristine Stanggassinger
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  • Markus Zwigl
    Markus Zwigl
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Im Abwasser lässt sich zuverlässig die Entwicklung der Corona-Pandemie verfolgen. Dieses sogenannte Abwasser-Monitoring wird im BGL seit Anfang Dezember 2020 angewendet. Neben vielen Vorteilen gibt es aber auch Schwachstellen. Wie das System funktioniert und warum das aktuelle Ausbruchsgeschehen im Berchtesgadener Land nicht unterbunden werden konnte, lest Ihr hier:

Um die Infektionsketten bereits frühzeitig zu durchbrechen, suchen Wissenschaftler seit Beginn der Pandemie - neben dem strukturierten Testen von Risikopatienten, beispielsweise in Senioren- und Pflegeheimen - geeignete Frühwarnsysteme zum Schutz der Bevölkerung. Eine Möglichkeit ist die Analyse von Abwasserproben.

Im Landkreis Berchtesgadener Land wurden zum Jahreswechsel zehn Messstellen integriert, mittlerweile gibt es sogar zwölf - unter anderem an den Zuläufen zu den Kläranlagen in Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain, Berchtesgaden, Freilassing, Piding, Saaldorf-Surheim und Teisendorf. Dort werden wöchentlich zwei Proben entnommen. So werden laut Experten die Änderungen im Infektionsgeschehen mehrere Tage vor dem tatsächlichen Steigen der Fallzahlen sichtbar.

Vorausblick auf das Infektionsgeschehen

„Durch diese annähernd flächendeckende Beprobung eines ganzen Landkreises erfassen wir fast die gesamte Bevölkerung und damit auch die Infizierten und können durch die Bestimmung der viralen RNA der Coronaviren den Verlauf des Infektionsgeschehens unmittelbar abschätzen. Damit sind wir deutlich schneller, als auf die offiziellen Ergebnisse der Testungen zu warten“, erklärte Professor Drewes der TU München zu Beginn des Pilotprojekts.

Doch wie sieht dieses Monitoring in der Praxis aus? „Vorab: Gegenüber Testungen kann mit dem Abwassermonitoring kein Vorsprung erzielt werden. Niemand weiß, wann und wo der Bürger oder die Bürgerin zum Testen geht bzw. ob er oder sie überhaupt geht“, erklärt Alexandra Rothenbuchner, Pressesprecherin des Landratsamtes Berchtesgadener Land, im Gespräch mit BGLand24.de.

Die Kontrolle des Abwassers ermögliche dem Gesundheitsamt einen Vorausblick auf das Infektionsgeschehen. „Das Abwasser-Monitoring schlägt an, wenn dem betroffenen Bürger möglicherweise noch gar nicht bewusst ist, dass er positiv ist. Das heißt, das Gesundheitsamt weiß mit einem gewissen Vorsprung, dass sich lokal ein Infektionsgeschehen anbahnt“, so Rothenbuchner.

Infektionsketten nachbilden und zeitig unterbrechen

Auch über die Tragweite erhalte das Gesundheitsamt durch die erhobenen Daten frühzeitig Informationen. Wird dem Landratsamt dann einige Tage später aus dem betroffenen Gemeindegebiet ein positiver Indexfall gemeldet, können die Mitarbeiter im Gesundheitsamt im Hintergrund durch die Clusteranalyse die Infektionsketten nachbilden und zeitig unterbrechen.

„Grundsätzlich sieht man im Abwasser die Entwicklung früher als im medizinischen Bereich. Der Vorsprung beträgt je nach Technik zwischen vier und zehn Tagen“, ist Susanne Lackner, Professorin für Abwasserwirtschaft an der TU Darmstadt überzeugt.

Abwasser-Monitoring im BGL ein Erfolg

Nach Angaben des Landratsamtes Berchtesgadener Land sei das Abwasser-Monitoring spätestens seit Beginn der dritten Welle im Frühjahr 2021 ein unverzichtbares Früh- und Entwarnungstool geworden. Dies würden auch die Fallzahlen und die daraus resultierenden Inzidenzzahlen zeigen. „Die Zahlen des Landkreises waren zwar stellenweise über 100, aber es gab keine Auswüchse wie z.B. in Mühldorf (350er Inzidenz)“, erklärt Rothenbuchner.

Schwachpunkt Hochwasser

Doch das Abwasser-Monitoring hat auch Schwachpunkte. Durch das Hochwasser konnten im Berchtesgadener Land in den vergangenen zwei Wochen zum Beispiel keine Proben entnommen werden. Und das zu einem Zeitpunkt, als sich das Berchtesgadener Land einen größeren Ausbruch gegenüber sah. Mittlerweile liegt die Inzidenz sogar bei 64,2 und droht weiter zu steigen. Dieses Ausbruchsgeschehen hätte unter Umständen mit Hilfe der Analyse deutlich abgeschwächt werden können.

„Der Abwasserbericht gibt unter anderem auch Auskunft über die mögliche Fallzahl, die durch die Viruslast im Abwasser generiert werden könnte. Aufgrund des Abwasser-Monitorings wären dem Gesundheitsamt also frühzeitig Informationen über die Tragweite des Geschehens bekannt gewesen. Entsprechend hätten noch gezieltere Maßnahmen ergriffen werden können. Zum Verständnis: Wenn beispielsweise Daten vorliegen, dass in der Gemeinde A eine Viruslast für 20 Fälle bei der jüngsten Probe nachgewiesen wurde, können bei den betroffenen Indexfällen in der Kontaktermittlung gezieltere Fragen gestellt werden“, analysiert Rothenbuchner.

Frühwarnsystem bislang nur im Berchtesgadener Land

Noch gibt es dieses Frühwarnsystem in der Region nur im Berchtesgadener Land. Ob und wie dieses System woanders angewendet wird, ist noch unklar. Das man mit Hilfe des Abwasser-Monitorings weitere nützliche Informationen erhalten kann, beweist eine Untersuchung in Italien. In Abwasserproben aus Mailand und Turin konnten Spuren des Erregers entdeckt werden, die aus Dezember 2019 stammen. Die Gewässerproben seien wie „Spione“ für den Umlauf des Virus in der Bevölkerung eingesetzt worden, teilte das oberste italienische Gesundheitsinstitut ISS damals mit.

Erbgut von Sars-Cov-2 war demnach in Proben aus Mailand und Turin vom 18. Dezember 2019 und aus Bologna vom 29. Januar 2020 nachweisbar. In den selben Städten wurden im Januar und Februar ebenfalls positive Proben gefunden. Die Proben vom Oktober und November 2019 waren dagegen alle negativ.

mz

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