Interview mit keinem Osterhasen

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Herbert Schneider

An dieser Stelle schreibt jeden Samstagunser Turmschreiber

Heimatkolumne

Maßgeschneidert

Kurz bevor er davongehoppelt wäre, konnte der Maßschneider gerade noch einen Feldhasen, auch Mümmelmann, Meister Lampe oder Langohr genannt, gegen ein Honorar von einem frischen Salatkopf überreden, sich für ein Interview zur Verfügung zu stellen.

Meister Lampe, begann er das Gespräch, das in einer Waldlichtung nahe einem Jägerstand stattfand, ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie gegenwärtig als Osterhase gelten und man Ihnen nachsagt, für Menschenkinder Osternester zu verstecken, in denen sich außer Süßigkeiten auch von Ihnen gelegte Gackerl, die exakt Hühnereiern gleichen, befinden sollen?

So ein Schmarrn, mümmelte der Rammler, denn ein solcher war es, als ob wir Hasen schon jemals Eier gelegt hätten! Unsere Hinterlassenschaften sind anderer Natur und ähneln den menschlichen. Wir verteilen auch keine Nester mit Leckerli. Hat man uns Hasen schon jemals in einem Supermarkt einkaufen gesehen? Wenn ich nicht gerade auf Futtersuche bin, verweile ich in meiner Sasse und widme mich meinem Nachwuchs und meiner Häsin.

Der Maßschneider: Wenn Sie wirklich einmal vor Ostern durch einen Supermarkt gehoppelt wären, hätten Sie eine verblüffende Bekanntschaft mit bunt verpackten Osterhasen aus Schokolade machen können. Da wär Ihnen, oder darf ich Du sagen, vor Staunen das Mäulchen offen geblieben!

Um Goodswuin, i friss doch koane Artgenossen, scho gar net wenns aus Schokolad san. Da kriagat i bestimmt a saubere Verstopfung! Übrigens, wenns d ‘ wuist, konst mi ruhig duzn, aber für mit guit dann des Gleiche. (Meister Lampe war unversehens in seine angestammte Mundart gefallen.)

Hast du eigentlich a Ahnnung, woher der Begriff Osterhas kummt, wollte nun der Ausfratschler wissen!

A weng scho, meinte der Gefragte, mei Großvater hat mir amoi erzählt, dass der im Frühjahr bei eich Zweibeinern a Symbol im feiertäglichen Brauchtum sei soll. In Wahrheit is euer Osterhas aber a Ostermärchen, hast mi t?

Halts ihr Hasn eigentlich an Winterschlaf, wollte der Maßschneider nun wissen.

Dafür ham mia absolut koa Zeit, mia san doch koane Igel! Bis zu viermal im Jahr müaß ma für Nachwuchs sorgen. Da san ma permanent gefordert!

Ja du Strizzi, davon hab i aa scho ghört. Bloß d‘ Karnickl soin in dem Betreff no fleißiger sei. Auch der Maßschneider redete nun, wie ihm der Schnabel gewachsen.

Kon i mir net vorstelln, konterte Meister Lampe. Jedenfalls hab i mitn Osterhas nix an de Löffe. Des könnts eich abschminkn!

Jetzt sei doch net gar so stur, beschwichtige ihn der Maßschneider, de Kinder glauben doch ganz fest an dich, umd zwengs de Eier, dua hoit einfach so, als obs wahr waar! Des is doch eher a Ruhmensblatt für eich!

Also guat, lenkte der Mümmelmann ein, dann lass i eahna halt ihrn Glaubn. Aber des oane merk dir: des Atomei in Garching lass i mir net aa no unterjubeln!

Der Maßschneider konnte sich ein leises Grinsen nicht verkneifen. Für des hättst du as Hinterteil wohl a weng z‘kloa. Und damit fröhliche Ostern, altes Schlitz- beziehungsweise Langohr! Meister Lampe mümmelte noch „dir aa“, schnappte sich den Salatkopf, klappte die Ohren nach hinten und humpelte davon. Vielleicht wartete ja sein Kuschelhäschen schon wieder sehnsüchtig auf ihren Rammler!

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