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„Man muss aus dem Unwetter lernen”

Der Schöpfer der Kunsteisbahn am Königssee analysiert im Interview, wie es um die Bahn bestellt ist

Nach dem Unwetter liegt die Sportstätte seit Juli in Trümmern. Über einen möglichen Wiederaufbau wird heiß diskutiert.
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Nach dem Unwetter liegt die Sportstätte seit Juli in Trümmern. Über einen möglichen Wiederaufbau wird heiß diskutiert.

Als die Bob- und Rodelbahn am Königssee 1968 auf Kunsteis umgestellt wurde, war es Werner Deyle, der das Vorhaben plante. Sohn Uwe Deyle vom gleichnamigen Stuttgarter Planungsbüro plante die Sanierung der Bahn vor über einem Jahrzehnt, war auch schon für die Bahnen in Innsbruck, Oberhof und Winterberg verantwortlich, die Olympiabahnen in Turin und Salt Lake City. Im Interview spricht er über die Notwendigkeit des Wiederaufbaus, über Lernprozesse und vergleicht die Kosten für den Neubau mit Hallenbädern.

Ihr Vater hat die erste Kunsteisbahn weltweit, jene am Königssee, geplant. Sie selbst begleiteten den Umbau vor rund zehn Jahren. Nun ist die Bahn durch das Unwetter im Juli zerstört worden. Schmerzt der Umstand das Planerherz?

Uwe Deyle: Eine solche Flut hat es hier bislang noch nie gegeben, auf diese Gewalt der Natur konnte die vor vielen Jahrzehnten errichtete Bahn natürlich nicht ausgelegt sein. Das Wichtigste ist, dass es lediglich ein Sachschaden war und dass Menschen nicht zu Schaden kamen. So, wie es aussieht, hat die Bahn hier ja sogar als Schutzwall gedient und Schlimmeres verhindert. Nachdem jetzt aufgeräumt ist, sieht man, dass die Schäden aber behebbar sind.

Natürlich muss man aus dem Unwetter lernen, damit sich das nicht wiederholen kann. Natürlich schmerzt am meisten, dass die Bahn gerade nicht genutzt werden kann: Engagierte Menschen haben an der Kunsteisbahn ihren Arbeitsplatz, Sportler aus der ganzen Welt kommen hier in den Trainingscamps zusammen, treffen sich zu Wettkämpfen an der Bahn. All das funktioniert jetzt gerade nicht. Mindestens genauso schlimm ist, dass die Nachwuchsarbeit erst einmal deutlich erschwert ist. Das Leben muss deshalb so schnell als möglich wieder auf die Bahn zurückkehren.

Auch ohne Mandat waren Sie bereits vor Ort, haben sich ein Bild gemacht. Wie schätzen Sie als Experte die Lage ein?

Deyle: Als Techniker bewertet man sachlich, was man sieht und analysiert, was zu tun ist. Es hat sich gezeigt, dass der Kern der Technik hervorragend geschützt gewesen ist und den Rest bekommt man, mit ein paar Veränderungen, sehr gut wieder hin.

Sicherungsmaßnahmen gab es schon vor dem Unwetter. Waren diese zu unausgereift? Oder hätte man die Zerstörung verhindern können?

Deyle: Man hat nun natürlich ein ganz anderes Wissen. Jetzt ist man gewarnt. Mit dem gesammelten Wissen kann man solch einen Schaden für die Zukunft sicher verhindern und sich auch gegen vielleicht zukünftig noch stärkere Unwetter sicher wappnen. Die Bahn wird auch in Zukunft ein Teil des Schutzkonzeptes sein.

Ist ein Wiederaufbau grundsätzlich realistisch? Könnten - technisch gesehen - unbeschädigte Teile einer Bahn in einer neuen Planung involviert werden?

Deyle: Der untere Teil der Bahn ist vollkommen intakt. Einige Teile kann man sanieren und andere wird man erneuern müssen – das alles ist gut zu bewerkstelligen.

Es gibt 17 Kunsteisbahnen weltweit. Ihr Büro war bei rund der Hälfte davon federführend beteiligt. Wenn Sie Königssee mit den anderen vergleichen: Was zeichnet die Sportstätte aus?

Deyle: Die Bahn ist sportlich extrem anspruchsvoll. Insofern ist es kein Wunder, dass einige der besten Fahrer der Welt aus der Region kommen. Eine technische Schwierigkeit folgt in schnellem Wechsel auf die andere, höchste Konzentration und technisches Können sind hier gefragt. Natürlich ist es auch die einzigartige Lage, die diese Bahn so besonders macht. Kein Wunder, dass selbst im Sommer viele Urlauber die Bahn wandernd erkunden und sich an der gelungenen Integration in die Natur erfreuen.

Derzeit stehen hohe Summen im Raum, die ein Wiederaufbau kosten könnte. Ganz allgemein: Was macht den Bau von Kunsteisbahnen so kostspielig?

Deyle: Eine neue Bahn kostet so viel wie zwei bis drei Hallenbäder, so, wie sie in vielen Städten zu finden sind. Die Bahn wieder in Ordnung und in einen Topzustand zu bringen, kostet deutlich weniger. Ich persönlich finde, dass es das absolut wert ist. Der Gegenwert ist immens.

Sie sagen, die Bahn am Königssee sei höchst effizient, technisch anspruchsvoll, der Energieverbrauch sei weltweit sogar der geringste. Wie viel Energie verbraucht eine Bahn wie die am Königssee pro Jahr?

Deyle: Im Winter, wenn es kalt ist, muss man das Eis nicht kühlen und im Sommer sowieso nicht. Die natürliche Beschattung der Bahn am Königssee erledigt der Berg, deshalb haben die Menschen die Bahn früher dort aus Eisblöcken gebaut. Eine bessere Lage gibt es kaum, dafür sorgt allein schon der perfekte, von Natur aus mit niedrigen Temperaturen gesegnete Standort. Nur in der Übergangszeit wird die Kühlanlage benötigt.

Der Stromverbrauch liegt bei etwa 40 Prozent eines Freizeitbads, Wärme wird im Gegensatz dazu aber so gut wie keine benötigt. Ich finde, dass das - zumal beim heutigen ja immer besser werdenden Primärenergiemix - ein sehr guter Wert ist. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Kälteanlage gerade benötigt wird, dann entspricht die elektrische Leistung in etwa der zweier amerikanischer Elektroautos, die auf der Autobahn Gas geben. Das ist doch nicht so schlecht.

Sie haben sich auf Sportstätten, Hotel- und Freizeitanlagen spezialisiert. Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Deyle: Sehr gefreut habe ich mich über die sensationellen Erfolge unserer deutschen Sportler beim zu Ende gegangenen ersten Rennen auf unserer neuen Olympiabahn bei Peking. Eine bessere Generalprobe für die kommenden Winterspiele hätte es nicht geben können. Die guten Trainingserfahrungen, gerade auch vom Königssee, zahlen sich also aus. Vorletzte Woche wurde das von uns geplante Leistungszentrum für olympisches und paralympisches Schießen am Sitz des Deutschen Schützenbunds eingeweiht. Am Samstag findet die Einweihung des generalsanierten Eisstadions in Landshut statt, und auch bei einem Freizeitbad in Wiesbaden sind wir gerade mitten in der Planung. Man sieht: Eine schönere Arbeit kann es eigentlich nicht geben.  

kp

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