Indersdorf grüßt ISS!

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Gymnasiasten aus dem beschaulichen Markt Indersdorf (Kreis Dachau) haben per Funk mit dem Astronauten Alexander Gerst auf der ISS plaudern dürfen. Das Gespräch entwickelte sich zu einem Krimi – zum Glück mit Happy End.

oberbayerische Schüler in Kontakt mit dem Weltall

Gymnasiasten aus dem beschaulichen Markt Indersdorf (Kreis Dachau) haben per Funk mit dem Astronauten Alexander Gerst auf der ISS plaudern dürfen. Das Gespräch entwickelte sich zu einem Krimi – zum Glück mit Happy End.

Von Claudia Schuri

Indersdorf – „Delta November 4 Oscar Delta ruft Delta Papa 0 India Sierra Sierra. Over.“ Es ist mucksmäuschenstill im Kontrollraum des Indersdorfer Gymnasiums, als Ruben Horn (17) mit lauter, deutlicher Stimme diesen Satz in das Funkmikrofon spricht.

Die Anspannung ist mit den Händen zu greifen. Schließlich haben die Schüler im Rahmen eines P-Seminars mit ihrem Lehrer Manfred Dudda zwei Jahre lang darauf hingearbeitet, mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst, der gerade auf der internationalen Raumstation ISS arbeitet, funken zu dürfen. Als die Schule sich nämlich bei der ARISS, der internationalen Amateurfunkorganisation, um ein Gespräch mit der ISS bewarb, landete sie zunächst auf der Warteliste – auf Platz 284. Weil die Verantwortlichen aber das ambitionierte Projekt aus Indersdorf offensichtlich gut fanden und mit Alexander Gerst außerdem ein Deutscher für ein Gespräch bereit stand, bekam das kleine Gymnasium aus dem Landkreis Dachau dann tatsächlich den Zuschlag.

Entsprechend hochkonzentriert sind alle Beteiligten, als der große Tag gekommen ist: Bahnverfolgung, Audiodecodierung, Audioaufnahme, Antennensteuerung – alles muss klappen!

Wenige Meter entfernt in der Aula sind über 450 Augenpaare auf die Leinwand mit der Liveübertragung aus dem Kontrollraum gerichtet. Als rauschende Geräusche zu hören sind, sind alle erleichtert; die ISS ist also im Empfangsbereich. Schüler Ruben ruft noch vier weitere Male, dann endlich die erlösende Nachricht: Alexander Gerst meldet sich aus dem All, das Funksignal ist angekommen.

Doch die Freude währt nur kurz: Es gibt Störsignale. Der Astronaut hört zwar die Schüler gut, in Indersdorf versteht man aber den Astronauten schlecht. Nervosität macht sich breit und die Zeit läuft: Die Indersdorfer Schüler können nämlich nur in der kurzen Zeitspanne zwischen 14.08 und 14.18 Uhr mit der ISS funken. Während dieser zehn Minuten fliegt die Raumstation direkt über Indersdorf und ist nur etwa 400 Kilometer entfernt. Wenn die ISS aus diesem Bereich „untergegangen“ ist, wie der Funker sagt, ist kein Signal mehr zu bekommen. Die ISS bewegt sich rasend schnell mit rund 28 000 Kilometern pro Stunde. Sieben Minuten und 50 Sekunden vor dem Funkkontakt mit dem Indersdorfer Gymnasium war sie noch über dem Atlantischen Ozean an der Westküste von Afrika, drei Minuten und 40 Sekunden vorher über dem Rand von Spanien.

Die Gesichter im Kontrollraum erstarren. Leise wird geflüstert. Funker Michael Lowack, der Betreuer des Projekts, kommt auf die Idee, die Sendefrequenz zu ändern. Es nützt nichts, denn das Problem lag nicht an der Technik der Schule, wie sich später herausstellte, sondern an der Empfangsfrequenz: Andere Funker aus München hatten auf einer benachbarten Frequenz gefunkt, deshalb gab es eine terrestrische Störung: „Da kann man überhaupt nichts machen“, erklärt Lowack.

Irgendwann beschließen die Gymnasiasten, trotzdem die vorbereiteten Fragen an Alexander Gerst zu stellen. Als erstes ist der 14-jährige Julian Konnerth an der Reihe. Mit fester Stimme fragt er, warum Gerst eigentlich Astronaut geworden ist. Die Antwort geht im Rauschen unter. Er stellt die Frage noch zwei weitere Male, irgendwann ist zumindest bruchstückhaft zu hören, dass er sich gar nicht mehr so gut daran erinnern könne. Allen fällt ein Stein vom Herzen: Der Funkkontakt funktioniert.

Die Schüler stellen weitere Fragen. Bei manchen versteht man die Antworten sogar richtig gut. Dann ist die Zeit auch schon vorbei. Ruben bedankt sich noch einmal bei Alexander Gerst, Applaus ertönt. Zum Schluss schickt der Astronaut noch einen letzten Gruß nach Markt Indersdorf: „Es ist großartig hier oben. Alles Gute!“ Langsam stellt sich bei den Schülern ein Glücksgefühl ein: Sie haben es wirklich geschafft!

Übrigens: Auf der Internetseite der Schule unter www.gmi-meets-iss.de gibt es den Funkkontakt zum Nachhören.

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