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Trauer um Tatort-Kommissar

In Bad Reichenhall sah Günter Lamprecht das Grauen

Schockmoment in Bad Reichenhall: Das von Schüssen getroffene Auto des Schauspielers Günter Lamprecht.
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Schockmoment in Bad Reichenhall: Das von Schüssen getroffene Auto des Schauspielers Günter Lamprecht. Am 1. November 1999 war in der Kreisstadt ein 16-jähriger Junge Amok gelaufen.
  • VonUlrike Frick
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Schauspiel-Raubein Günter Lamprecht († 92) ist gestorben. In Bad Reichenhall überlebte er 1999 einen Amoklauf.

München – Zweimal wurde in seinem Leben auf Günter Lamprecht geschossen: Beim ersten Mal war er erst 15 Jahre alt. In den letzten Kriegstagen war das, als man den im Januar 1930 geborenen Berliner Jungen zum Volkssturm einzog und er nahe der Reichskanzlei durch einen Streifschuss verletzt wurde.

Seine Zukunft sah auch nach dem 8. Mai 1945 nicht rosig aus: Selten war Günter zuvor zur Schule gegangen. Zu Hause beim polternden und prügelnden Vater, einem glühenden Nationalsozialisten, war er nicht gerne. So trieb er sich bis in die Nachkriegszeit meistens mit einer Bande gleichaltriger Kleinkrimineller auf den Straßen Berlins herum. „Wir haben geklaut wie die Raben“, erinnerte er sich später. Eine Dachdeckerlehre bricht er ab. Die Orthopädiehandwerker-Lehre hält er etwas länger durch. Aber echtes Interesse kann Lamprecht nicht aufbringen.

„Günter, du musst unbedingt Schauspieler werden“

Als ein besoffener Freund eines Nachts zu ihm sagt: „Günter, du musst unbedingt Schauspieler werden!“, bewirbt er sich an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. Kann schließlich alles nur besser werden. Und wird es tatsächlich. Denn dort ist man von dem unbelesenen jungen Mann mit der raubeinigen Ausstrahlung fasziniert.

Ab 1954 spielte er kleinere Rollen am Berliner Schillertheater, unter der Regie von Hans Lietzau oder Erwin Piscator, den großen Theater-Avantgardisten jener Jahre. Sein erstes festes Engagement tritt er am Schauspielhaus Bochum an. Hier spielt er bereits die gewalttätigen Kerle, die manipulativen Fieslinge mit der großen Klappe und die breitbeinigen Macker, wie den Kowalski in Tennessee Williams’ „Endstation Sehnsucht“ oder den John in Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“.

Günter Lamprecht war sich seiner Herkunft immer bewusst

Seiner proletarischen Herkunft war sich Lamprecht immer bewusst. „Ich verstehe die Probleme dieser Leute, darum gelingen mir diese Figuren vielleicht besser“, erklärte er. In Produktionen wie „Die Meisterboxer“ oder dem Alkoholiker-Drama „Rückfälle“ gelang es ihm, auch im Fernsehen Fuß zu fassen. Fassbinder entdeckte ihn 1979 für „Die Ehe der Maria Braun“ und ein Jahr später für seine bis heute bahnbrechende TV-Serie „Berlin Alexanderplatz“ nach Alfred Döblins gleichnamigem Roman. Die Rolle des Franz Biberkopf wird sein ganz großer Durchbruch. Die Preise häufen sich, die Angebote ebenfalls.

Lamprecht ist sich nicht zu schade, in Produktionen auch mal nur eine kleine Rolle zu übernehmen, wenn ihm das Thema am Herzen liegt. So ist er in „Das Boot“ (1981) oder „Comedian Harmonists“ (1997) mit von der Partie. Große Popularität erlangte er dann in den frühen Neunzigern durch seine Rolle als „Tatort“-Kommissar Franz Markowitz.

Ein Kriminalbeamter untersucht in Bad Reichenhall das von Schüssen getroffene Auto des Schauspielers Günter Lamprecht.

In den späten Neunzigern trifft Günter Lamprecht zum zweiten Mal im Leben eine Kugel – und verletzt ihn diesmal sehr schwer. Am 1. November 1999 steigt er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Claudia Amm mitten in Bad Reichenhall aus dem Auto. Sie sind auf Theatertournee, der Abend zuvor mit dem Stück „Vaterliebe“ war ein großer Erfolg. Der Zufall will es, dass dort gerade der 16- jährige Martin P. damit beginnt, mit einem Gewehr aus einem Fenster seines Elternhauses wahllos auf Passanten zu schießen. Am Ende des einstündigen Amoks sind vier Menschen und der Attentäter tot, fünf weitere überleben schwer verletzt. Lamprecht und Amm lagen über eine Stunde lang in einer Blutlache auf der Straße, ehe sich Retter in die Nähe der Opfer wagen konnten.

Jetzt ist der Schauspieler mit 92 Jahren gestorben.

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