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Starten oder Warten?

Hirnthrombose, Tod durch Covid-19 oder Blitzschlag? Risiken einer Astrazeneca-Impfung im Vergleich

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Nach ärztlicher Rücksprache haben nun alle Erwachsenen die Möglichkeit, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. Aber die turbulenten vergangenen Wochen haben dem Image des Präparats schwer geschadet. Vor allem die aufgetretenen Fälle von Hirnthrombosen sorgen bei vielen Menschen für Verunsicherung. Das müssen Sie bei der Risiko-Abwägung wissen.

Menschen, die bezüglich einer Impfung unentschieden sind, stellen sich derzeit möglicherweise häufiger die Frage: Ist es für mich wahrscheinlicher, an einer durchs Impfen verursachten Hirnthrombose zu sterben - oder an einer Covid-19-Erkrankung, die durch eine Impfung verhindert worden wäre?

Hirnthrombose durch Astrazeneca-Impfung

In Deutschland wurden bis Mitte April 59 Fälle von Hirnthrombosen nach mehr als 4,2 Millionen Erstimpfungen mit Astrazeneca gemeldet, darunter 12 Todesfälle. Werden solche Thrombosen frühzeitig diagnostiziert und behandelt, stehen die Chancen relativ gut, wieder vollständig zu genesen.

Hirnthrombosen kämen im Schnitt bei etwa einer von 100.000 geimpften Personen vor (0,001 Prozent), geht aus einer Analyse der EMA-Experten zum Astrazeneca-Präparat hervor. Dabei ist das Risiko Analysen zufolge auch vom Alter abhängig, zudem waren Frauen häufiger betroffen als Männer. Der Nutzen der Impfung überwiege laut EMA eindeutig das Risiko. „Der Impfstoff rettet Leben“, bilanzierte der leitende EMA-Datenanalytiker Peter Arlett.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V. hat eine Studie der Cambridge Universität zu Nutzen und Risiken einer Astrazeneca-Impfung analysiert und die Ergebnisse nun präsentiert. Das „Winton Centre for Risk and Evidence Communication“ an der Cambridge University hatte unter anderem ausgerechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, durch eine Astrazeneca-Impfung eine Hirnthrombose zu erleiden.

Mit Astra starten oder warten?

Laut der Studie, welche die DEGAM ins Deutsche übertragen hat, steigt das Risiko einer schweren Coviderkrankung mit zunehmenden Alter stark an, gleichzeitig wird der Astrazeneca-Impfstoff mit zunehmendem Alter um ein Mehrfaches verträglicher. (Die folgende Grafik veranschaulicht das ungefähre Verhältnis von Vorteilen und Risiken für die verschiedenen Altersgruppen, in einem Zeitraum von 16 Wochen. Die Zahlen basieren auf einer Tages-Inzidenz von 200 und beziehen sich jeweils auf 100.000 Personen im Vereinigten Königreich, zum Höhepunkt der 2. Welle)

Verhinderte Intensivbettenbelegung (alle 16 Wochen)AltersgruppeDurch den Impfstoff verursachtes Blutgerinnsel
6,920-29 Jahre1,1
24,930-39 Jahre0,8
51,540-49 Jahre0,5
95,650-59 Jahre0,4
127,760-69 Jahre0,2

Um die Risiken einer Impfung nicht zu unterschätzen, untersuchte die gemeinnützige Fachgesellschaft das Nebenwirkungsrisiko von 25-Jährigen und 55-Jährigen. (Die Zahlen zeigen die Wahrscheinlichkeit seit der Pandemie an Covid-19 zu versterben. Zahlen zu weiteren Todesursachen beziehen sich auf das Jahr 2018)

Risiko für: 25-Jährige (Fälle pro Millionen)55-Jährige (Fälle pro Millionen)
Schwere Schäden durch Impfnebenwirkungen114
Versterben an oder mit Coronavirus23800
Versterben durch einen Unfall oder Verletzung110180
Versterben durch einen Verkehrsunfall 3823
Dieses Jahr vom Blitz getroffen zu werden11

Fazit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V.: Wer die größtmögliche Sicherheit für sich sucht, sollte sich lieber zeitnah mit Astrazeneca impfen lassen, statt länger auf einen anderen Covidimpfstoff zu warten. Und: je älter ein Mensch ist, desto besser verträglicher und nötiger ist die Impfung mit Astrazeneca.

Carsten Watzl, Immunologe vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund, geht davon aus, dass selbst eine 20-jährige Frau in der Regel ein höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf als für eine Hirnthrombose nach der Impfung hat.

Viele Menschen weiter unsicher

Trotz dieser Daten und Experten-Empfehlungen sind viele Menschen weiter unsicher: „Menschen sind keine rationalen Wesen“, meint Petra Dickmann, Expertin für Risikokommunikation. Eine Wahrscheinlichkeit beziehe sich auf eine Gesamtpopulation, „aber es werden individuelle Entscheidungen getroffen: Was mache ich für mich?“. „Wichtige Fakten immer wieder darzustellen und zu erklären, ergibt Sinn“, sagt die Kommunikationsexpertin Dickmann. Aber außerdem sei auch Vertrauen wichtig: „Damit man einem Akteur vertraut, muss man von dessen Integrität, Wohlwollen und Expertise überzeugt sein.“

Ist Vertrauen erst einmal verloren, reiche allein die Präsentation von Fakten nicht aus. Dann helfe nur eine übergreifende Kommunikationsstrategie, sagt Dickmann und spricht von einem „Vertrauenstransfer“: „Ich mache es, weil andere, denen ich vertraue, es auch machen.“ Dieser Mechanismus funktioniere gut, werde aber bislang nicht angemessen bedient, sagt sie. Hier könnten etwa Hausärztinnen und -ärzte eine wichtige Rolle spielen.

In Deutschland soll der Astrazeneca-Impfstoff seit dem 31. März in der Regel nur noch bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt werden. Auch unter 60-Jährige können sich nach Rücksprache mit einem Arzt weiterhin damit impfen lassen. In einigen Bundesländern können sich zudem nun auch Menschen mit Astrazeneca impfen lassen, die nach den Prioritätslisten noch gar nicht dran wären.

mz

Rubriklistenbild: © dpa montage

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