Immobilienpreise: Rosenheim ist Bayerns teuerste Mittelstadt

Teures Pflaster für Wohneigentum: Wer in Rosenheim eine eigene Wohnung kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Mehr als 60 Prozent der Angebote haben einen Mindest-Quadratmeterpreis von 4000 Euro. ziegler

Immobilienpreise in Rosenheim sind so hoch wie nie zuvor. Der Immobilienverband Deutschland hat eine Untersuchung vorgelegt, wonach es bayernweit in keiner Stadt vergleichbarer Größe teurer ist. Hinter Rosenheim folgt in dem Ranking allerdings eine Überraschung.

Rosenheim – Wer in Rosenheim Wohneigentum kaufen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Das ist keine neue Erkenntnis, wurde aber jetzt durch eine Untersuchung des Immobilienverbands Deutschland (IVD) eindrucksvoll bestätigt. Dieser hat die Kaufpreise für Eigentumswohnungen aus dem Bestand in Mittelstädten Bayerns unter die Lupe genommen. Wenig überraschend landete Rosenheim auf Platz eins, hier sind die eigenen vier Wände also am teuersten.

4000 Euro und mehr pro Quadratmeter

„Bedingt unter anderem durch die Nähe zur Landeshauptstadt München sowie zu den Alpen werden in Rosenheim bei etwa 60 Prozent der Objekte Kaufpreise jenseits von 4000 Euro pro Quadratmeter aufgerufen“, so Professor Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. Der Erhebung zufolge, die sich auf Wohnungsangebote im ersten Halbjahr 2019 in Printmedien und im Internet stützt, werden knapp ein Viertel der Objekte für 3500 bis 4000 Euro pro Quadratmeter angeboten. Nicht mal 20 Prozent der Wohnungen sind für einen Quadratmeterpreis zwischen 3000 und 3500 Euro zu haben. Das Preissegment unter 3000 Euro pro Quadratmeter sei in Rosenheim nicht relevant, so Kippes. Hinter Rosenheim folgen auf der IVD-Liste Neu-Ulm, Bamberg, Kempten und Aschaffenburg als teuerste Städte für Eigentumswohnungen.

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Nordbayern bildet den Kontrast dazu: In Bayreuth wurden mehr als die Hälfte der Eigentumswohnungen für unter 2500 Euro pro Quadratmeter angeboten, in Schweinfurt waren es drei Viertel. Die günstigsten Angebotspreise gab es laut IVD in Hof, wo knapp 96 Prozent der Objekte nicht mehr als 2500 Euro pro Quadratmeter kosteten. Gut vier Prozent wurden für 2500 bis 3000 Euro pro Quadratmeter angeboten, höhere Preise wurden laut Auswertung nicht aufgerufen.

Preise ziehen auch 2019 weiter an

Einer derjenigen, die den Preisanstieg aus beruflichen Gründen unmittelbar verfolgen, ist Johann Hainz. Der Rosenheimer Immobilienberater berichtet im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass sich die Preisspirale auch 2019 noch weitergedreht hat. „Die Preise haben in diesem Jahr weiter angezogen, wenn auch nicht mehr ganz so dynamisch wie in den Jahren zuvor“, so der Immobilienexperte.

Trotz der hohen Preise sei die Nachfrage nach Wohneigentum in Rosenheim ungebrochen hoch. „Es gibt nicht wenige Ehepaare mit zwei guten Einkommen, die sich das leisten können und wollen“, sagt Hainz. Zudem würden immer mehr ältere Menschen ihre Häuser auf dem Land verkaufen und stattdessen eine Wohnung in der Stadt erwerben. Hinzu kommen laut Hainz viele Kapitalanleger, die angesichts der extrem niedrigen Zinsen ihr Geld in hochwertigen Immobilien anlegen.

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Gerhard Nufer, Leiter der VR Immobilien GmbH in Bad Aibling, bestätigt die Erfahrung von Hainz. „Wir dachten in den vergangenen Jahren immer, dass womöglich die Spitze erreicht wäre, aber das war nie der Fall.“ Es sei dabei ein Dominoeffekt zu beobachten, sagt Nufer. Aufgrund der extrem hohen Preise für Wohneigentum in München und dem Umland würden viele Menschen nach Rosenheim ausweichen, weil dort die Verkehrsanbindung zur Landeshauptstadt gut sei. „Das hat zur Folge, dass aus Rosenheim eine Verdrängung von Interessenten stattfindet, die in die Umgebung ausweichen, so Nufer. So seien auch die Preise in den benachbarten Gemeinden teils deutlich gestiegen.

„Die sind ein anderes Preisniveau gewohnt“

Den intensiven Zuzug finanzkräftiger Interessenten aus der Landeshauptstadt beobachtet auch Arno Seidl, Leiter des Immobiliencenters der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling. „Die sind ein anderes Preisniveau gewohnt und zögern nicht lange, wenn es ein attraktives Angebot gibt“, so der Experte. Für 2020 zeichnet sich nach Seidls Worten keine Entspannung ab. „Die Nachfrage wird nach unserer Einschätzung deutlich höher bleiben als das Angebot“, prognostiziert Seidl. Wer nicht unbedingt eine Immobilie verkaufen müsse, tue es auch nicht. Außerdem sei es weiterhin sehr schwierig, neue Wohnungen zu bauen. „Baugrundstücke sind ein sehr begrenzt verfügbares Gut und nicht beliebig vermehrbar.“

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