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Zum Tod vom emeritierten Papst Benedikt XVI.

„Im Herzen wandere ich einfach die Heimat ab“: Über Benedikts Spuren in Bayern

Messe vor 250.000 Gläubigen: Papst Benedikt XVI. feiert bei seinem Bayernbesuch 2006 einen Gottesdienst auf dem Islinger Feld in Regensburg mit tausenden Pilgern. In seiner Predigt verurteilt er den Atheismus als Irrweg.
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Messe vor 250.000 Gläubigen: Papst Benedikt XVI. feiert bei seinem Bayernbesuch 2006 einen Gottesdienst auf dem Islinger Feld in Regensburg mit tausenden Pilgern. In seiner Predigt verurteilt er den Atheismus als Irrweg.
  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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  • Dominik Göttler
    Dominik Göttler
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Die Kindheit im Chiemgau, die Zeit als Erzbischof von München und Freising - und die große Papstreise 2006. Den Kontakt zu seiner bayerischen Heimat ließ Benedikt XVI. nie abreißen. Vor zwei Jahren besuchte er den Freistaat ein letztes Mal - gegen den Rat seiner Ärzte.

München – Im Juni 2020 fällt der emeritierte Papst Benedikt eine Entscheidung. „Ich gehe nach Regensburg, schnellstmöglich! Nicht übermorgen, morgen.“ So erzählte es sein Privatsekretär Georg Gänswein später. Der Grund für Benedikts Hast: Seinen geliebten Bruder Georg Ratzinger verließen zunehmend die Kräfte. Und so setzte sich Benedikt über den Rat der Ärzte in Rom hinweg und schleppte sich „mit letzter Kraft“, so Gänswein, nach Regensburg.

Es galt eigentlich schon als undenkbar, dass Benedikt im hohen Alter von 93 Jahren noch einmal bayerischen Boden betreten würde. Doch er schaffte es bis ans Krankenbett seines Bruders und konnte Abschied nehmen. Wenige Tage nach dem Kurzbesuch starb Georg Ratzinger. Und für Benedikt sollte es der letzte Besuch in seiner oberbayerischen Heimat gewesen sein.

Der letzte Besuch: Ministerpräsident Markus Söder verabschiedet den emeritierten Papst nach dessen Besuch in Regensburg im Juni 2020 bei seinem schwer kranken Bruder.

Benedikt XVI. kam in Marktl am Inn zur Welt

Doch seine Spuren bleiben. In Marktl am Inn zum Beispiel, wo er zur Welt kam, wo er getauft wurde, und wo sein Geburtshaus heute als Museum und Begegnungsstätte dient. In Altötting, wo er schon als Kind zur Schwarzen Madonna pilgerte und wo heute ein Platz nach ihm benannt ist. Und natürlich im Erzbistum München und Freising, wo er als Erzbischof und Kardinal wirkte.

Die Priesterweihe: Kardinal Michael von Faulhaber legt Joseph Ratzinger am 29. Juni 1951 im Freisinger Mariendom die Hände auf.

Weihbischof Bernhard Haßlberger, der wie Benedikt aus dem Chiemgau stammt, war einer der Ersten, den Joseph Ratzinger als neuer Erzbischof zum Priester weihte. Und Haßlberger erinnert sich gerne an die zufälligen Treffen mit dem späteren Papst: „Immer, wenn ich ihn irgendwo getroffen habe, hat er gesagt: ,Aha, der Chiemgauer ist auch wieder da.‘“

Mit dem Papamobil durch die Münchner Innenstadt

Den wohl größten Trubel neben der Wahl zum Pontifex selbst löste der Papstbesuch in Bayern im Jahr 2006 aus. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von „einem Jahrhundertereignis, vielleicht sogar einem Jahrtausendereignis“. Vom 9. bis zum 14. September reiste Benedikt unter anderem nach München, Altötting, Regensburg und Freising und lockte bei seinen Messen mehrere Hunderttausend Gläubige an.

Ein Prosit der Gemütlichkeit: Horst Seehofer stößt vor dem Kloster Mater Ecclesiae im April 2017 mit Benedikt auf dessen 90. Geburtstag an. Im Hintergrund: Privatsekretär Georg Gänswein.
Der Papst liest bei seinem Bayernbesuch 2006 vor dem Abflug nach Altötting den Münchner Merkur.

Bei seiner Fahrt mit dem Papamobil durch die Münchner Innenstadt kurz nach der Ankunft in Bayern wurde der Papst von rund 70.000 Menschen erwartet. Überall in Bayern wurde er mit lauten „Benedetto, Benedetto“-Rufen begrüßt. Sein Besuch im Geburtsort Marktl am Inn rief findige Geschäftsleute auf den Plan. Auf einmal gab es dort „Vatikan-Brot“, „Benedikt-Torte“ und „Ratzefummel-Radiergummis“. Eine Rede in Regensburg löste allerdings wütende Proteste in der muslimischen Welt aus, weil Papst Benedikt sich kritisch über den Propheten Mohammed äußerte. Später sagte er, er sei missverstanden worden.

Benedikt XVI. - Die Region und ihr Papst

Johann Nußbaum überreicht Papst Benedikt anlässlich dessen 88. Geburtstags Bücher, die er über die Familie Ratzinger geschrieben hat.
Monsignore Thomas Frauenlob (links) und der stellvertr. Landrat von Traunstein Michael Koller (rechts) bei einer Privataudienz des Papstes im August 2022.
Josef Ratzinger bei einem Besuch in Prien-Urschalling gemeinsam mit seinem Bruder Georg im Jahr 1999.
Erzbischof Josef Ratzinger besucht Unterwössen. Hier im Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands Otto Dufter.
Benedikt XVI. - Die Region und ihr Papst

Auch in seiner Zeit als emeritierter Papst pflegte er enge Kontakte mit Oberbayern. Der Freisinger Dekan Stephan Rauscher erinnert sich an ein Treffen in Rom im Beisein von Hopfenbauern. Sie sprachen über die Ernte. „Ich habe dann gescherzt, dass die Hopfenbauern mir gegenüber immer gern jammern, sich das aber beim Heiligen Vater dann doch nicht trauen“, erinnert sich Rauscher. Und Benedikt habe mit einem Lächeln geantwortet: „Ich weiß, dass es den Hopfenbauern schon immer gut gegangen ist. Als ich noch mit einem Käfer herumgekurvt bin, haben die bereits Mercedes gefahren.“

Umjubelter Auftritt: Papst Benedikt fährt im Papamobil über den Marienplatz in der Freisinger Altstadt. Es war die letzte Station seiner fünftägigen Heimatreise im September 2006.

Die Verbundenheit zu seiner bayerischen Heimat ließ Benedikt auch in Rom nie los. Die Ordensfrauen in seinem Rückzugsort im Vatikan lernten, bayerische Süßspeisen zu kochen. Und zu seinem 90. Geburtstag wünschte er sich eine schlichte Feier – aber mit bayerischem Charakter. Privatsekretär Gänswein verriet vor einigen Jahren, Benedikt bedaure, dass er zu schwach zum Reisen sei. „Er sagt oft: ,Aber ich bin ja trotzdem in Bayern, im Herzen wandere ich einfach die Heimat ab.’“ 

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