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Illegale Welpentransporte in der Region: Ein Landkreis ist besonders betroffen

„Wirklich gottserbärmlich, wenn man dann diese kleinen Krümel hier bekommt!“

von links nach rechts: Zehn Mopswelpen, die im September 2021 bei Anger aufgegriffen wurden; drei Welpen die bei Kiefersfelden gefunden wurden und zwei Junghunde, die nahe Töging entdeckt wurden.
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von links nach rechts: Zehn Mopswelpen, die im September 2021 bei Anger aufgegriffen wurden; drei Welpen die bei Kiefersfelden gefunden wurden und zwei Junghunde, die nahe Töging entdeckt wurden.
  • Heinz Seutter
    VonHeinz Seutter
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Welches Ausmaß der illegale Transport von Hunde- und Katzenwelpen hat, machen nun Zahlen des Bayerischen Umweltministeriums deutlich. Fälle gibt es in allen Landkreisen der Region, ob Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn Rosenheim oder Traunstein. Doch in einem davon werden besonders viele Fälle festgestellt.

Bad Reichenhall - „Es ist wirklich gottserbärmlich, wenn man dann diese kleinen sechs bis acht Wochen alten Krümel hier bekommt“, klagt Gabriele Schwaiger-Weiß, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Bad Reichenhall und Umgebung e.V.. „Wir tun dann unser Bestes um die armen Kleinen aufzupäppeln. Leider gelingt das nicht immer. Und das tragischste dabei ist: Sie bleiben ja das Eigentum der Leute, bei denen sie beschlagnahmt wurden. Wenn die dann also die Behandlungskosten zahlen, dürfen sie sie wieder mitnehmen. Es tut einem in der Seele weh, wenn sie dann mit diesen Leuten wieder verschwinden.“

Illegaler Tiertransport bei Kiefersfelden am 25. April

Hunde aus einem illegalen Tiertransport, der bei Kiefersfelden gestoppt wurde.
Hunde aus einem illegalen Tiertransport, der bei Kiefersfelden gestoppt wurde.
Hunde aus einem illegalen Tiertransport, der bei Kiefersfelden gestoppt wurde.
Hunde aus einem illegalen Tiertransport, der bei Kiefersfelden gestoppt wurde.
Illegaler Tiertransport bei Kiefersfelden am 25. April

In den Grenzbereichen unserer Region werden immer wieder illegale Welpentransporte durch Grenz- und Bundespolizei gestoppt. „Zehn Hundewelpen blickten den Beamten aus einem viel zu kleinen Käfig entgegen. Der Zustand, den die Welpen machten, war zu diesem Zeitpunkt nicht gerade der Beste“, heißt es beispielsweise im Polizeibericht zu einem Aufgriff bei Anger im September des vergangenen Jahres. Am 24. April 2021 stoppte die Polizei einen illegalen Tiertransport auf der A93 bei Kiefersfelden. Ein Mann transportierte illegal 16 Hunde. Der Transport war mit Start in Süditalien bereits über 30 Stunden unterwegs und sollte noch weiter nach Norddeutschland gehen. „Leider stellte sich im Laufe des Tages heraus, dass die sechs Junghunde allesamt blutigen Durchfall hatten und der schlimme Verdacht der Pfleger bestätigte sich nach einem Parvovirus Schnelltest durch eine Tierärztin.“ Wiederum im Februar 2021 wurden bei Grenzkontrollen auf der A94 zwei Hundewelpen sichergestellt und an ein Tierheim übergeben.

Illegale Welpentransporte in der Region: Ein Landkreis ist besonders betroffen

Welches Ausmaß die illegalen Welpentransporte insgesamt haben, machen die Antworten des Bayerischen Umweltministeriums auf eine Kleine Anfrage des den Stimmkreis München-Schwabing vertretenden Grünen-Landtagsabgeordneten Christian Hierneis klar. Trauriger Spitzenreiter in der Region ist das Berchtesgadener Land, wo 2018 54 Hunde und 11 Katzen, 2019 etwa 91 Hunde und Katzen, 2020 56 Hunde und 6 Katzen, sowie schließlich 2021 72 Hunde und 8 Katzen aufgegriffen wurden. Auch in den anderen Landkreisen der Region kommt es immer wieder zu Aufgriffen, aber nie im Ausmaß wie im Berchtesgadener Land.

Fälle von gestoppten illegalen Welpentransporten in der Region (teilweise muss der Text zur Seite gescrollt werden):

Jahr/LandkreisAltöttingBGL Mühldorf am InnRosenheimTraunstein
20199 Hunde (2 Pitbull, Rest Malteser/Havaneser)etwa 91 Hunde und Katzen5 Hunde (frz. Bulldoggen)--4 Katzen (Scottish Fold)
202026 Hunde (u.a. Bichon-Malteser, Pitbull-Terrier, Malteser) 56 Hunde, 6 Katzen4 Hunde (Golden Retriever, div. Kleinhunde))3 Hunde (Malteser)--
2021 35 Hunde (u.a. Chihuahua, Jack-Russel, Schäferhund)72 Hunde und 8 Katzen (u.a. Zwergspitz, Malteser, Scottish Fold)11 Hunde (u.a. Shih Tzu, Bulldoggen, Beagle)22 Hunde (u.a. Cane Corso, Pomeranian)5 Katzen
2022 Bisher 4 Hunde (American Bulldog)Bisher 43 TaubenBisher 1 Hund (dt. Jagdterrier)--2 Hütehundewelpen

„Meistens sind die Transporte gar nicht für die Region bestimmt, sondern in andere Regionen Bayerns und Deutschlands unterwegs“, berichtet Gabriele Schwaiger-Weiß vom Reichenhaller Tierschutzverein, „Aber es kommt durchaus auch zu Verkäufen hier bei uns. Beispielsweise auf einem Rastplatz am Walserberg. Dort werden die Tiere dann direkt aus dem Kofferraum heraus verkauft. Wir haben schon Fälle gehabt, wo übrig gebliebene Welpen dann einfach ausgesetzt oder gleich in einen Mülleimer befördert wurden.“ Die Tiere kämen dann meist in einem sehr schlechten Zustand im Tierheim an. „Wir tun unser bestes, um sie wieder gesund zu bekommen. Aber leider gelingt das nicht immer.“

Welpen stammen meist aus grausigen Massenzuchtbetrieben

Die Jungtiere kämen aus schrecklichen Zuständen. Herkunft der Transporte ist, wie auch aus dem Ministeriumsbericht hervorgeht, unter anderem, Osteuropa, die Balkanregion und Süditalien. „Dort gibt es teilweise regelrechte Massenzuchtbetriebe. Die Tiere hausen dort unter unsäglichen Bedingungen. Die Muttertiere sind zu Gebärmaschinen degradiert, kaum haben sie einen Wurf auf die Welt gebracht werden sie schon wieder gedeckt. Die Jungen werden ihnen dann viel zu früh wieder weggenommen, was alleine schon für beide Seiten traumatisch ist.“ Die Gewinnspanne dabei sei für die Betreiber dieser Anlagen und Verkäufer der Tiere teils riesig. „Und die Nachfrage ist weiterhin da. Gerade während Corona wollten ja viele Leute, die zu Hause festsaßen, auf einmal ein Haustier.“

Bei den eingeführten Rassen könne man grob in drei Kategorien einteilen. „Zum ersten ‚Modehunde‘, vor allem kleinere Tiere, dann solche Hunderassen, die wegen Vorschriften zur Einfuhr und dem Verkauf von sogenannten ‚Kampfhunden‘ nicht so leicht erwerbbar sind und zuletzt solche Rassen, auch und gerade bei Katzen, bei denen die Zucht wegen Überzüchtung und resultierender Erbkrankheiten inzwischen geächtet ist.“ Wie erwähnt würden die Tiere teils im Alter von sechs bis acht Wochen verkauft. „Das ist auch deshalb viel zu früh, weil so wichtige Impfungen nicht vorgenommen werden können. Da fand dann keine tierärztliche Betreuung oder Untersuchung statt. Am Ende kommen dann die Tiere hier schwer krank und mit Parasiten an.“ Die skrupellosen Transporteure würden sie vor dem Verkauf noch mit Vitamininjektionen aufpeppen. „Bei Tieren aus Nicht-EU-Staaten ist eine Quarantäne von drei Wochen vorgeschrieben. Wir haben nicht immer den Platz, um sie von den anderen zu isolieren, daher müssen dann meist andere Tierheime mit einspringen.“

Tierschützer fordern härtere Strafen für qualvolle Welpentransporte

„Die Eigentumsverhältnisse bezüglich der Tiere müssen zunächst ermittelt werden. Meist sind sie nicht Eigentum der Transporteure. Für eine Vermittlung der Tiere an neue Eigentümer nach Ablauf einer gegebenenfalls erforderlichen Quarantäne ist in der Regel ein Eigentumsverzicht des bisherigen Eigentümers erforderlich“, fährt unterdessen das Ministerium in seiner Antwort an den Grünen-Abgeordneten fort. „Die ‚Illegalität‘ von Tiertransporten kann auf einer Reihe verschiedener Verstöße in verschiedenen Rechtsbereichen beruhen und tritt gegebenenfalls erst nach der Einreise in Deutschland ein. Der Verkehr mit den zuständigen Behörden anderer Mitgliedstaaten obliegt laut Tierschutzgesetz dem Bundeslandwirtschaftsministerium. Es nimmt die koordinierende Funktion wahr, indem es Informationen, die die zuständigen Landesbehörden ihm zuleiten, an die Behörden anderer Mitgliedstaaten übermittelt.“ Die Staatsregierung habe keine Handhabe außerhalb Bayerns.

„Wir haben uns mehrfach mit der Bitte an den Bund gewandt, Voraussetzungen zur Unterbindung beziehungsweise Erschwernis des illegalen Welpenhandels auf europäischer Ebene zu schaffen. Das Europäische Parlament hat im Februar 2020 eine entsprechende Entschließung gefasst“, fährt das Ministerium fort, „Die Vollstreckung von Bußgeldern in anderen EU-Mitgliedsstaaten und Drittstaaten gestaltet sich oftmals schwierig, da die verantwortlichen Personen im Zusammenhang mit tierschutzwidrigen Transporten, soweit sie über den im Inland festgestellten Sachverhalt hinausgehen, regelmäßig nicht gerichtsfest ermittelt werden können. Das Vollstrecken von Bußgeldern im Ausland wird über das zuständige Bundesamt für Justiz abgewickelt, die Bußgelder werden vom betroffenen ausländischen Staat eingezogen.“ - „Gerade die Bestrafung solcher Taten ist das Problem“, resümiert Tierschützerin Gabriele Schwaiger-Weiß, „Denn nach der aktuellen Gesetzeslage handelt es sich nur um Ordnungswidrigkeiten, keine Straftaten wenn die Tiere gottserbärmlich gequält werden. Hier müsste endlich der Bund schärfere Strafen festlegen. Das wird schon seit Jahr und Tag immer wieder von Tierschützern gefordert, leider sind bisher alleine zahllose Petitionen ungehört vorgebracht worden.“

hs

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