„Ihr habt bewiesen, was ihr für Dilettanten seid“

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Urlaub vorerst geplatzt: Timo und Annika waren mit ihren Eltern auf dem Weg in die Dominikanische Republik. Foto: dpa

München – Die Hellhakes hatten sich am Samstag früh aufgemacht.

Bereits um 5.30 Uhr war die Münchner Familie am Flughafen. Kurze Zeit später waren die Koffer aufgegeben und die Eltern hatten mit ihren Töchtern die Sicherheitskontrollen passiert. Um 8.15 Uhr sollte ihr Flugzeug nach Stockholm abheben. Es kam anders. Mit tausenden anderen Passagieren mussten die Hellhakes am Boden bleiben – mittendrin im Chaos.

„Als wir aus dem Security-Bereich kamen, war die Halle bereits brechend voll“, sagt Thomas Hellhake. „Vor den Schaltern der Lufthansa standen hunderte Menschen, aber nur wenige Schalter waren überhaupt besetzt.“

Über die App der Fluglinie habe er die Information bekommen, dass der Flug annulliert worden sei. Ansonsten aber sei die Information spärlich geflossen, sagt Hellhake. „Niemand wusste Bescheid und es gab kaum Durchsagen“, kritisiert der 60-jährige Rechtsanwalt.

Zu wenig Informationen. Das hat die gestrandeten Passagiere am meisten geärgert. In den sozialen Netzwerken ergießt sich ein Shit-Storm über den Flughafen und die Lufthansa. „Ein Schalter nach dem anderen schließt, ohne den Wartenden Bescheid zu geben. Schande!“, empört sich Daggi auf Twitter. Viele attestieren der Fluglinie ein „miserables Krisenmanagement“. „Ihr habt heute bewiesen, was ihr für ein Haufen Dilettanten seid“, schreibt ein anderer Twitternutzer.

Am Flughafen liegen die Nerven blank. „Wir haben null Info. Wir stehen hier seit zwei Stunden und wissen nichts“, sagte eine Mutter, die mit ihren beiden Kindern Timo und Annika in den Urlaub reisen wollte.

Heiß wird es am Samstag in der Halle und die Luft immer stickiger. Ein Bundespolizist fordert per Megafon die Menschen auf, nach draußen zu gehen. Hellhake steht in der Nähe, nur deshalb versteht er den Beamten. „Warum hier nicht die Hallensprechanlage genutzt wurde, ist mir ein Rätsel“, sagt Hellhake. Besonders ärgerlich sei auch gewesen, dass Flughafen-Mitarbeiter falsche Informationen verbreitet hätten, etwa wie man bereits aufgegebene Gepäckstücke zurückbekommt. „Es hieß, man solle sich am Ticket-Schalter anstellen, aber dort konnten sie einem nicht weiterhelfen.“

Die Hellhakes sind am Nachmittag ohne ihre Koffer zurück nach Hause gefahren. Damit hatten sie noch Glück. Rund 700 Passagiere mussten am Flughafen übernachten.

Auch gestern war der Flughafen noch weit entfernt vom Normalbetrieb. Erneut standen lange Schlangen vor den Schaltern, wenn auch jetzt etwas geordneter. Der Service für Betroffene hingegen hat sich kaum verbessert. Familie Saxena kam in der Früh aus Delhi nach München. Von dort sollte es heim nach Hamburg gehen. Doch ihr Flug wurde gestrichen. Wie es jetzt weitergeht, weiß Vater Ashwani Saxena nicht. Niemand kümmert sich um sie, er selbst erhält keine Informationen. In ihrer Not, und weil die Kinder so müde sind, haben sie sich auf Feldbetten niedergelassen.

Familie Hellhake wird jetzt am Mittwoch nach Schweden fliegen, mit ihrer Zweitgarderobe. Ihre Koffer sind noch irgendwo am Münchner Flughafen. Beatrice Ossberger

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