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Kabarettistin im Interview

„Ich will diesen Sprung jetzt probieren“: Warum Sissi Perlinger Deutschland den Rücken kehrt

Sissi Perlinger spricht im Interview über ihren Abschied aus Deutschland - und über inneren Frieden.
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Sissi Perlinger spricht im Interview über ihren Abschied aus Deutschland - und über inneren Frieden.
  • Ulrike Schmidt
    VonUlrike Schmidt
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Im Oktober hat sie den Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises gewonnen. Jetzt plant die Kabarettistin Sissi Perlinger etwas Neues: Sie will Deutschland hinter sich lassen, magische Orte entdecken und etwas für ihr inneres Wachstum tun.

München – Heute tritt Sissi Perlinger (58) mit ihrem Programm „Die Perlingerin –Worum es wirklich geht!“ zum letzten Mal im Prinzregententheater auf. Danach beginnt für die Kabarettistin ein neues Leben, sie pendelt mit ihrem Partner zwischen Ibiza, dem indischen Goa und der Pazifikküste Mexikos. Gerade verschenkt und verkauft sie alles aus ihrer Münchner Wohnung, um ohne Ballast neu zu starten. Auch im Interview gibt’s ein paar Lebensweisheiten gratis. 

Warum hören Sie denn überhaupt in Deutschland auf? 

Dafür gibt es einige Gründe. Ich habe mein Standbein in der alternativen Welt seit Jahren ausgebaut und eine sehr schöne englische Show mit tollen Songs und Stand-ups: „Tipps, Tricks and Techniques – how to stay happy, healthy and holy shit.“ Die jungen Leute sind davon begeistert, und das zu tun, entspricht auch sehr meiner inneren Berufung, nämlich wichtiges Wissen weiterzugeben. Diese Pendelbewegung zwischen der Auszeit in Indien und Ibiza und der „Applauszeit“ im Frühling und Herbst in Deutschland war immer sehr homogen, und ich war glücklich damit, bis Corona. 

Viele Shows wurden abgesagt oder verlegt, und die Leute gingen nicht mehr ins Theater.

Der Wahnsinn! Meine Agentin war irgendwann völlig entnervt und konnte einfach nicht mehr weitermachen. Da habe ich eine ganz klare Stimme in mir gespürt: Nach 37 Jahren im Job ist Zeit für was Neues. Ich will die Dinge tun, für die ich in Deutschland nie die Zeit hatte. Jeden Morgen meditieren, ausführlich Yoga machen, mehr Zeit für Freunde haben.

Wollen Sie jetzt nur noch Hippie sein?

Ich habe nicht mehr das Gefühl, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen, ich will lieber mehr für mein inneres Wachstum tun. Ich kann wunderbar in einem fremden Land leben, wo mich weniger Leute kennen, und die Menschen dort nur mit Gitarre und einem Schlagzeug an den Füßen unterhalten. Dieses junge internationale Traveller-Publikum lässt sich von meinen Texten berühren und inspirieren. Ich will diesen Sprung jetzt probieren, und wer springt, für den erscheint das Netz.

Können Sie sich das Aussteigen schon leisten? 

Ich habe seit meiner ersten Gage in eine private Altersvorsorge einbezahlt, ich habe etwas angespart und mir nie irgendeinen Statussymbol-Blödsinn gekauft. Meine Ausgaben und Einkünfte halten sich im Lot, und wer im Winter in Indien lebt, spart Heizkosten. 

Was fehlt Ihnen denn in München? 

Menschen wie ich, die Fernweh haben, die nach etwas suchen, die wissen wollen, was der wirkliche Sinn des Lebens ist: nämlich dem Leben Sinn zu geben. Das alles habe ich in Indien gefunden, ohne Guru und ohne Ashram. Ich bin dort gelandet und wusste: Da bin ich daheim. Aber es gibt viele magische Orte, ich möchte noch mehr entdecken und an verschiedenen Plätzen auf der Welt jeweils länger leben.

Welchen Sinn haben Sie Ihrem Leben gegeben? 

Mir wurde gesagt, der Sinn meines Lebens ist: Weisheit mit Humor zu verbinden und das einem großen Publikum zu übermitteln. Und dass ich genau jetzt auf dem Höhepunkt meiner Karriere sein werde. Das ist eingetreten mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises im Oktober. Und dass ich mit einem vollen Prinzi aufhören kann, wo mein erster großer Auftritt war – da schließt sich doch ein Kreis.

Ist eine Rückkehr möglich? 

Natürlich kann es sein, dass ich in fünf oder zehn Jahren wiederkomme. So weit würde ich nie planen, ich verlasse mich lieber auf mein Gefühl des Geführtseins. Und ich wurde immer gut geführt! Als ich vor 23 Jahren meinen Burn-out hatte, war ich zwar berühmt, aber einsam und krank. Dann wurde ich nach Indien geführt und erkannte: Karriere und Reichtum sind nichts wert, wenn du nicht in dir drin im Frieden sein kannst und das Glück aus dir selber schöpfen gelernt hast. Ich habe nach meiner Therapie das Meditieren gelernt und viel Tagebuch geschrieben, und in Goa hatte ich Zeit und habe dort meine Bücher und Shows geschrieben, und Gitarre und Percussion spielen gelernt. Dann wurde ich nach Ibiza geführt. Ich finde, es ist alles perfekt gewesen. 

Woran glauben Sie? 

Dass die Seele immer wieder kommt und weiter lernen will und dass das aber auch irgendwann einmal ein schönes Ende hat. Ich hoffe, ich bin in meiner letzten Reinkarnation, auch deshalb habe ich nie Kinder bekommen, ich wollte kein Karma mehr erzeugen. Ich will mich von allem lösen dürfen und übe das jeden Tag.

Bleibt ein Koffer hier? 

Erst mal schon. Ich schau, wie die neuen Wurzeln festwachsen und ob ich im neuen Leben erfüllt bin. Erst wenn sich eine solide Basis gebildet hat, vermiete ich meine Wohnung in München – meine liebevollst dekorierte Groundbase seit 20 Jahren.

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