MEIN DORF – KAPS

„Ich sehe bis zur Kampenwand“

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Sein Lieblingsplatz in Kaps: Karl Hörterer, 64, am Kreuz, dass sein Vater 1990 errichten ließ. Foto: Michel

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat.

Karl Hörterer, 64, lebt mit seiner Frau Angela in Kaps. Der Ortsteil von Aying im Landkreis München besteht aus fünf Höfen.

-Kaps ist ein winziger Ort, oder?

Ja. Wir sind ziemlich abgelegen. Es gab ursprünglich fünf landwirtschaftliche Höfe. Einer wurde verkauft. Da ist eine große und anspruchsvolle Reitanlage gebaut worden. Die zieht viele Reiter an.

-Sind Sie Landwirt?

Ich bin seit kurzem in Rente und war Heizungsbaumonteur. Landwirtschaft hatte ich immer nur im Nebenerwerb. Mittlerweile kann man mich eher als Liebhaberlandwirt bezeichnen. Ich habe nur noch Hennen und Bienen.

-Wächst der Ort Kaps?

Nein. Bei uns darf nicht neu gebaut werden, weil wir hauptsächlich ein landwirtschaftlicher Ort sind. Das ist einerseits gut. Aber es hat gerade für uns Einheimische auch schlechte Seiten.

-Ist doch gut, dass Ihnen keiner vor das Haus baut, oder?

Ja schon. Wir leben hier paradiesisch. Ich kann die ganze Bergkette sehen, den Wendelstein, bis zur Kampenwand. Wir genießen es auch, hier unsere Ruhe zu haben.

-Aber?

Ich hätte meiner Tochter Franziska gerne Baugrund geschenkt. Sie ist 34, hat gerade eine Familie gegründet und würde gern herziehen. Meine Enkeltochter Matilda ist knapp drei Monate alt. Aber das ist schwierig. Nur wenn was abgerissen wird, darf was Neues gebaut werden.

-Wer hat denn was dagegen?

Sicher nicht unsere Nachbarn und auch nicht die Politiker vor Ort. Das ist halt allgemeines Gesetz. Es stimmt ja auch: mancher Bauer betreibt Schindluder, und verkauft große Flächen. Wenn alles zugebaut wird, geht was vom Landschaftbild verloren. Aber wenn man nur für die eigenen Kinder bauen mag?

-Wo sind Sie denn am liebsten in Kaps?

Hier gibt es nicht viel, deshalb am liebsten daheim. Und da habe ich einen Lieblingsplatz. Als mein Sohn 1990 zur Welt kam, hat mein Vater oben am Grundstück ein Kreuz errichtet. Sein Kriegskamerad hat den heiligen Herrgott gestiftet. Das haben sie sich vorgenommen, wenn sie gesund vom Krieg heimkommen. Das Bankerl ist im Sommer gut besucht, so schön ist es da.

-Also kommen viele Leute bei Ihnen vorbei?

Am Wochenende ist hier richtig was los. Wir liegen mitten im Naherholungsgebiet. Bei uns wird gewandert und Radl gefahren. Die Natur ist wunderschön. Im nahe gelegenen Kupferbachtal wachsen seltene Pflanzen, wie das vom Aussterben bedrohte Löffelkraut. Es gibt schöne Ausflugslokale, im Reisenthal hat ein Bauernhofcafe eröffnet. Ein Geheimtipp ist unsere Gegend nicht mehr.

Interview: Aglaja Adam

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Wenn auch Sie Ihr Dorf vorstellen möchten, schreiben Sie uns an redaktion@ovb.net.

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